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    Vallendar/KoblenzNach Weinflaschen-Angriff auf WHU-Dozenten: Kreis MYK schiebt Schläger in Kosovo ab

    Er schlug einem Dozenten der WHU-Hochschule in Vallendar mit einer vollen Rotweinflasche drei Zähne aus - und behauptete später, Kontakte zur Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zu haben. Jetzt steht fest: Der brutale und massiv vorbestrafte Schläger (27) muss Deutschland verlassen. Die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz hat bestandskräftig verfügt, dass er in sein Heimatland Kosovo abgeschoben wird.

    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Der hagere Mann mit der rasierten Glatze, der laut einem Gutachter möglicherweise unter Wahnvorstellungen leidet, stand in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht: 2014 verurteilte ihn das Schöffengericht Koblenz zu zwei Jahren und drei Monaten Haft, weil er einem WHU-Dozenten um 5.30 Uhr an der Bundesstraße 42 in Vallendar eine Flasche ins Gesicht geschlagen hatte, da dieser ablehnte, ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen.

    Im Juni 2015 stand er erneut vor dem Schöffengericht Koblenz, weil er in Urbar zweimal in ein leer stehendes Haus eingebrochen war. Er gestand die Tat - erzählte aber eine bizarre Geschichte. Er behauptete, dass er nachts auf seinem Balkon eine vermummte Gestalt entdeckt habe, die etwas mit dem NSU zu tun hat. Dass er dazu aber nicht mehr sagen könne, da er seine Familie schützen will. Dass er in Süddeutschland an einer Wand ein Graffito sah, vom Tod eines Mannes in Urbar hörte, zweimal in dessen Haus einstieg, eine Blutlache entdeckte, einen Tresor stahl und ein Zielfernrohr für ein Gewehr.

    Was all das miteinander zu tun hat, verstand wohl nur der Angeklagte. Darum unterbrach das Gericht den Prozess und ordnete an, dass ein Psychiater dessen Gesundheitszustand untersucht.

    Jetzt, fünf Monate später, kam es deshalb erneut zum Prozess - allerdings erneut ohne Gutachten, da sich der Angeklagte weigerte, mit dem Psychiater zu sprechen. Stattdessen erzählte er im Prozess eine ähnlich wirre Geschichte wie im Juni: Er sei zu den Einbrüchen gedrängt worden - von wem, blieb unklar. Er habe sich Sorgen gemacht - warum, blieb rätselhaft. Den Tresor habe er aber aus Neugierde gestohlen und mit einer Sackkarre abtransportiert.

    "Das ist alles ein bisschen schwer zu verstehen", kommentierte Amtsgerichtsdirektor Reiner Rühmann, der den Prozess leitete. "Der Angeklagte macht einen etwas verwirrten Eindruck." Der Richter erklärte, dass der Angeklagte die beiden Einbrüche möglicherweise im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Daraufhin stellte das Gericht das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft vorläufig ein. Denn die Strafe, die der Mann wegen der Einbrüche zu erwarten hätte, falle angesichts der Haftstrafe wegen der Attacke auf den WHU-Dozenten nicht ins Gewicht.

    Die Kreisverwaltung erließ eine Ausweisungsverfügung gegen den Mann - und begründete sie mit dem Aufenthaltsgesetz (Paragraf 54) sowie der Verurteilung zu mehr als zwei Jahren Haft. Wann der Mann abgeschoben wird, ist noch unklar.

    Koblenz
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