• Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Gegendemo: Protest gegen AfD Wahlveranstaltung in Bassenheim
  • Gegendemo: Protest gegen AfD Wahlveranstaltung in Bassenheim

    Bassenheim. Das hat die kleine Gemeinde Bassenheim noch nicht erlebt: Rund 70 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend hinter einer Absperrung vor der Karmelenberghalle gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass, während im Foyer die Partei Alternative für Deutschland (AfD) eine Wahlkampfveranstaltung abhielt.

    Ein Aktionsbündnis aus Linksjugend, Jusos und Grüner Jugend hat in Bassenheim gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD demonstriert. Fotos: Ditscher
    Ein Aktionsbündnis aus Linksjugend, Jusos und Grüner Jugend hat in Bassenheim gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD demonstriert. Fotos: Ditscher
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserem Redakteur Damian Morcinek

    Rund 40 Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Andernach sowie der Bereitschaftspolizei beobachtetn die friedliche verlaufende Gegenkundgebung. "Die AfD ist hier nicht willkommen", betonte René Schneider, Organisator der Gegendemonstration von Linksjugend, Jusos und Grüner Jugend, im Gespräch mit unserer Zeitung und wunderte sich, warum sich die Partei ausgerechnet Bassenheim als Veranstaltungsort ausgesucht hat: "Von der Größe her ist Bassenheim eigentlich uninteressant."

    Ob es einen Zusammenhang zwischen dem gewählten Zeitpunkt der AfD-Veranstaltung und der jüngst entfachten Diskussion um eine Flüchtlingsunterkunft im Bassenheimer Gewerbegebiet, der Ende 2015 ein Hetz-Flugblatt gegen Flüchtlinge vorausgegangen war, sowie dem Auftritt eines NPD-Funktionärs bei der Informationsveranstaltung zu dem Thema gibt? Dazu konnte AfD-Pressesprecher Jan Bollinger nichts sagen. Er wisse nichts darüber, ob dies eine Rolle gespielt hat. "Vielleicht hat Bassenheim einfach Glück gehabt", sagt Bollinger, schließlich versuche die AfD flächendeckend präsent zu sein. Nach Informationen unserer Zeitung ist hingegen klar, dass die Wahlveranstaltung von einem ortsansässigen jungen AfD-Sympathisanten angemeldet wurde.

    Während die Teilnehmer der Demonstration ihrem Protest gegen die AfD-Veranstaltung mit Sprechchören und Trillerpfeifen Ausdruck verliehen, diffamierte der rheinland-pfälzische AfD-Spitzenkandidat Uwe Junge die demonstrierenden Menschen als "von der SPD gemietete Berufsdemonstranten", die im Namen derjenigen demonstrieren würden, "die gerade dabei sind, ihre Zukunft zu vermasseln." Vor gut 100 überwiegend ortsfremden Zuhörern griff er wie gewohnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an - "Merkel muss weg! Und Dreyer hinterher!" - und empörte sich über realitätsferne "Propaganda der Altparteien".

    AfD-Direktkandidat Thomas Damson (Wahlkreis 10) hatte bei seiner eigenen Veranstaltung nur wenig zu sagen.
    AfD-Direktkandidat Thomas Damson (Wahlkreis 10) hatte bei seiner eigenen Veranstaltung nur wenig zu sagen.
    Foto: Sascha Ditscher

    Thomas Damson, Direktkandidat im Wahlkreis 10 (Bendorf/Weißenthurm), hatte nach dem Ex-Grünen Ludger Sauerborn aus Worms, der nun die AfD unterstützt, und Uwe Junge nur einen verschwindend geringen Redeanteil an dem Abend. Und das, obwohl Uwe Junge gleich mehrfach klarmachte, dass dies eigentlich Damsons Veranstaltung ist. Über regionale und für seinen Wahlkreis relevante Themen sprach Damson dabei kaum. Beim Punkt Infrastruktur kritisierte er, dass der Ausbau der Landesstraße zwischen den Bendorfer Stadtteilen Sayn und Stromberg lange auf sich warten gelassen hat - verstrickte sich allerdings bei der Zahlenbezeichnung und benannte die Straße mit der Nummer 309 satt 306. Damson kritisierte überwiegend die Asylpolitik der Kanzlerin und machte klar, dass er diese nicht nur ablehnt, sondern sogar für rechtswidrig hält.

    Der Bassenheimer Jörg Tiedke, der sich unter den Zuhörern befand, sagte gegenüber der RZ, dass der es bedauert, dass nicht mehr Bassenheimer Bürger zu der Veranstaltung gekommen sind, um sich ein eigenes Bild von der AfD zu machen. Ihn als CDU-Anhänger hätte die Partei jedenfalls nicht überzeugt. Auch Timo Dommermuth war gekommen, um sich mit den AfD-Themen auseinanderzusetzen, kritisierte jedoch, dass die Partei zwar vieles angeprangert, aber "keine Lösungsansätze" aufgezeigt hat.

    Für einen Immobilienkaufmann aus Wolken ist die Sache hingegen vollkommen klar. Er sympathisiert mit den Ansichten der Partei. Seinen Namen wollte er allerdings nicht nennen, aus Angst, dies könnte ihm negativ ausgelegt werden und Nachteile im Beruf bringen.

    Auch ein junger Mann aus Bassenheim, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden will, will die AfD vor allem aufgrund ihrer Asylpolitik unterstützen. Er machte kein Geheimnis daraus, dass ihn und, wie er betonte, auch weitere Bassenheimer, die für April angekündigte Unterbringung von knapp 50 Flüchtlingen in der Unterkunft Am Gülser Weg stört. Jahrelang, so behauptete er, hätten Bassenheimer erfolglos dafür gekämpft, Wohnhäuser in dem Gewerbegebiet bauen zu können, und jetzt dürften dort Flüchtlinge wohnen. "Das kann nicht sein", sagte der junge Mann und regte sich zudem darüber auf, dass die Ortsgemeinde erst jetzt, da die Unterkunft eröffnet werden soll, die unzureichende Beleuchtung am Gehweg vom Gewerbegebiet in den Ort und an der Bushaltestelle Bahnhof verbessern will.

    Anzeige
    Anzeige
    x
    x
    Top Angebote auf einen Klick
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    epaper-startseite
    Anzeige
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Freitag

    12°C - 23°C
    Samstag

    14°C - 25°C
    Sonntag

    14°C - 23°C
    Montag

    13°C - 21°C
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf