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  • Ein Überblick: Die Demonstranten, Kundegebungen und Musik

    Koblenz. Politiker, Gewerkschafter, Umweltschützer, Flüchtlingshelfer, Künstler und auffällig viele Familien mit Kindern: Rund 5000 Demonstranten haben sich am Samstag an dem friedlichen Protest gegen das Treffen der europäischen Rechtspopulisten in Koblenz beteiligt – und damit weit aus mehr als erwartet.

    Das partei- und gesellschaftsübergreifende Aktionsbündnis „Koblenz bleibt bunt“ hatte nach eigenen Angaben bescheiden mit rund 500 Teilnehmern gerechnet. Dass diese Zahl weit übertroffen werden würde, zeigte sich bereits bei der Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz. Kurz vor Mittag gab es hier fast kein Durchkommen mehr.

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) attackierte die ENF, die zur gleichen Stunde in der Rhein-Mosel-Halle tagte, mit deutlichen Worten: „Und wenn die Rechtspopulisten sagen ,Wir sind das Volk‘, dann sage ich: „Nein! Sie missbrauchen das Volk!“

    Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes (Grüne), beschwor die Demonstranten, den Mut zum Protest nicht zu verlieren. „Wir lassen uns die erkämpften Freiheiten in Europa nicht nehmen“, sagte Lunacek. Als Lesbe will sie weiter ohne Angst „Händchen haltend“ in der Öffentlichkeit spazieren gehen können. Den Ausschluss einiger der ENF unliebsamen Medien verglich Lunacek mit dem Umgang, den Diktaturen mit der Presse pflegen. „Das hat faschistischen Charakter“, warnte die EU-Politikerin, die sich jedoch optimistisch zeigte, dass der weitere Einzug der Rechtspopulisten in Parlamente und in die Politik generell gestoppt werden kann.

    Dass Europa den Herausforderungen auf wirtschaftlicher Ebene und in Bezug auf terroristische Bedrohungen nur vereint standhalten könne, betonte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Nationalistische Fronten hingegen hätten dem Kontinent noch nie Gutes beschert, erinnerte Asselborn mit Blick auf die Millionen Toten der beiden Weltkriege.

    Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB Rheinland-Pfalz/Saarland, mahnte am Rednerpult, beim Blick auf die Probleme Europas denjenigen auf die Welt nicht aus den Augen zu verlieren. In Richtung des neuen US-Präsidenten Donald Trump meinte Muscheid: Anstatt „Make America great again“ muss die Parole der Weltgemeinschaft heißen „Make the world better!“ Den Stimmen in der Öffentlichkeit, ob es nicht besser gewesen wäre, das Treffen der Rechtspopulisten in Koblenz einfach zu ignorieren, erteilte der Gewerkschafter eine klare Absage: „Vor 1933 haben viel zu viele viel zu lange geschwiegen. Wir wollen nicht, dass sie das wiederholt“, mahnte Muscheid.

    Von einem „demokratischen Volksfest gegen die, die in unserer Stadt nichts zu suchen haben“, sprach der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig unter dem Beifall der Menge.

    Nach der Kundgebung am Bahnhof setzte sich der lange Demonstrationszug in Bewegung. Mit im Tross viele weitere Politiker: Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz etwa, David Langner,  Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie und Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie sowie Landtagspräsident Hendrik Hering und der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger (SPD). Auch Vertreter anderer Parteien waren dabei.

    „Koblenz bleibt bunt“ war dabei nicht nur die Parole, bunt war auch die Zusammensetzung der Protestler aus den Reihen der Gesellschaft. Senioren, junge Familien, Punks und Anzugträger marschierten mit Transparenten und Bannern im Gleichschritt in Richtung Rhein-Mosel-Halle, wo bereits Musiker der Rheinischen Philharmonie gemeinsam mit einem ebenfalls bunten Blechbläser-Ensemble aus der Stadt warteten – für ein musikalisches Statement mit Symbolcharakter: Gemeinsam mit einem Chor aus Tausenden Protestlern stimmte das Orchester Beethovens „Ode an die Freude an“ – die Hymne der Europäischen Union.

    Unterstützt wurde der Zwischenstopp an der Rhein-Mosel-Halle auch vom BUND. Regionalbeauftrager Egbert Bialk betonte, dass es auch für die Umweltschutzverbände selbstverständlich ist, für Freiheit und Demokratie einzutreten, „denn Umweltschutz ist selbstverständlich auch immer Menschenschutz.“

    Bei der Abschlusskundgebung am Reichensperger Platz sprach unter anderem auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). In Richtung Rhein-Mosel-Halle, wo zeitgleich die ENF-Tagung endete, rief Nahles: „Das da drüben sind keine Populisten, das sind Rassisten.“ Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im hessischen Landtag, warf der AfD vor, sich bewusst als Sammelbecken von Neonazis zu etablieren. Nach der Kundgebung am Reichensperger Platz löste sich die Demonstrationsmenge dann langsam auf.

    Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen

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