40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Polizeichef: Mitarbeiter sind nicht frustriert
  • Polizeichef: Mitarbeiter sind nicht frustriert

    Koblenz. Seit den Anschlägen vom 13. November in Paris und den Gewalttaten an Silvester in Köln läuft in Deutschland eine Debatte über Ausstattung und Personalstärke der Polizei. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Rheinland-Pfalz, Benno Langenberger, beschreibt die Polizisten als "zutiefst frustriert und desillusioniert." Jetzt weist der Koblenzer Polizeipräsident Wolfgang Fromm (63) dies im Interview mit unserer Zeitung zurück.

    Einsatzbereit? Für die Polizei im Land gibt es derzeit viel zu tun, wie beim nachgeholten "Rosensonntags-Zug" in Koblenz (Foto). "Zutiefst frustriert und desillusioniert": So beschreibt die Polizeigewerkschaft im Land die Polizisten. Im Interview mit der RZ hält Polizeipräsident Wolfgang Fromm dagegen.
    Einsatzbereit? Für die Polizei im Land gibt es derzeit viel zu tun, wie beim nachgeholten "Rosensonntags-Zug" in Koblenz (Foto). "Zutiefst frustriert und desillusioniert": So beschreibt die Polizeigewerkschaft im Land die Polizisten. Im Interview mit der RZ hält Polizeipräsident Wolfgang Fromm dagegen.
    Foto: Sascha Ditscher

    Wolfgang Fromm ist Chef von 2500 Mitarbeitern zwischen Altenkirchen und Simmern, Cochem und Bad Ems. Das Interview im Wortlaut:

    Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Rheinland-Pfalz, Benno Langenberger, sagte im Interview mit unserer Zeitung, die Polizei habe im Land 1,7 Millionen Überstunden angehäuft. Und: "Jetzt, in der Krise, in der wir mit einer latenten Anschlagsgefahr, stark gestiegenen Einbruchszahlen und den Problemen im Zusammenhang mit den hohen Flüchtlingszahlen umgehen müssen, ist das Maß bei vielen voll. Die Polizeibeamten sind aufgrund vieler Zusatzdienste, erheblicher Arbeitsbelastungen, zunehmender Aggression und Gewalt und der Tatsache, dass die Verantwortung, wenn etwas schief geht, reflexartig auf die Polizei abgeschoben wird, zutiefst frustriert und desillusioniert." Teilen Sie diese Einschätzung?

    Die Schlussfolgerung teile ich so nicht. Die Polizeibediensteten sind nach wie vor hoch engagiert, die Polizei ist nach wie vor handlungsfähig. Ich teile aber die Auffassung, dass die Arbeitsbelastung sehr hoch ist. Sicherlich gibt es Gründe zur Kritik. Und Kritik muss in einer modernen Polizei auch vorgetragen werden dürfen.

    „Die Polizeibediensteten sind nach wie vor hoch engagiert, die Polizei ist nach wie vor handlungsfähig“, sagt der Koblenzer Polizeipräsident Wolfgang Fromm.
    „Die Polizeibediensteten sind nach wie vor hoch engagiert, die Polizei ist nach wie vor handlungsfähig“, sagt der Koblenzer Polizeipräsident Wolfgang Fromm.
    Foto: Sascha Ditscher

    Nach den gewaltsamen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln gibt es auch in Rheinland-Pfalz eine Debatte zu der Frage, ob die Polizei personell und materiell noch ausreichend handlungsfähig ist. Was ist Ihre Position hierzu?

    Die Polizei ist personell und materiell handlungsfähig. Natürlich wäre es gut, mehr Personal zur Verfügung zu haben. Eine Optimierung der materiellen Ausstattung ist bereits vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung permanent geboten.

    Braucht das Polizeipräsidium Koblenz mehr Personal? Wenn ja, wie viel und zu welchem Zweck?

    Die Verteilung der Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei auf die Polizeipräsidien erfolgt landesweit nach langjährig fortentwickelten und akzeptierten Kriterien. Diesem Verteilungsschlüssel folgend, werden und sind wir hier beim Polizeipräsidium personell ausgestattet. Die erhöhten Einstellungen (500 pro Jahr) begrenzen einen Rückgang der Personalstärke der Polizei.

    Braucht das Polizeipräsidium Koblenz zusätzliche oder erneuerte Ausrüstung? Wenn ja, warum? Und was konkret wird benötigt?

