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  • Folge der Trockenphase: Kommt der Herbst früher in die Wälder?

    Region. Strahlender Sonnenschein und wochenlang kein Regen - dieses Wetter im Spätsommer hat sicher so manchen für den nasskalten Frühling entschädigt. Doch den Bäumen bekommen diese langen Trockenphasen überhaupt nicht gut.

    In Bendorf sind die meisten Bäume noch richtig grün. Das zeigt Förster Johannes Biwer auch an einem Blatt des Rotahorns, der, wie der Name sagt, seine Blätter im Herbst leuchtend rot färbt. 
    In Bendorf sind die meisten Bäume noch richtig grün. Das zeigt Förster Johannes Biwer auch an einem Blatt des Rotahorns, der, wie der Name sagt, seine Blätter im Herbst leuchtend rot färbt. 
    Foto: Chantal Dötsch

    Von unserer Mitarbeiterin Chantal Dötsch

    In den Hunsrücker Wäldern hält der Herbst dieses Jahr besonders früh Einzug, die ersten Blätter verfärbten sich sogar bereits im August. Doch wie sieht es in den Wäldern an Rhein, Mosel und im Maifeld aus, kommt der Herbst auch zu uns sehr früh? Die hiesigen Förster berichteten über die aktuelle Situation in ihren Revieren - mit überraschend verschiedenen Beobachtungen.

    "Natürlich sind bei einigen Bäumen schon die Blätter verfärbt. Das ist eine Schutzreaktion auf die längere Trockenphase. Aber von einem verfrühten Herbsteinbruch kann bei uns nicht die Rede sein, für mich ist das ein ganz normaler Herbst", sagt Förster Karl-Hermann Gräf über sein Revier Laacher See aus. In seinem Revier läuft alles in unbedenklichem Rahmen ab, die Bäume sind dank des nassen Frühjahrs sogar besonders gut gedeiht. "Wir hatten einen sehr guten Maitrieb. Teilweise wuchsen die Triebe 20 bis 30 Zentimeter innerhalb einer Woche", sagt Gräf und hält fest: "Sofern auf diese Trockenphase wieder Regen folgt, entstehen den Bäumen hierdurch keine bleibenden Schäden." Und auch der Mayener Förster Peter Göke zieht wie sein Kollege ein positives Fazit: "Einige Buchen sind frühzeitig trocken geworden, wodurch ihr Laub auch gewelkt ist. Ansonsten ist bei uns alles normal. Die Bäume hatten durch die Wetterbedingungen im Frühjahr und Frühsommer einen guten Start in die Vegetationsphase", sagt Göke.

    Anders sieht es im Mayener Nachbarrevier Maifeld aus. Förster Ullrich Bechtoldt beobachtet hier die gleichen Probleme wie im Hunsrück und dies, obwohl auch hier Anfang des Jahres alles gut aussah, seine Jungbäume sogar bis zum Frühsommer 80 Zentimeter gewachsen sind. "Den Bäumen fehlt natürlich Wasser. Um dies einzusparen kommt es zu verfrühtem Blattfall, denn über die Blätter verdunstet Wasser", erklärt Bechtoldt und fährt fort: "Bei uns gab es seit Mitte August keine Niederschläge mehr, und die Pflanzen reagieren gravierend: Die Bäume sind teils schon kahl. Vor allem die Buche ist sehr stark betroffen." Insbesondere auf steinigen und sandigen Böden, die wenig Wasser speichern können, sei dies der Fall. Ob Langzeitschäden entstehen, kann man aber erst im nächsten Frühling erkennen, denn bei Trockenheitsstress würde sich in betroffenen Fichten der Borkenkäfer einnisten, so der Förster. Dies ist bereits jetzt im Forstrevier Koblenz der Fall, wie Wolfgang Herrig vom Forstamt Koblenz berichtet. "Nachdem die Bäume im nassen Frühsommer besonders vital waren, haben wir seit August eine viel zu lange Trockenphase. Manche Baumarten kommen damit nicht klar wie Buche und Fichte. Die Fichten sind teils schon vom Borkenkäfer befallen und werden nach und nach sogar ganz ausfallen, da es durch den Klimawandel immer wärmer wird", sagt Herrig. "Durch die Wetterkapriolen und den Klimawandel müssen wir nun den Wald neu aufbauen", zieht Herrig Schlüsse für die Zukunft. Er merkt aber an: "Das ist natürlich die Situation speziell in unserem Revier. Im Rhein- und Moseltal gibt es tendenziell weniger Niederschlag als zum Beispiel im Westerwald. Überall herrschen kleinklimatische Unterschiede."

    Und dies zeigt sich nur wenige Kilometer rheinaufwärts: Im Forstrevier Bendorf ist ein Großteil der Bäume noch satt grün, lediglich einige Buchen haben durch den Schädlingsbefall der Buchenminiermotte verfärbte Blätter. "Dem Baum entstehen dabei aber keine bleibenden Schäden", sagt Förster Johannes Biwer, der sich sonst über einen gesunden Wald freut. "Es ist jetzt eine lange Trockenphase, aber dank der ersten Jahreshälfte geht es den Bäumen gut. Das Jahr war eigentlich sehr gut für sie", sagt Biwer, der dies an vielen Naturphänomenen erkennt. "Wir haben ein sogenanntes Mastjahr, die Bäume produzieren sehr viele Früchte und diese sind dank der Niederschläge wirklich von bester Qualität", bemerkt der Förster, der auch über den Zustand seiner Fichten sehr erfreut ist. "Ich habe dieses Jahr keine neuen Schaftrisse bemerkt. Ich finde sogar, so gut wie dieses Jahr sahen unsere Fichten lange nicht aus."

    Es zeigt sich also, dass jeder Wald einzigartig ist und somit unterschiedlich auf klimatische Bedingungen reagiert. Doch egal, ob nun der Herbst durch die lang anhaltende Trockenphase früher kommt oder nicht, in einem sind sich alle Förster einig: Einmalig ist eine solche Extremsituation für das Ökosystem Wald kein großes Problem. Sollte dieser Zustand aber bis zum nächsten Frühling andauern, bekommt jeder Forst Schwierigkeiten, auch wenn er noch so vital durch den (frühen) Herbst gekommen ist.

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    Nina Borowski

    Nina Borowski

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