40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Bilanz nach der Demo: Koblenz war im (positiven) Ausnahmezustand
  • Demo Rund 5000 Menschen protestieren gegen die ENF - Großeinsatz der Polizei - Keine Festnahmen

    Bilanz nach der Demo: Koblenz war im (positiven) Ausnahmezustand

    Koblenz. 5000 Demonstranten auf der Straße, Hunderte Polizisten im Einsatz: Der Protest gegen die ENF-Tagung mobilisierte am Samstag zahlreiche Menschen. Trotzdem verlief alles friedlich.

    Foto: Annette Hoppen

    Wann es zuletzt eine so große Demonstration in Koblenz gegeben hat, das konnte im Nachhinein niemand genau sagen. Rund 5000 Personen sind am Samstag vom Hauptbahnhof an der Rhein-Mosel-Halle vorbei zum Reichensperger Platz marschiert, um ein Zeichen zu setzen gegen die Rechtsextremisten und Rechtspopulisten der europäischen ENF, die zeitgleich in der Rhein-Mosel-Halle tagten. Und: Der Protest verlief durchweg friedlich. Von einem Ausnahmezustand in der Stadt kann nicht die Rede sein – zumindest nicht im negativen Sinn.

    „Wir sind super-zufrieden, wie es gelaufen ist“, sagte Polizeisprecher Uli Hoppen am Sonntag im Gespräch mit der RZ. Mit mehr als 1000 Kräften war die Polizei seit Freitagabend im Einsatz, mit 850 allein am Samstag. Hart durchgreifen mussten diese aber kein einziges Mal. „Sonst kommt es immer mal wieder vor, dass jemand aus der Reihe tanzt, aber dieses Mal gab es keine einzige Festnahme, auch vorübergehend wurde niemand in Gewahrsam genommen“, sagt Hoppen.

    Zu Sachbeschädigungen kam es ebenfalls nicht, ebenso wenig wie zu größeren Verkehrsproblemen wegen der Sperrungen. „Wahrscheinlich haben sich die Leute darauf eingestellt“, vermutet die Polizei.

    Eine negative Überraschung erlebte die Polizei nicht, „der Einsatz war zwar hoch komplex, aber gut vorbereitet“, so Hoppen. Und das, obwohl so viele Menschen unterwegs waren, dass das Ende des Zugs noch bis zum Hauptbahnhof reichte, als an der Rhein-Mosel-Halle schon die nächste Kundgebung begann.

    Aber: Obwohl alles ruhig blieb, war die Belastung für die Einsatzkräfte enorm, insbesondere durch die Kälte, so die Polizei. Einsatzkräfte, die an bestimmten Orten zeitweilig nicht gebraucht wurden, konnten sich deshalb auch mal aufwärmen.

    Während der Großeinsatz rund um die Rhein-Mosel-Halle lief und Tausende auf der Straße waren, war nur wenige Hundert Meter entfernt wenig davon zu spüren. In den Einkaufsstraßen herrschten Betriebsamkeit und Normalität wie an jedem Samstag.

    „Dass hier etwas Besonderes los ist, haben wir eigentlich nur an den vielen Polizeiautos gemerkt. Und an den Straßenabsperrungen, als wir von der Pfaffendorfer Brücke runterfuhren“, meinte ein junges Pärchen aus dem Westerwald, das über den Görresplatz schlenderte.

    Als sich am Nachmittag sowohl die ENF-Veranstaltung als auch die Abschlusskundgebung der Demo am Reichensperger Platz etwa zeitgleich ihrem Ende zuneigten, war auch am Hauptbahnhof nur an Details erkennbar, dass es kein Samstag wie alle anderen war. Die allgegenwärtigen Polizei-Kleinbusse standen hier in Reihe. In der Bahnhofshalle hatte ein Trupp von der Bereitschaftspolizei Stellung bezogen.

    Doch die Beamten beobachteten nur. Immer mal wieder ging ein Demobesucher in Richtung Gleise, erkennbar am „Koblenz bleibt bunt“-Schild unterm Arm. Vereinzelt waren auch offensichtliche Besucher der ENF-Veranstaltung zu sehen, die auf dem Weg zum Bahnhof oder auch zur Tiefgarage am Schloss waren. Manche von ihnen trugen die weißen „Frauke“- und „Wilders“-Pappschilder bei sich, die in der Halle verteilt worden waren. Gegen 17.15 Uhr endete dann der Einsatz der Polizei, nachdem die letzten Teilnehmer des Kongresses abgereist waren. Und auch danach blieb alles ruhig.

    Bereits am Freitagabend war die erste Demo gegen die ENF-Fraktion durch die Stadt getanzt – zu lauter Musik hieß es „Rechtspopulismus wegbassen“. Die Polizei spricht von 150 bis 200 Teilnehmern, die vor allem aus dem Umfeld der Antifa kamen. Auch hier verlief alles friedlich. „Alles wie geplant und ohne besondere Vorkommnisse. Wir sind sehr zufrieden.“ So resümierte der Einsatzleiter der Polizei, Christoph Semmelrogge den ersten Einsatztag im Zusammenhang mit der ENF-Tagung.

    Gegen 22.10 Uhr war die Tanzdemo nach einer Abschlusskundgebung an der Herz-Jesu-Kirche beendet – wohl auch aufgrund der sehr niedrigen Temperaturen hatte die Versammlungsleitung den Zugweg kurzfristig stark verkürzt. Es ging nicht wie geplant über die Balduinbrücke nach Lützel. „Die Versammlung ist friedlich verlaufen, es musste keine einzige Anzeige im Zusammenhang damit aufgenommen werden. Darüber freuen wir uns sehr“, so Semmelrogge weiter.

    Bevor die eigentliche Demonstration dann am Samstag um 11 Uhr losging, kam es an dem Morgen gegen 9 Uhr noch zu einer Sitzblocklade in der Nähe der Rhein-Mosel-Halle, die etwa bis 10.30 Uhr andauerte. Auch bei dieser musste nicht eingegriffen werden. Am Ende begleitete die Polizei etwa 60 Teilnehmer der Sitzblockade zur Kundgebung an den Hauptbahnhof.

    sem/hoa/tim

    Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass die Teilnehmer der Tanzdemo am Freitagabend aus dem Umfeld der Antifa und der Falken kamen. Die Polizei Koblenz hatte mitgeteilt, dass die Falken (Sozialistische Jugend) die Demo angemeldet hatten. Laut Antifa hat aber nur sie die Demo angemeldet und dafür mobilisiert.

    Landesregierung: Ausschluss von Journalisten in Koblenz war rechtswidrigDreyers Rede bei Kundgebung gegen ENF: „Es ist Zeit, dass keiner mehr zuhause bleibt“ENF-Treffen in Koblenz: Europas Rechtspopulisten feiern TrumpKommentar: Das Gipfeltreffen war ein Symbol - mehr nichtBilanz der Polizei: Anstrengend, bitterkalt, aber weitestgehend ruhigweitere Links
    Anzeige
    x
    x
    x
    Top Angebote auf einen Klick
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Samstag

    4°C - 16°C
    Sonntag

    3°C - 15°C
    Montag

    4°C - 18°C
    Dienstag

    7°C - 20°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige