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  • Neue Synagoge sollte Bürresheimer Hof ablösen

    Koblenz. Die Diskussion um die Zukunft der Koblenzer Synagoge wirft eine Reihe von Fragen auf. Bei der Suche nach Antworten rückt zwangsläufig die jüngere Geschichte in den Mittelpunkt.

    Nicht üblich, aber auch kein Unikum: Jüdischer Friedhof und Synagoge liegen eng zusammen. Deswegen gibt es neue Überlegungen.
    Nicht üblich, aber auch kein Unikum: Jüdischer Friedhof und Synagoge liegen eng zusammen. Deswegen gibt es neue Überlegungen.
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Die Historikerin Dr. Petra Weiß, Mitarbeiterin des Stadtarchivs Koblenz, hat die wichtigsten Fakten für unsere Zeitung zusammengestellt. Bekanntlich reichen die Spuren des jüdischen Lebens in Koblenz gut 900 Jahre zurück. Die Lebensmittelpunkte der Juden wechselten, ebenso die Standorte ihrer frühen Gotteshäuser. Sind die Stationen der älteren Geschichte nur schwer fassbar, können die Ereignisse seit dem 19. Jahrhundert klarer nachgezeichnet werden. Der Teil der Geschichte, der den aktuellen Diskussionen zugrunde liegt, beginnt im Oktober 1847. Damals erwarb die Synagogengemeinde den ehemaligen Adelssitz Bürresheimer Hof am Florinsmarkt und richtete ihn als Synagoge her.

    Den Umbau plante der Königliche Bauinspektor Johann Claudius von Lassaulx, ein Katholik. Ende Januar 1851 fand der erste Gottesdienst statt. Das Gebäude wurde aber nicht nur für liturgische Zwecke, sondern auch als Gemeindehaus und Religionsschule genutzt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts trafen sich die Mitglieder der Eintracht-Loge ebenfalls dort.

    Noch während sich die Synagoge im Eigentum der Synagogengemeinde befand, gab es 1938 Überlegungen, sie als Trausaal für das Standesamt anzumieten oder anzukaufen. In der Reichspogromnacht, die in Koblenz am 10. November 1938 gegen 4 Uhr morgens begann, wurde die Inneneinrichtung zertrümmert und geplündert. Weil die Folgen für die enge Altstadtbebauung unabsehbar waren, ging die Synagoge aber nicht in Flammen auf.

    Mit der Reichspogromnacht endete die Nutzung des Gebäudes durch die Synagogengemeinde. Am 16. Dezember 1938 ging das Eigentum dann an die Stadt Koblenz über. Ein Kaufpreis wurde nicht gezahlt. Im Gebäude sollte jetzt ein neuer Kindergarten untergebracht werden, für den das Stadtgestaltungsamt 1939 Pläne ausarbeitete. Doch mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden dringend Räume für das neue Wirtschaftsamt gebraucht, das am 18. September 1939 seine Hauptstelle am Florinsmarkt 11 eröffnete.

    Gebäude brannte aus

    Am 7. Januar 1941 zog das Ernährungsamt ebenfalls in die ehemalige Synagoge. Dieses vereinigte Wirtschafts- und Ernährungsamt blieb dort bis zum Bombenangriff vom 22. April 1944, bei dem das Gebäude bis auf die Außenmauern ausbrannte. 1947 residierte die Jüdische Kultus-Gemeinde zunächst An der Liebfrauenkirche 11, und die Trauerhalle auf dem Friedhof wurde als provisorischer Betsaal genutzt. Seit April 1947 bemühte sich der Holocaust-Überlebende Addi Bernd als Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde um die Rückübertragung des 915 Quadratmeter großen Grundstücks der zerstörten ehemaligen Synagoge. Die Stadt stellte einen Zwangsverkauf zunächst in Abrede, was bei Bernd helle Empörung auslöste.

    Die Stadtverordnetenversammlung (heute Stadtrat) beschloss in ihrer Sitzung vom 4. September 1947 einstimmig die kostenfreie Rückübertragung der ehemaligen Synagoge an die Jüdische Kultus-Gemeinde. Diese schloss am 20. Dezember 1949 vor der Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Koblenz mit der Stadt einen entsprechenden Vergleich.

    Die Stadt hatte 1947 Interesse bekundet, das Grundstück zu behalten, um den gesamten Florinsmarkt denkmalpflegerisch gestalten zu können. Die Jüdische Kultus-Gemeinde war grundsätzlich bereit, über einen Grundstückstausch zu verhandeln. Zu diesem Zeitpunkt befand sich nämlich die neue Synagoge auf dem Friedhof an der Schwerzstraße bereits im Bau. Den Entwurf hierfür hatte der jüdische Architekt Helmut Goldschmidt aus Mayen geliefert. Das Richtfest wurde im April 1951 gefeiert, das genaue Datum der Einweihung (1951 oder 1952) wurde noch nicht ermittelt.

    Ankauf zunächst abgelehnt

    Im Jahr 1950 lehnte die Stadt einen Ankauf der ehemaligen Synagoge zunächst ab, weil für den Wiederaufbau keine Mittel zur Verfügung standen. Als 1952 seitens der Stadt für eine Berufsschule erneut Kaufinteresse bestand, hatte die Jüdische Kultus-Gemeinde eine Teilfläche bereits an einen Privatmann verkauft.

    Am 16. Juni 1954 beschloss der Stadtrat dann einstimmig, die restliche Teilfläche mit den Trümmern der ehemaligen Synagoge zur Einrichtung eines neuen Pfandamtes zu kaufen. Der notarielle Kaufvertrag für das 427 Quadratmeter große Grundstück wurde am 13. Juli 1954 abgeschlossen. Das städtische Pfandamt wurde am 30. November 1967 geschlossen.

    1970 wurden Kinder-, Jugend- und Musikbibliothek der Stadtbibliothek im ersten und zweiten Obergeschoss untergebracht. 1986 wurde im ersten Obergeschoss ein Gedenkraum eingerichtet, der an das Schicksal der Koblenzer jüdischen Mitbürger erinnert. Aktuell steht das Gebäude wie das Alte Kaufhaus und das Dreikönigenhaus leer. Die Bauten könnten nun Heimat eines wissenschaftlichen Instituts werden. ka

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