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    KoblenzJürgen Elsässer kommt: Geplantes "Friedensfest" ruft Protest hervor

    „Friedensparty“ heißen die Veranstaltungen, die seit dem Frühling an jedem Montag hinter dem Kurfürstlichen Schloss stattfinden. Doch nun regt sich der Protest: Am nächsten Montag sollen bei einem größeren „Friedensfest“ auch Gäste sprechen, von denen einer des Öfteren als antisemitisch und homophob kritisiert wurde.

    Bei den Friedenspartys, die jeden Montag stattfinden, kommen eher wenige Interessierte zusammen, in dieser Woche auch wegen des schlechten Wetters. Am Montag, 1. September, wollen die Veranstalter nun ein größeres Friedensfest auf die Beine stellen - mit Gästen, die teils nicht unumstritten sind.
    Bei den Friedenspartys, die jeden Montag stattfinden, kommen eher wenige Interessierte zusammen, in dieser Woche auch wegen des schlechten Wetters. Am Montag, 1. September, wollen die Veranstalter nun ein größeres Friedensfest auf die Beine stellen - mit Gästen, die teils nicht unumstritten sind.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Koblenz – Seit Mai finden auch in Koblenz jeden Montag sogenannte Friedenspartys am Rheinufer statt. Nach eigener Aussage demonstrieren die Teilnehmer für den Frieden, für eine gerechte Wirtschaftsordnung, gegen die angeblich gleichgeschalteten "Mainstream-Medien" und vieles mehr. Damit locken die Veranstalter allerdings nur wenige Dutzend Menschen an, die das Mikro ergreifen und sich zu allen möglichen Themen äußern. Das soll sich am Montag, 1. September, ändern: Dann veranstaltet das Netzwerk, das hinter den "Partys" steht, ein Fest zum Weltfriedenstag - und hat Gäste eingeladen, von denen zumindest einer umstritten ist. Widerstand hat sich prompt formiert.

    Ab 18 Uhr wollen die Friedensparty-Macher mit einer Kundgebung auf die Rheinwiese hinter dem Kurfürstlichen Schloss locken. Zugpferde sollen die Redner Jürgen Elsässer und Rüdiger Lenz sein. Auch die Musiker Paragraph117, C-Rebell-um und Breath of Rap haben ihr Kommen angekündigt. Um 20 Uhr legt dann ein Rheindampfer zu einem kostenpflichtigen "Friedensfest" ab, bei dem die Gäste auftreten. Gewaltforscher Lenz wird wohl über sein Buch "Das Nichtkampf-Prinzip" sprechen. Wer bei seinen Gegnern allerdings wirklich aneckt, ist Jürgen Elsässer. Der Publizist und politische Aktivist wurde schon bei diversen Magazinen entlassen, seit 2010 ist er Chefredakteur des politischen Monatsmagazins "Compact", dem rechtspopulistische Positionen und ein Hang zu Verschwörungstheorien vorgeworfen werden. Elsässer selbst wird oft zugeschrieben, antisemitisch und homophob zu sein, wovon er sich selbst distanziert.

    Linke Gruppierungen in der Stadt sind sich hingegen einig: Jürgen Elsässer zeichnet ein vereinfachtes Weltbild, in dem Großbanken - mit Juden an der Spitze - und amerikanische Politiker und Geheimdienste die Bösen sind, und das ist für sie nicht akzeptabel. Auch die Friedenspartys beobachten die Aktivisten mit Skepsis: Bei den eigentlich gut meinenden Friedensfreunden könnte Hass geschürt werden. Als Reaktion auf eine antisemitische Hetzschrift, die bei einer früheren Friedensparty zitiert wurde (die RZ berichtete), hat sich deshalb das "Aktionsbündnis gegen Rechts" in Koblenz gegründet, das nun zu einer Gegenkundgebung einlädt. Die Linksjugend Solid, die Grüne Jugend, die Jusos, das Queerzentrum, die Antirassistische Initiative der Sinti und Roma sowie Einzelpersonen aus der Stadt unterstützen diese, wie Sprecher René Schneider sagt. Ab 15 Uhr sind am nächsten Montag ebenfalls Reden in den Rheinanlagen hinter dem Schloss geplant, "wir wollen vor den anderen da sein und nach ihnen weggehen", so Schneider.

    Jürgen Elsässer hat immer wieder auf Friedenspartys und Montagsdemos in Deutschland gesprochen, ob er nun in Koblenz dafür sorgen soll, dass die Veranstaltung mehr Menschen anzieht als bisher, ist unklar. Der hiesige Veranstalter wollte sich auf Anfrage der RZ nur unter der Bedingung äußern, dass er den Text vorher lesen kann, diverse Informationen wolle er schließlich auch in einem Artikel sehen. Diese Art der Einflussnahme, die die Friedensparty-Aktivisten den angeblich gesteuerten Medien ansonsten gern vorwerfen, mussten wir ablehnen.

    Insgesamt jedenfalls scheint es nicht so, dass die beiden Veranstaltungen am Montag Massen anziehen werden: Der Stadt zufolge sind beide Kundgebungen genehmigt, die des Aktionsbündnisses mit geschätzt 50 Teilnehmern von 15 bis 20 Uhr, die der Friedensparty-Bewegung mit 100 bis 150 Teilnehmern von 17 bis 19.30 Uhr. Ordnungsamt und Polizei gehen davon aus, dass beide Veranstaltungen friedlich vonstattengehen.

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