40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Rhein-Hunsrück-Zeitung
  • » Viel Lob für eine außergewöhnliche Nonne: Hunderte gratulieren Lea Ackermann zum 80. Geburtstag
  • Aus unserem Archiv

    HirzenachViel Lob für eine außergewöhnliche Nonne: Hunderte gratulieren Lea Ackermann zum 80. Geburtstag

    Vielleicht ist sie die berühmteste Nonne Deutschlands. Lea Ackermann gehört aber ganz gewiss zu den außergewöhnlichsten Ordensfrauen. Schon rein äußerlich entspricht die gebürtige Saarländerin ganz und gar nicht dem Bild einer Nonne.

    Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratulierte Lea Ackermann zum runden Geburtstag gleich bei ihrer Ankunft in Hirzenach. In ihrer Festansprache würdigt die Regierungschefin die außergewöhnliche Lebensleistung der Gründerin der Frauenhilfsorganisation Solwodi.  Foto: Suzanne Breitbach
    Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratulierte Lea Ackermann zum runden Geburtstag gleich bei ihrer Ankunft in Hirzenach. In ihrer Festansprache würdigt die Regierungschefin die außergewöhnliche Lebensleistung der Gründerin der Frauenhilfsorganisation Solwodi.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Sie hat vor Jahrzehnten in ihrem Domizil in Hirzenach zwei Kinder in Pflege genommen und aufgezogen. Mit dem Pallottinerpater Fritz Köster lebte sie in einer Wohngemeinschaft. Das alles schildert sie in ihrem von Michael Albus aufgezeichneten biografischen Porträt „Der Kampf geht weiter“. Wobei sie auf den Hinweis, sie habe sich stets in ihren Leben der zölibatären Lebensweise verpflichtet gefühlt, wie es die Ordensregel verlangt, großen Wert legt. Ins Erscheinungsbild einer Nonne passt auch nicht so recht, dass sie statt einer schlichten Ordenstracht stets schick gekleidet in der Öffentlichkeit auftritt, ohne allerdings aufdringlich zu wirken.

    Bei aller Berühmtheit ist sie stets eine Frau des Volkes geblieben

    An ihrem 80. Geburtstag mischt sie sich zunächst unters Volk, das die Hirzenacher Pfarrkirche St. Bartholomäus zum Festgottesdienst ihr zu Ehren betritt. Bevor sie im Altarraum neben Ministerpräsidentin Malu Dreyer Platz nimmt, hält sie einige Schwätzchen mit Mitstreitern von Solwodi und Mitbürgern aus Hirzenach. Das ist typisch für Lea Ackermann. Sie ist bei aller Berühmtheit eine Frau des Volkes und aktiver Teil des katholischen Gemeindelebens von Hirzenach geblieben.

    Außergewöhnlich ist natürlich ihr Lebensweg. Dass sie es vor 32 Jahren fertigbebracht hat, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche und ohne einen Plan Frauen in Kenia aus der Prostitution zu befreien und ihnen eine Lebensperspektive mit Arbeit und neuem Lebensmut zu bieten, beschert der Ordensfrau große Anerkennung.

    Sie hat 1987 von Deutschland aus ein weltweites Hilfsnetz für entrechtete, gedemütigte, misshandelte und missbrauchte Frauen gespannt und mit der von ihr gegründeten Hilfsorganisation Solwodi global für den Schutz von Frauen gekämpft, bevor das Wort Globalisierung überhaupt salonfähig war. 2016 haben sich fast 2300 Frauen aus 104 verschiedenen Ländern an Solwodi in Deutschland gewandt, um sich beraten zu lassen oder ganz konkret um Schutz zu suchen.

    Mittlerweile engagiert sich Solwodi allein in Deutschland mit 18 Beratungsstellen und neun Schutzwohnungen für Frauen und Kinder in Gewalt- und Notsituationen. Es sind Betroffene von Menschenhandel, Zwangsheirat, Ehrenmord und – wie bei den Anfängen in Kenia – Prostitution, derer sich Solwodi annimmt.

    Den außergewöhnlichen Lebensweg von Schwester Lea, wie sie am liebsten angesprochen werden möchte, zeichnet Ministerpräsidentin Malu Dreyer in ihrer Festansprache nach. Indem sie den Frauen zeigt, dass sie wertvoll sind und Fähigkeiten haben, mit denen sie fruchtbar in der Gesellschaft wirken können, wird die katholische Nonne zur Frauenrechtlerin.

    Ihr Wirken ist ansteckend. „Lea Ackermann verfügt zweifelsohne über ein großes Charisma, sonst hätte sie nicht so viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen für ihre Ideen und Ziele begeistern können“, sagt Dreyer und stellt auch heraus, dass Ackermanns Handeln stets religiös motiviert ist. „Ich habe dem lieben Gott gesagt, das sind Deine chancenlosen Töchter. Lass mich bloß nicht hängen.“ So schildert das Geburtstagskind am Ende der Messfeier ihre von großem Gottvertrauen geprägten Anfänge vor 32 Jahren in Kenia. Das Handeln aus tiefer Religiosität heraus fügt sich für den Trierer Bischof Stephan Ackermann trefflich in den festlichen Rahmen der Liturgiefeier zum kirchlichen Feiertag „Fest der Darstellung des Herrn“, besser bekannt als „Mariä Lichtmess“.

    Mariä Lichtmess bildet den liturgischen Rahmen der Geburtstagsfeier

    Die Katholiken gedenken jenes Tages, an dem Maria und Josef ihren Erstgeborenen in den Tempel bringen und Gott weihen und der 84-jährige Simeon als Zeuge dieser Szene ausruft: „Ich habe das Heil gesehen.“ Es sei die große Sehnsucht nach Gott, die auch Schwester Lea ein Leben lang antreibe. Sie setzte den prophetischen Auftrag der Kirche, das Heil zu suchen und die Welt ein Stück besser zu machen, durch ihren Einsatz für die entrechteten Frauen um, sagt der Bischof in seiner Predigt.

    Dass Lea Ackermann, wie Dreyer formuliert, ihre Energie auf andere Menschen übertragen kann und für ihr Engagement viele Auszeichnungen erfährt, macht sie zu einer überaus populären Person. Fast kein Jahr vergeht, ohne dass ihr eine Ehrung zuteil wird. So hat sie im Laufe der Jahre nicht nur alle nationalen Verdienstorden erhalten, sondern auch internationale Auszeichnungen. 1997 wird sie „Europas Frau des Jahres“, 1999 erhält sie in New York den „100 Heroines Award“. Dass sie sich auch mit dem „Bullenorden“ der Polizei schmücken darf, zeugt von ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden.

    Lea Ackermann setzt auch politische Akzente. Sie macht sich für die Abschaffung der Prostitution stark und ist sich darin mit Alice Schwarzer einig. Im Asylrecht fordert sie eine Anerkennung von „geschlechterspezifischen Fluchtgründen“. Doch mit beiden Forderungen beißt sie auf Granit. Aber sie wird auch mit 80 Jahren nicht lockerlassen, wenn es um den Schutz benachteiligter, entrechteter und erniedrigter Frauen geht.

    Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

     

    Kommentar: Wolfgang Wendling über die Lebensleistung von Lea AckermannSolwodi: Lea Ackermanns Kampf geht auch mit 80 weiter
    Boppard Simmern
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

    E-Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Donnerstag

    16°C - 24°C
    Freitag

    10°C - 20°C
    Samstag

    10°C - 17°C
    Sonntag

    11°C - 18°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Jahresrückblick 2016 der RHZ
    Anzeige