    In der Gesamtschau, erst recht im Ländervergleich, sind wir gut ausgestattet. Dennoch bestehen mehr oder weniger dringliche Bedarfe, etwa – neben der Sanierung unseres Hauptgebäudes und unserer Schießanlage – die technische Optimierung, zum Beispiel der Notrufannahme und Einsatzsteuerung, die technische Ausstattung am Arbeitsplatz, in Funkstreifenwagen oder im personellen Bereich die Ausstattung mit zusätzlicher Schutzausstattung oder Handys.

    Können Sie beschreiben, wie sehr die Flüchtlingskrise die Arbeit der Koblenzer Polizei beeinflusst? Was konkret ist das Problem? Und seit wann besteht es?

    Lassen Sie mich mit ausdrücklicher Anerkennung für alle diejenigen beginnen, die sich aktiv von Berufs wegen oder im Ehrenamt human und humanitär der Aufnahme der Flüchtlinge gewidmet haben und widmen. Und das gilt auch für die Polizeibeamten. Wir haben uns von Anfang an zur Maxime gemacht, alles dafür zu tun, dass die Flüchtlinge sich bei uns sicher fühlen (subjektive Sicherheit) und auch tatsächlich sicher sind (objektive Sicherheit). Ich denke, das ist uns allen recht gut gelungen, erfordert allerdings auch personelles Engagement. Wir halten engen Kontakt zu den Aufnahmeeinrichtungen, sind in den größeren Einrichtungen und im Umfeld aller Einrichtungen präsent, führen Informationsveranstaltungen durch und leben eine bürgernahe Polizei. Natürlich gibt es, wenn Menschen in so großer Zahl und unter schwierigen Bedingungen leben, auch Konflikte. Signifikante, also statistisch auffällige, Entwicklungen haben wir bis dato nicht festgestellt.

    Hat die Koblenzer Polizei auf die Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris und die Vorfälle an Silvester in Köln reagiert? Wenn ja: wie?

    Selbstverständlich fließen auch und gerade solche dramatischen Geschehnisse in die polizeiliche Lagebewertung mit ein. Konkrete Ableitungen daraus sind etwa die Überprüfung und Anpassung der Einsatzorganisation, zum Beispiel ein höherer Personalansatz bei größeren Veranstaltungen zur Gewährleistung einer höheren Präsenz vor Ort, der Einsatz von Beamten der Schutzpolizei mit Bodycams oder die erstmalige Verwendung von Videoüberwachungsanlagen beim diesjährigen "Rosensonntagszug" in Koblenz. Der Einsatz von Bodycams wird in der Polizei Rheinland-Pfalz seit dem 1. Juli 2015 bei den Polizeipräsidien Mainz und Koblenz erprobt.

    Haben Sie eine Statistik darüber, wie viele Überstunden die Polizisten des Polizeipräsidiums Koblenz in den Jahren von 2010 bis 2015 angehäuft haben?

    Natürlich führen wir Statistiken über Arbeitszeit und Mehrarbeit. In dem von Ihnen genannten Zeitraum hat sich der Bestand an Mehrarbeit bis 2013 reduziert, ist seitdem aber wieder um knapp 14 Prozent angestiegen. Das ist sicherlich auch der wachsenden Aufgabenentwicklung der Polizei geschuldet, ich denke dabei an steigende Einsatzbelastungen oder neue beziehungsweise veränderte Kriminalitätsphänomene.

    Ist die Summe an Überstunden für die Polizisten des Polizeipräsidiums Koblenz problemlos zu schultern, sind sie voll ausgelastet oder bereits überbelastet?

    Der Ausgleich der Mehrarbeitsstunden durch Freizeit wird immer schwieriger. Insofern hat uns die Entscheidung des Ministeriums des Innern, für Sport und für Infrastruktur geholfen, nach der alle bis zum 31. Dezember 2014 angefallenen Mehrarbeitsstunden eingefroren werden und keinem Verfallsdatum unterliegen. Unbeschadet dessen: Die Belastung der Kolleginnen und Kollegen ist sehr hoch.

    Die Fragen stellte Hartmut Wagner

    Debatte um Sicherheit: Die Polizei stößt an ihre GrenzenHat Rheinland-Pfalz deutschlandweit die wenigsten Polizisten?Die Lage der Polizei im Land: Das sagen die Parteien
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    epaper-startseite
    Anzeige
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Freitag

    19°C - 34°C
    Samstag

    19°C - 33°C
    Sonntag

    18°C - 32°C
    Montag

    13°C - 24°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige