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    KoblenzNach Massenschlägerei auf dem Asterstein: Das weiß die Polizei

    Schlägereien auf dem Asterstein und am Schloss, mit Verletzten und mehreren Großeinsätzen der Polizei: Das Wochenende hat Koblenz aufgeschreckt. Mit der RZ sprach die Polizei über den Ermittlungsstand.

    Mit einem Großaufgebot konnte die Polizei am Sonntag am Schloss eine Massenschlägerei gerade noch verhindern.
    Mit einem Großaufgebot konnte die Polizei am Sonntag am Schloss eine Massenschlägerei gerade noch verhindern.
    Foto: Raphael Markert

    Im Zentrum der gewalttätigen Auseinandersetzung stehen zwei Gruppen, die aufeinanderprallten. Zwei Tage nachdem der Polizeihubschrauber über Koblenz kreiste, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Doch vieles ist weiter nebulös. Im Gespräch mit Polizeipräsident Wolfgang Fromm, Oberstaatsanwalt Rolf Wissen, Manuel Wehrmann, Chef der Polizeiinspektion (PI) Koblenz 1, sowie Erwin Vomland von der Ermittlungsgruppe der Polizei, die am Montag die Arbeit aufgenommen hat, versucht unsere Zeitung, mehr Licht in das Dunkel dieses gewalttätigen Konflikts zu bringen.

    Die beteiligten Gruppen: Zwei etwa 30-köpfige Gruppen standen sich am Sonntagnachmittag am Schloss gegenüber, bevor die Polizei eine Eskalation verhindern konnte. Bei der einen Gruppe handelte es sich nach Erkenntnissen der Polizei um Jugendliche und junge Männer unterschiedlicher Nationalitäten, deren verbindendes Element die Realschule plus auf dem Asterstein ist, wie Ermittler Vomland berichtet. Syrische Asylbewerber seien darunter gewesen, Deutsche mit Migrationshintergrund, Russen, Italiener. Wie die Polizei berichtet, handelte es sich bei der anderen Gruppe am Schloss vor allem um Anwohner vom Asterstein, um Mitglieder des Astersteiner Zweigs der großen Sinti-Familie Reinhardt und deren Umfeld vom Luisenturm. Regt sich gegen eine entsprechende Darstellung Widerstand und Kritik in den sozialen Medien, bestätigt dies die Polizei aber ausdrücklich.

    Die Schlägerei am Sportplatz: Die Eskalation begann offenbar am Samstagabend, wie Ermittler Vomland berichtet. Mit zwei Autos waren Jugendliche und junge Heranwachsende auf dem Weg zum Astersteiner Sportplatz des SV Pfaffendorf, als sie von einer größeren Menschenmenge gestoppt wurden. Ein Auto konnte wegfahren. Die Insassen aus dem zweiten Auto stiegen aus. Es kam zu Beleidigungen und Schlägen, bei denen auch Ketten zum Einsatz kamen. Zwei der Autoinsassen wurden verletzt, ein Dritter konnte fliehen. Zwei der Verletzten hatten gegenüber unserer Zeitung angegeben, nicht zu den auf dem Asterstein lebenden Sinti zu gehören, aber mit ihnen befreundet zu sein. Nach dem Vorfall liefen am Sportplatz schnell viele Menschen zusammen. Die Polizei berichtet von etwa 60 Menschen insgesamt, unter denen sich auch Vertreter der beschriebenen Gruppen befanden, die am nächsten Tag am Schloss wieder aufeinandertrafen.

    Der Großeinsatz am Sonntag: Die Polizei war bereits für einen ganz anderen Einsatz gerüstet, weil sie ein Auge auf eine von der Antifa angekündigte Aktion werfen wollte, mit der sich die Gruppierung auf einen Protest gegen einen G 20-Gipfel vorbereiten wollte. Die Aktion fiel aus, berichtet PI-Leiter Wehrmann. Aber die Polizei war bereits einsatzbereit – und daher auch schnell am Schloss, als gegen 15.50 Uhr die Meldung über die zwei Gruppen kam, die dort aufeinandertrafen. Zu einer Schlägerei kam es nicht mehr. Die Gruppen wurden kontrolliert, und schnell stellte sich heraus, dass es einige Übereinstimmungen mit den Beteiligten des Vortags gab. Personalien wurden aufgenommen, 50 Platzverweise für die Innenstadt ausgesprochen. Auf der Pfaffendorfer Brücke wurden weitere Hinzukommende gestoppt. Per Hubschrauber und mit Streifen behielt die Polizei die abziehenden Gruppen im Auge. Es blieb im Weiteren aber friedlich.

    Der Hintergrund des Konflikts: Da sich nicht einer der von der Polizei Befragten bislang zur Ursache für den Konflikt geäußert hat, ist diese unklar. Gerüchte machten die Runde von einem Streit um ein Mädchen. Gehört haben auch Polizei und Staatsanwaltschaft davon. Aber: „Solche Gerüchte bewerten wir nicht“, betont Oberstaatsanwalt Rolf Wissen. Und auch Polizeipräsident Wolfgang Fromm betont: „Das Motiv ist unklar.“ Aus Sicht der Behörden spricht viel dafür, dass es aber eher einen punktuellen Auslöser gegeben haben dürfte, dass nicht etwa eine größere Fehde grundsätzlicher Natur dahintersteht. Vorfälle und Einsätze dieser Art, bei denen sich Sinti und ausländische Gruppen auf dem Asterstein gegenüberstanden, habe man in den vergangenen Jahren nie gehabt, betont auch Inspektionsleiter Wehrmann. Auch nicht in den Zeiten, als noch die große Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Feuerwehrschule eingerichtet war, so Fromm. Der auf dem Asterstein eingesetzte Bezirksbeamte habe ebenfalls keine Kenntnis von grundsätzlichen Konflikten – und der sei nah am Geschehen dran.

    Das weitere Vorgehen: Zum einen wird sich die Ermittlungsgruppe um eine Aufklärung der Ereignisse vor allem am Samstag kümmern, bei denen es zu Körperverletzungen kam. Dazu müssen Zeugen gehört werden, muss ermittelt werden – was sicher kein leichtes Unterfangen werden dürfte. Zum anderen wird die Polizei die Präsenz auf dem Asterstein erhöhen, wird die Lage genau im Auge behalten.

    Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

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