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    Koblenz/TokioGespräche im Advent: Ein Ex-Koblenzer berichtet aus Japan

    Vor gut eineinhalb Jahren ist der evangelische Pfarrer Dirk Grabowski mit seiner Familie von Koblenz nach Japan gezogen. Die Familie hat das Erdbeben in Tokio erlebt, gehörte zu denen, die aus Sicherheitsgründen evakuiert wurden. In unserer Serie "Gespräche im Advent" berichtet Grabowski aus Tokio.

    Dirk und Erika Grabowski vor der Skyline von Tokio, der neuen Heimat der Ex-Koblenzer.
    Dirk und Erika Grabowski vor der Skyline von Tokio, der neuen Heimat der Ex-Koblenzer.

    Koblenz/Tokio - Vor gut eineinhalb Jahren ist der evangelische Pfarrer Dirk Grabowski mit seiner Familie von Koblenz nach Japan gezogen. Die Familie hat das Erdbeben in Tokio erlebt, gehörte zu denen, die aus Sicherheitsgründen evakuiert wurden. Die vielen Nachbeben und die Belastung durch die Radioaktivität sorgen dafür, dass man sich auch heute noch ständig Sorgen machen muss.

    Wie ist denn der Alltag in Japan jetzt? Sind Erdbeben und Reaktorkatastrophe noch täglich präsent?

    Oberflächlich gesehen, ist - jedenfalls in Tokio - wieder ziemlich Alltag eingekehrt. Die Stadt pulsiert wieder wie eh und je, nachdem in den ersten Wochen echter Ausnahmezustand herrschte. Allerdings geschehen in unserem großflächigen Metro- und U-Bahn-System fast wöchentlich schreckliche Szenarien: Menschen werfen sich vor den Zug, weil sie für sich keinen Ausweg sehen. Das deutet an, was unter der betriebsamen Decke herrscht und vor allem im direkten Krisengebiet noch viel drastischer ist: ein wirtschaftlicher Einbruch und ganz persönliche Schicksalsschläge.

    Bereuen Sie, dass Sie nicht im (trotz Bombenfunden) beschaulichen Koblenz geblieben sind?

    Dass wir uns zum Einleben gerade ein Jahr "heraussuchten", in dem Japan von gigantischen Katastrophen durchgeschüttelt wurde, haben wir uns natürlich nicht ausrechnen können. Aber vielleicht erklärt gerade die Not und das Trauma, in das viele Menschen stürzten, auch den eigentlichen Grund unseres Aufbruchs. Es ist unser Beruf, gerade Menschen beizustehen, die den letzten Fragen des Lebens nicht mehr ausweichen können und wollen - und die die Menschen an ihrer Seite dringend brauchen.

    Wie können Sie den Menschen helfen?

    Mit den Menschen im Land wollen wir jetzt nach vorn schauen und uns auf unsere Weise am Wiederaufbau beteiligen. Meine Frau arbeitet in einer christlichen Katastrophenhilfs-Organisation als Leiterin der Logistikabteilung, und ich arbeite intensiv an meiner Sprachfähigkeit und studiere Japanisch. Ein Pastor braucht Sprache! Sich gerade jetzt noch nicht wirklich hilfreich verständigen zu können, ist manchmal schwer zu verkraften.

    Wie werden Sie Weihnachten verbringen - fern vom Koblenzer Weihnachtsmarkt?

    Weihnachten feiern wir in unserer japanischen evangelischen Gemeinde. Gut, dass der 24. und 25. Dezember am Wochenende liegen, denn sonst gibt es in einem hauptsächlich buddhistisch und shintoistisch geprägten Land wie Japan natürlich keine gesetzlichen Feiertage, die sich an christlichen Ereignissen orientieren. Wir vermissen Weihnachten als Familienzusammenkunft. Wir werden zwar wie gewohnt unseren Weihnachtsbaum aufstellen, der am Fuß mit Päckchen aus Deutschland bestückt wird, und müssen doch am Ende ganz ohne Familienbesuch auskommen. Aber der Gottesdienst, an dem wir abends teilnehmen werden, wird uns daran erinnern, dass die "nicht ganz optimalen Bedingungen in Japan" sehr gut zur Weihnachtsgeschichte passen und dass Gott genau darin seine Nähe zu uns zeigt, dass er sich selbst der Kälte, Schutzlosigkeit und Ohnmacht ausgesetzt hat. Auf jeden Fall wünschen wir allen Koblenzern ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest!

    Die Fragen stellte Doris Schneider

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