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  • Koblenz: Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge in der Uni

    Koblenz. Warum dauert es so lange, bis Flüchtlinge in Deutschland arbeiten dürfen? Wie funktionieren die Verwaltungsabläufe, um Integrations- und Sprachkurse zu organisieren? Sollten straffällig gewordene Flüchtlinge schnell abgeschoben werden - oder nicht? Und: Wie schaut es generell mit einer ethischen Verpflichtung aus, Menschen in Not zu helfen? Von all diesen verschiedenen Facetten her wurde das Flüchtlingsthema im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Uni in Koblenz beleuchtet.

    Der große Hörsaal im M-Bau platze aus allen Nähten: Das Interesse am Flüchtlingsthema war groß - und die Gäste auf dem Podium ließen es zu, die Problematik von den verschiedensten Facetten her zu beleuchten. Die Ethik, die juristisch Seite, die Position der Ehrenamtler, die der Verwaltung und die Sichtweise eines Flüchtlings selbst standen im Fokus.
    Der große Hörsaal im M-Bau platze aus allen Nähten: Das Interesse am Flüchtlingsthema war groß - und die Gäste auf dem Podium ließen es zu, die Problematik von den verschiedensten Facetten her zu beleuchten. Die Ethik, die juristisch Seite, die Position der Ehrenamtler, die der Verwaltung und die Sichtweise eines Flüchtlings selbst standen im Fokus.
    Foto: Annette Hoppen

    Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen

    Eingeladen zu der Veranstaltung hatte Sinem Erg, Referentin für Kulturelle Bildung des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss). Die Resonanz war gewaltig - und deutlich größer als erhofft. Der große Hörsaal im M-Bau platze fast aus allen Nähten; in Koblenz aber zum Glück keine Flüchtlingsunterkünfte. Er fühle sich wohl an der Stadt an Rhein und Mosel, bekundete Flüchtling Jamal Isaa, der auf dem Podium saß. Allerdings sagte Isaa auch: Wie schnell ein Flüchtling Papiere erhalte und Anträge bearbeitet würden, sei offenbar Glückssache. Von Freunden, die sich mit ihm auf die Flucht vor Krieg und Terror gemacht haben, wisse er, dass die Verwaltungsabläufe ganz unterschiedlich lange dauern.

    Rund 1400 Flüchtlinge sind derzeit in Koblenz zu versorgen, erklärte Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig. "Wir schaffen das!": dem Zitat der Kanzlerin wollte er sich nicht kritiklos anschließen. "Wenn wir uns anstrengen, können wir es packen", meinte der Stadtchef. Aber so einfach sei das nicht. Die wichtigste kommunale Pflichtaufgabe sei es derzeit, allen Schutzsuchenden ein Dach über dem Kopf zu bieten. Und schon das sei eine Mammutaufgabe. Deshalb unterstütze er auch den Beschluss der Bundesregierung, den Familiennachzug derzeit auszusetzen. Bei den über das Land hereinbrechenden Flüchtlingsströmen könne der Familienzuzug einfach logistisch nicht mehr bewältigt werden.

    Für den Runden-Tisch-Asyl aus Güls berichtete Dr. Jutta Lange Quassowski von der Arbeit Ehrenamtlicher. Wichtigstes Ziel sei es, den Flüchtlingen so schnell wie möglich Sprachkurse zu ermöglichen. Das funktioniere dank der Hilfe vieler ehrenamtlicher Sprachlehrer recht gut. Bisweilen sei aber Überzeugungsarbeit bei den Flüchtlingen notwendig, die zu sehr auf die englische Sprache bauen. Was alles andere als gut gelingt ist es derweil, selbst hochqualifizierte Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, berichtete unterdessen Heike Krause, Anwältin für Asylrecht aus Köln. Sie erzählte von einem Medizinier aus Syrien, der trotz guter Deutschkenntnisse keine Anstellung erhält. Er müsste zuerst Prüfungen nach deutschem Recht ablegen. Ein Irrsinn, wie die Juristin findet.

    Thema Wirtschaftsflüchtlinge: Hier bezog Oberbürgermeister Hofmann-Göttig ganz klar Stellung: Die große Mehrheit der Schutzsuchenden fließe vor Krieg, Terror und Gewalt und nicht wegen materieller Gründe, stellte der Stadtchef klar. In Bezug auf straffällig gewordene Flüchtlinge und die Vorfälle aus der Kölner Silvesternacht, positionierte sich Hofmann-Göttig eindeutig auf der Seite derer, die eine schnelle Abschiebung befürworten. Menschen, die kommen und sich in Deutschland an Recht und Gesetz halten und integrieren, seien willkommen. "Die das nicht tun, sind es aber nicht", betonte Hofmann-Göttig. Flüchtlingsobergrenzen erteilte er indessen eine Absage. Diese seien nicht praktikabel. "Wollen wir um die ganze EU einen Stacheldraht ziehen und im Mittelmeer künftig auf Schlauchboote schießen", sagte der OB unter großem Beifall der Zuhörer.

    Auf den ethischen Aspekt der Flüchtlingskrise ging Dr. Heiner Michel ein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Philosphie der Koblenzer Uni. Michel meinte: "Wir brauchen keine neue Ethik, sondern müssen über die Reichweite unserer ethischen Prinzipien sprechen." Diese dürften nämlich nicht an der Landesgrenze enden. Die ethische Verpflichtung, Schutzsuchenden Hilfe zu bieten, sei nicht an geografische Grenzen gebunden.

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