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  • Demo: Teilnehmer von Polizeisanitäter angegriffen?

    Koblenz. Nach dem Demo-Samstag in Koblenz mit Neonazi-Aufmarsch und Gegenkundgebungen hat die Polizei viel Lob bekommen: besonnen, deeskalierend erlebten Teilnehmer und Beobachter den Einsatz der rund 1000 Beamten. Vorwürfe ausgerechnet gegen einen Polizeisanitäter passen nicht ins Bild.

    In der von-Werth-Straße schrieen die Gegendemonstranten Richtung vorbeiziehende Neonazis, zwischen ihnen und den Rechten die sogenannten Hamburger Gitter und die Polizei. Hier soll nach Angaben mehrerer Zeugen ein Polizeisanitäter einen Demonstranten mit einem Teleskopschlagstock geschlagen haben. Foto: Thomas Frey
    In der von-Werth-Straße schrieen die Gegendemonstranten Richtung vorbeiziehende Neonazis, zwischen ihnen und den Rechten die sogenannten Hamburger Gitter und die Polizei. Hier soll nach Angaben mehrerer Zeugen ein Polizeisanitäter einen Demonstranten mit einem Teleskopschlagstock geschlagen haben.
    Foto: Thomas Frey

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Nach der Demonstration gegen den Aufmarsch der Rechten in Koblenz gibt es ein Ermittlungsverfahren, weil es Vorwürfe gegen einen Polizeisanitäter gibt: Der Mann wird von Demonstranten beschuldigt, einen Demo-Teilnehmer ohne Grund mit dem Teleskopschlagstock geschlagen und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht zu haben.

    Ein 26-Jähriger musste behandelt werden. So schildert er den Vorfall aus seiner Sicht: Er ist am Samstagmittag mit einigen Freunden und einer Gruppe von etwa 30, 40 Leuten an einem der Absperrgitter in der Nähe der Von-Werth-Straße, wo Polizisten dafür Sorge tragen sollen, dass die beiden gegnerischen Gruppen nicht aufeinandertreffen. "Wir haben .Nazis raus‘ und ,Verpisst euch!‘ gerufen, aber wir sind die Polizisten nicht angegangen", sagt Christian S. "In dem Moment zieht einer mit einer Sanitäterweste einen Schlagstock und trifft mich am Brustbein, ich sacke ein bisschen nach vorn, und er sprüht mir Pfefferspray ins Gesicht."

    Freunde kümmern sich sofort um den Verletzten, der zunächst nichts mehr sieht, waschen ihm mit Wasser aus mitgebrachten Trinkflaschen die Augen aus. Es gibt auch keine Versuche von Polizisten, S. fest- oder seine Personalien aufzunehmen, wie das zu erwarten wäre, wenn ihm auch Vorwürfe zu machen wären. Als S. und seine Freunde Anzeige erstatten wollen, ist der Polizeisanitäter verschwunden, und umstehende Polizisten weigern sich, ihm seine oder ihre eigene Dienstnummer zu sagen, berichtet Christian S. im Gespräch mit der Rhein-Zeitung.

    "Ich hatte den Polizisten vorher in keiner Weise angegriffen", sagt der junge Mann. Und auch durch sein Äußeres habe er ihn eigentlich nicht provozieren können. "Ich bin zwar 1,98 Meter groß, aber sehr schlank. Und ich trug zwar eine schwarze Lederjacke und eine St.-Pauli-Mütze, aber keine Sonnenbrille oder irgendeine Vermummung."

    Den Vorfall hat auch der freie Journalist Sören Kohlhuber mitbekommen, der sich stark mit dem Thema Nazidemonstrationen und Gegenwehr beschäftigt und der Koblenzer Polizei insgesamt ein sehr besonnenes Vorgehen attestiert. Er bestätigt die Schilderungen des jungen Neuwieders und hat Fotos des beschuldigten Polizisten gemacht: Sie zeigen einen Mann in blauer Polizeiuniform, darüber eine Weste in orangener Leuchtfarbe mit dem Aufdruck "Sanitätsdienst Polizei", in der rechten Hand ein Teleskopschlagstock. Polizeisanitäter sind Polizisten, die eine Zusatzausbildung haben, sie sind bei der Bereitschaftspolizei im Land an mehreren Standorten im polizeiärztlichen Dienst angesiedelt. 

    Foto und Schilderungen machten über Facebook die Runde, es fanden sich weitere Zeugen. So gibt es den Eintrag des Demosanitätsdienst Baden-Württemberg/Rheinland-Pfalz: Der Verletzte sei bei ihnen untersucht und behandelt worden: Prellung am Sternum, also am Brustbein, und eine durch Capsaicin verursachte Reizung der Augen und Hautpartien sowie der Atemwege. "Der Hergang des Übergriffs selbst wurde uns von sieben Demonstrationsteilnehmern unabhängig voneinander zugetragen", heißt es weiter in dem Eintrag. 

    Das Polizeipräsidium Koblenz will zu den Vorwürfen derzeit keine Stellung nehmen. "Der Name des abgebildeten Beamten ist der Behördenleitung bekannt", so Polizeipressesprecher Helmut Zirfas auf Anfrage der Rhein-Zeitung. Und weiter: "Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und das Polizeipräsidium Koblenz mit den weiteren Ermittlungen beauftragt. Der Sachverhalt wird umfassend und nach allen Seiten geprüft. Erst mit Abschluss dieser Ermittlungen können weitere Aussagen getroffen werden."

     

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