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    Koblenz/BoppardIntensivmediziner verlässt Klinikum im Streit

    Personalie 1: Keine Verlängerung für Pottgiesser in Boppard – Sorge über Entwicklung der kleinen Standorte des Verbunds

    Am Krankenhaus Heilig Geist in Boppard war Klaus Pottgiesser lange eine prägende Erscheinung der Intensivmedizin. Jetzt hat er das Haus im Streit verlassen. 
    Am Krankenhaus Heilig Geist in Boppard war Klaus Pottgiesser lange eine prägende Erscheinung der Intensivmedizin. Jetzt hat er das Haus im Streit verlassen. 
    Foto: Suzanne Breitbach

     2017 soll das Jahr einer Transparenz- und Kommunikationsoffensive im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein werden. Das hatte die Geschäftsführung des Klinikums bei ihrer Pressekonferenz und in einem Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt. Doch jetzt haben sich zwei weitere Mediziner aus dem Unternehmen verabschieden müssen, die von der bisher gelebten Transparenz und Kommunikation so wenig begeistert sind wie von der Richtung, die das Haus nimmt. Und wie von der Art ihres Ausscheidens nach vielen Jahren im Dienst ihrer Häuser. Während mit Li eine Ärztin das MVZ verlassen musste, die sich mit einer Kombination aus Schulmedizin und traditioneller chinesischer Medizin um schwerstkranke, zumeist austherapierte Patienten kümmert (siehe Text unten), ist in Boppard jetzt der Vertrag von Klaus Pottgiesser ausgelaufen – einem Arzt, der über viele Jahre die Intensivmedizin dort geprägt hat.

    Pottgiesser war 13 Jahre im Unternehmen – sein offizieller letzter Arbeitstag war nun der 31. Januar. Und das hätte völlig anders aussehen sollen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung schildert. Pottgiesser war leitender Arzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie in Boppard. Nach der Fusion der Häuser in Koblenz, Boppard und Nastätten war er in das damals neu entstandene Stiftungsklinikum Mittelrhein gekommen. Schnell hatte er verantwortliche Positionen inne, wurde zum standortverantwortlichen Arzt in Boppard gewählt und wiedergewählt, saß in verschiedenen Gremien, wie etwa der erweiterten Geschäftsführung. Und auch im Zuge der weiteren Fusion zum jetzigen Gemeinschaftsklinikum hatte er eine nicht unerhebliche Rolle gespielt, etwa bei der Gestaltung des medizinischen Konzepts.

    Mit Erreichen der Altersgrenze von 65 Anfang 2015 hatte er sich mit dem Klinikum auf eine Verlängerung um zwei Jahre verständigt – und so sei es auch ein weiteres Mal vorgesehen gewesen. Doch nach einem Gespräch im August habe er dazu nichts mehr gehört – auch auf Nachfrage nicht. Am Rande einer internen Veranstaltung sei ihm dann „zwischen Tür und Angel“ von Dr. Moritz Hemicker, Medizinischer Geschäftsführer des Gemeinschaftsklinikums, eröffnet worden, dass man sich doch gegen eine weitere Verlängerung entschieden habe. Er passe nicht in die Zeit, sei „nicht stromlinienförmig“. Für Pottgiesser in dieser Form völlig unangemessen und nicht nachvollziehbar.

    Aber letztlich sei bis dahin im Haus viel passiert, was er ohnehin nicht mehr mittragen wollte. Das medizinische Konzept habe man zumindest in Teilen „über Bord geschmissen“. Wobei das eher in Form eines schleichenden Prozesses vonstatten gegangen sei. Beispiel Intensivmedizin in Boppard: Eigentlich habe man diese erhalten wollen, jetzt wurde sie aber nach und nach reduziert. Zu einer reinen Wachstation, wie Pottgiesser meint – mit Minimalbesetzung und allen Problemen, die daraus erwachsen. Vordergründig spare das zunächst mal Geld, aber langfristig ist das aus seiner Sicht ein Fehler. Warum man den Weg dennoch geht, kann er sich nur damit erklären, dass man Boppard und Nastätten weiter degradiert, um die Koblenzer Standorte zu stärken. Bei der PK in der vergangenen Woche hatte die Geschäftsführung betont, man habe nicht vor, die kleineren Standorte zu Portalkliniken runterzufahren – mit dem Sinn, Patienten in Richtung Koblenz zu schleusen. Doch anders kann sich Pottgiesser das Vorgehen nicht erklären. Und ob das letztlich funktionieren kann, stellt er klar in Zweifel. Zum einen gäbe es in Koblenz für die „durchgeschleusten“ Patienten gar nicht genug Kapazitäten. Zum anderen müssten sich diese, wenn sie etwa aus Boppard kommen, auch erst mal tatsächlich für eine Behandlung in Koblenz entscheiden – und dort für die Häuser des Gemeinschaftsklinikums.

    Vor allem bemängelt Pottgiesser aber, dass man im Klinikum Wege einschlägt, ohne sie mit den zuständigen Mitarbeitern zu besprechen. „Es fehlt an Kommunikation, es fehlt an Wertschätzung, es fehlt an Führung.“

    Und was sagt das Klinikum zu all dem? Grundsätzlich will man sich zu Vertragsverhandlungen und Konflikten mit einzelnen Mitarbeitern nicht öffentlich äußern, wie Kerstin Macher, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage unserer Zeitung betont. „Wir haben den Vertrag von Herrn Pottgiesser nun nicht mehr verlängert“, bestätigt sie aber. Einer Verlängerung nach Renteneintritt habe man bisher schon einmal zugestimmt – ein zweites Mal jetzt aber nicht mehr. Mehr will man nicht dazu sagen.

    Ingo Schneider

     

    Koblenz
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