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    KoblenzJunge Flüchtlinge finden Obhut in Koblenz

    Koblenz wird aller Voraussicht nach eins von fünf Schwerpunktjugendämtern in Rheinland-Pfalz, die die erste Unterbringung von "unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen" übernehmen. Im Haus des Seraphischen Liebeswerks werden Plätze für Jugendliche eingerichtet.

    Unter anderem die Jugendhilfeeinrichtung im Koblenzer Stadtteil Arenberg wird erstes Zuhause auch für junge Flüchtlinge. Foto: Schneider
    Unter anderem die Jugendhilfeeinrichtung im Koblenzer Stadtteil Arenberg wird erstes Zuhause auch für junge Flüchtlinge.
    Foto: Schneider

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Manche sind Jahre unterwegs, zu Fuß und mit dem Schiff aus Syrien, Eritrea oder einem der vielen Krisengebiete der Welt. Oft haben ihre Eltern all ihr Geld zusammengeklaubt, um dem einen Sohn (oder seltener der einen Tochter) ein besseres Leben zu ermöglichen, ein Leben in Freiheit und Sicherheit. Und dann werden sie von der Bahnpolizei aus dem Zug gefischt - und ihre neue Heimat heißt jetzt erst mal Koblenz.

    Für immer mehr "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge", wie sie offiziell heißen, könnte das der Fall sein. Denn Koblenz wird aller Voraussicht nach eins von fünf Schwerpunktjugendämtern in Rheinland-Pfalz, die die erste Unterbringung übernehmen. Nach dem Willen des Landes (und mit dessen Finanzierung) wird nämlich nicht jedes der 41 Jugendämter die Erstaufnahme der Jugendlichen regeln, sondern Kompetenzen sollen gebündelt werden: in Koblenz (für Koblenz, den Kreis Mayen-Koblenz, Stadt und Kreis Neuwied, Rhein-Lahn-Kreis, Westerwald-Kreis und den Kreis Altenkirchen), in Trier, Mainz-Bingen, Kaiserslautern und Kusel. Manche fassen die beiden letztgenannten Standorte zusammen und sprechen von vier Schwerpunktjugendämtern.

    Nötig ist die Bündelung, weil künftig deutlich mehr jugendliche Flüchtlinge nach Rheinland-Pfalz kommen als bisher. Eine Gesetzesänderung tritt voraussichtlich zum 1. Januar in Kraft. Auf die Schwerpunktjugendämter kommen damit Aufgaben zu, die sinnvoller zu bündeln sind, als wenn jedes Jugendamt im Land sie übernehmen würde. Sie müssen sich beispielsweise mit asylrechtlichen oder ausländerrechtlichen Fragen beschäftigen, Familienzusammenführungen prüfen und vieles andere mehr.

    Mit wie vielen (überwiegend männlichen) Jugendlichen Koblenz zu rechnen hat, ist indes mehr als unberechenbar. Für Rheinland-Pfalz gibt es die Prognose 1000 im kommenden Jahr, das könnte für Koblenz rund 300 bedeuten, sagt die Koblenzer Jugendamtsleiterin Elvira Unkelbach. "Aber das sind reine Prognosen." Auch wie lange die Jugendlichen in der Obhut des Jugendamtes bleiben, ist völlig ungewiss. Manche werden nach ein paar Tagen weiterreisen oder zu einem Angehörigen oder ehemaligen Nachbarn ziehen, andere bleiben länger, bis geklärt ist, wie ihre Zukunft aussehen kann. Zwischen 16 und 18 Jahre alt sind die meisten, zeigt die bisherige Erfahrung.

    Mit verschiedenen möglichen Trägern ist das Jugendamt derzeit im Gespräch. Zum Beispiel dem Haus der Kinder- und Jugendhilfe in Koblenz-Arenberg, in dem gerade eine Gruppe für acht bis zehn jugendliche Flüchtlinge ausgebaut wird. Aber auch das Jugendhilfswerk Koblenz überlegt, eine Art Betreutes Wohnen anzubieten, der Sozialdienst katholischer Frauen arbeitet an einem Konzept für "Gastfamilien", das Deutsche Rote Kreuz hat erste Pläne für eine Einrichtung angekündigt.

    Wenn die jungen Flüchtlinge in Koblenz ankommen, geht es in einer ersten, vorläufigen Inobhutnahme (geplante Dauer rund eine Woche) vor allem darum, einen Gesundheitscheck vorzunehmen, das Alter des Jugendlichen zu bestimmen, zu schauen, ob es Angehörige gibt, bei denen er wohnen könnte. Das Jugendamt ernennt einen Vormund, der für den Jugendlichen verantwortlich ist. In der zweiten Phase, die maximal drei Monate andauern soll, geht es vor allem um das sogenannte "Clearing": Welche Hilfen braucht der junge Flüchtling? Soll er zur Schule gehen, sucht er eine Ausbildungsstelle, wie kann und will er wohnen? Im Heim, in einer Pflegefamilie, in einer betreuten Wohngemeinschaft? Für die anschließende dritte Phase können die jungen Flüchtlinge dann auf alle Jugendämter im Land "verteilt" werden.

    Quasi vom ersten Tag an sollen die jungen Leute jedenfalls die Möglichkeit haben, Deutsch zu lernen, sagt Manfred Vogt, Leiter des Kinder- und Jugendheims in Koblenz. "Die jungen Flüchtlinge haben sicher auch viele Traumata zu bewältigen, aber ihr Blick ist jetzt erst einmal nach vorn gerichtet. Sie haben es geschafft, hierher zu kommen. Jetzt wollen sie alles daransetzen, bleiben zu können."

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