40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Flüchtlingsheim in Bassenheim: Was bedeutet das?
  • Flüchtlingsheim in Bassenheim: Was bedeutet das?

    Bassenheim. Bis zu 47 Flüchtlinge könnten ab dem 1. April in einer Unterkunft Am Gülser Weg im Bassenheimer Gewerbegebiet untergebracht werden (die RZ berichtete). Eine Entscheidung, die in Bassenheim viele Diskussionen ausgelöst hat. Ein Informationsabend in der Karmelenberghalle machte deutlich, dass viele Bassenheimer große Sorgen und Ängste haben. Damals schlugen die Emotionen hoch - nicht nur, weil ein NPD-Funktionär auftrat, den das aufgebrachten Publikum aber nicht zu Wort kommen ließ. Die Sorgen einiger Bassenheimer haben die Verantwortliche nicht kalt gelassen und über Maßnahmen nachdenken lassen, gegenzusteuern. So wird es im Flüchtlingsheim einen dauerhaften Ansprechpartner geben - auch nachts. Die RZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu der neuen Unterkunft.

    Noch steht das Bürogebäude Am Gülser Weg im Bassenheimer Gewerbegebiet leer. Am 1. April sollen dort die ersten Flüchtlinge einziehen.
    Noch steht das Bürogebäude Am Gülser Weg im Bassenheimer Gewerbegebiet leer. Am 1. April sollen dort die ersten Flüchtlinge einziehen.
    Foto: Volker Schmidt

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

    Warum wird die Massenunterkunft denn ausgerechnet in Bassenheim eröffnet? Die Verbandsgemeindeverwaltung sucht in der gesamten Verbandsgemeinde Weißenthurm nach Mietobjekten. Das Objekt im Gülser Weg ist der VG angeboten worden und erfüllt nach der Ansicht der VG "alle Voraussetzungen für eine Flüchtlingsunterkunft". Soll heißen: Die Einrichtung musste nicht nur von der Größe her passen, sondern zum Beispiel auch über die Voraussetzungen für Bad und Küche verfügen.

    Warum werden dort nur männliche, allein reisende Flüchtlinge untergebracht? Eigentümer vermieten Wohnungen oder Häuser, das hatte VG-Bürgermeister Georg Hollmann schon häufiger betont, bevorzugt an Familien und nicht an Wohngemeinschaften von allein reisenden Flüchtlingen. Diese müssen aber ebenfalls untergebracht werden, weshalb die VG auf Großunterkünfte zurückgreift.

    Wer übernimmt die Betreuung der Flüchtlinge in Bassenheim? Laut der VG werden die Flüchtlinge tagsüber "durch einen pädagogisch geschulten Mitarbeiter" betreut. Die von einem Pädagogen der VG organisierte Ehrenamtsgruppe "Helfende Hände" wird ebenfalls im Einsatz sein. Darüber hinaus ist beabsichtig, den Bewohnern auch in den Abend- und Nachtstunden einen Ansprechpartner in der Unterkunft zur Verfügung zu stellen, heißt es vonseiten der VG. Entsprechende Stellenausschreibungen kann man auf der Internetseite der Verbandsgemeinde einsehen. Ortsbürgermeister Arno Schmitz erklärt, dass man der Bevölkerung damit auch mehr Sicherheit geben wolle.

    Wie sieht die Betreuung aus? Wie will man eine Gettobildung verhindern? Die Flüchtlinge werden bei Arzttermine, Einkäufen und Behördengängen unterstützt. Sprachkurse werden durch ehrenamtliche Helfer und die Volkshochschule der Verbandsgemeinde Weißenthurm angeboten. Darüber hinaus soll die Integration durch interkulturelle Treffen sowie die Einbindung in die Vereine gefördert und eine Gettobildung möglichst verhindert werden.

    Sind innerhalb der Unterbringung Konflikte zu erwarten? Ja. Björn Neureuter, der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion (PI) Andernach, bestätigt, dass es in den Großunterkünften erfahrungsgemäß zu Auseinandersetzungen kommt. "Das resultiert aber aus der Unterbringungssituation", sagt er. "Und das ist nichts, was nach draußen trägt." Sicherheitsbedenken hat die VG daher nicht. Diese Haltung beruht auf Erfahrungen mit der Massenunterkunft in Weißenthurm, bei der "keine negativen Erfahrungen" gemacht wurden. Um Streit innerhalb der Unterkunft vorzubeugen, versucht die VG im Rahmen der Zuteilung der Personen auf die gemeinschaftlich genutzten Zimmer Staats- und Volkszugehörigkeit sowie Ethnie zu berücksichtigen. Einen Einfluss auf die Zuweisung der Personen vom Landkreis Mayen-Koblenz an die VG hat die Verbandsgemeinde Weißenthurm aber nicht.

    Wie zeigt die Polizei Präsenz? Die Polizeiinspektion Andernach setzt in ihrem Dienstbezirk rund um die Uhr mindestens drei Streifenwagen ein. "Hinzu kommen sechs Streifen für das Polizeipräsidium Koblenz, die an Flüchtlingsunterkünften Präsenz zeigen sollen", sagt der Andernacher PI-Leiter Björn Neureuter. Mit der Koblenzer Polizeiinspektion II kooperiert die Andernacher Dienststelle, um im Notfall schneller am Einsatzort sein zu können.

    Welche Vorkehrungen trifft die Gemeinde? Die Beleuchtung am Gehweg vom Gewerbegebiet in den Ort und an die Bushaltestelle Bahnhof ist unzureichend. "Da müssen wir was tun", sagt Bürgermeister Arno Schmitz und kündigt kurzfristige bauliche Maßnahmen an. Auch der Gehweg soll ausgebessert werden.

    Wie sieht es mit der Lärmbelästigung aus? Aufgrund der Lage im Gewerbegebiet müssen die Bewohner im Ort nicht mit einer höheren Lärmbelastung rechnen. Im Gewerbegebiet leben aber auch Familien. Der von der VG geplante Ansprechpartner vor Ort könnte zusätzlich dafür sorgen, dass Richtlinien eingehalten werden.

    Ein umstrittenes Flugblatt wurde im November 2015 anonym an Bassenheimer Bürger verteilt. Darin war ebenfalls von einer Großunterkunft die Rede. Wurde die heutige Situation damit vorhergesagt? Nein. Keine der im Flugblatt getroffenen "Vorhersagen" hat sich bewahrheitet: Dort ist die Rede von mehreren Hundert Flüchtlingen, es kommen aber nur 47. Als Unterkunftsmöglichkeiten wurden die Karmelenberghalle, das Therapiezentrum oder frei gemeindeeigene Liegenschaften oder Grundstücke genannt. Untergebracht werden die Flüchtlinge aber in einem privaten Bürogebäude. Zudem wurde von einer kurzfristigen Information der Bürger gesprochen. Die Infoveranstaltung fand aber im Januar statt. Die ersten Flüchtlinge kommen erst im April. Von daher steht fest, dass die im Flugblatt transportierten Aussagen keine Grundlage haben und den weiterhin unbekannten Autoren nur dazu dienen sollten, im weiteren Text gegen Flüchtlinge zu hetzen.

    Wie können Bürger helfen? Am Dienstag, 23. Februar, 18.30 Uhr, findet im Martinusmuseum in Bassenheim eine Veranstaltung statt, bei der die Bürger darüber informiert werden, wie sie helfen können.

    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    epaper-startseite
    Anzeige
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Sonntag

    12°C - 23°C
    Montag

    13°C - 23°C
    Dienstag

    15°C - 21°C
    Mittwoch

    17°C - 27°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige