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    VallendarFDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner zu Gast an WHU: Ohne Bildung keine Zukunft

    Die beste Zeit für Deutschland kommt noch. Vorausgesetzt, es gelingt, der Protestindustrie etwas entgegenzusetzen, auch mal für etwas zu sein und die Weichen richtig zu stellen. So in etwa ließe sich die Rede von Christian Lindner an der WHU - Otto Beisheim School of Management zusammenfassen. Der FDP-Bundesvorsitzende präsentierte sich in einem brechend vollen Hörsaal bestens aufgelegt, optimistisch und humorvoll.

    Diskussion erwünscht: Die Zuhörer erhielten Gelegenheit, Christian Lindner (am Rednerpult) Fragen zu stellen.
    Diskussion erwünscht: Die Zuhörer erhielten Gelegenheit, Christian Lindner (am Rednerpult) Fragen zu stellen.
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Und über die Frage, wo der politische Gegner steht, brauchte niemand der vielen Zuhörer lange nachzudenken. Keine Frage: Die Liberalen spüren Aufwind, es herrscht Aufbruchstimmung. Umfragen bestätigen, dass die Partei gute Chancen hat, ihre verlorene Präsenz in Landtagen und im Bundestag zurückzuerobern, auch in Rheinland-Pfalz. Und genau deshalb hatten der FDP-Verbandsgemeindeverband Vallendar, der FDP-Stadtverband Bendorf, Wahlkreis-Direktkandidat Carsten Renner und die örtliche Liberale Hochschulgruppe eingeladen, um über ihre Lieblingsthemen zu sprechen: den "Mut zur Marktwirtschaft und die beste Bildung der Welt".

    Am Mittwochabend standen überwiegend Fakten im Vordergrund, die wahlkämpferische Begleitmusik klang erfreulich dezent. Christian Lindner wollte mit Fakten überzeugen, auch wenn der Auftritt an der privaten Wirtschaftshochschule für ihn ein Heimspiel war. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand vor allem die Bildung und damit auch der Sanierungsstau an deutschen Schulen und Hochschulen, der eine Dimension von insgesamt 32 Milliarden Euro hat. Dazu kommt die Tatsache, dass allein in diesem Jahr rund 80 000 Jugendliche die Schulen ohne einen Abschluss verlassen haben. Für den FDP-Bundesvorsitzenden liegt der Fehler im System, das zu sehr von ideologischen Debatten geprägt ist.

    "Jeder Mensch kann etwas. Jeder wird mit einem Talent geboren", so der Politiker, der die Fehlentwicklungen vor allem auch in der Tatsache sieht, dass bei der Ausstattung der Bildungseinrichtungen Länder und Gemeinden zu sehr oft auf sich allein gestellt sind. Das heißt: Die schwächsten Glieder tragen die Hauptlast. Christian Lindner sieht den Bund verstärkt in der Pflicht. Der Politikwissenschaftler prangerte aber auch die Missstände in vielen Schulen an: Dort rieche es nicht nur wie in seiner eigenen Schulzeit, auch der Unterricht laufe oft noch so wie vor Jahrzehnten. Schüler, die sich in der Pause über neue Technik und Programme unterhalten, kehren danach quasi "aus der Gegenwart in die Kreidezeit zurück". Im Wettbewerb der Bundesländer sieht der Vorsitzende keine Lösung des Problems. Er forderte stattdessen mehr Wettbewerb von Bildungseinrichtungen, mehr Mobilität und mehr Vergleichbarkeit. Das Miteinander von staatlichen und privaten Einrichtungen ist für ihn Programm, ebenso wie das Engagement gegen die Dominanz von Ideologen.

    Aber nicht nur in den Klassenräumen lauert aus Sicht von Christian Lindner die Gefahr, dass Deutschland im internationalen Vergleich abgehängt werden könnte. Schlecht ausgestattete Schulen sind für ihn nur ein Teil der maroden oder unterentwickelten Infrastruktur in Deutschland. "Mit Schlaglöchern kann man umgehen, aber nicht mit Funklöchern", betonte der Politiker, der mit dieser Formel auf einen zweiten Schwerpunkt des Abends überleitet: die oft lückenhafte oder leistungsschwache Breitband- und Mobilfunkversorgung in Deutschland. Dabei lenkte er den Blick bewusst nicht auf abgelegene ländliche Räume, sondern auf Regionen wie Stuttgart und Heilbronn.

    Ausgerechnet in diesem Raum sind die Mängel in der Versorgung täglich spürbar. Der Vorsitzende ließ deutlich durchblicken, dass er von der Aussage seiner Kollegen, die Situation habe sich verbessert, wenig hält. 50 Megabit pro Sekunde reichen längst nicht mehr aus. Schon jetzt erfordert der Datenaustausch in der Industrie und auch in der medizinischen Versorgung deutlich schnellere Leitungen.

    Die Schlussphase seines Vortrags widmete Lindner den Klassikern aus dem Forderungskatalog seiner Partei: Subventionsabbau, steuerliche Erleichterungen speziell für den Mittelstand und weniger Bürokratismus. Natürlich fehlten auch die geplanten Freihandelsabkommen nicht: Für Christian Lindner überwiegen die Chancen. Mit seinem "Rundumschlag" in 45 Minuten lieferte der Vorsitzende auch genügend Anlässe zu widersprechen und zu diskutieren. Das war aber auch gewollt. Die Zuhörer sollten die Gelegenheit haben, ihre Fragen zu stellen.

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