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  • Simmern: Hunsrück-Museum kauft Schiefer für 60.000 Euro

    Simmern. Die Versteinerungen im Hunsrückschiefer haben Weltruf. Sie fehlen in keiner Sammlung der bedeutenden naturwissenschaftlichen Museen der Welt. Nach jahrelangen Bemühungen ist es dem Hunsrück-Museum endlich gelungen, eine einzigartige Sammlung mit über 500 Platten zu erwerben.

    Lange wurde der Ankauf in den Gremien diskutiert, bis der Vertrag zwischen Wouter Südkamp (2. von rechts), Museumsleiter Schellack (links) und den Bürgermeistern Boos und Nikolay unterschrieben war. Foto: Werner Dupuis
    Lange wurde der Ankauf in den Gremien diskutiert, bis der Vertrag zwischen Wouter Südkamp (2. von rechts), Museumsleiter Schellack (links) und den Bürgermeistern Boos und Nikolay unterschrieben war.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

    Sie soll den schon vorhandenen Bestand an Versteinerungen ergänzen und erweitern und zukünftig in einer eigenen Abteilung präsentiert werden. Seit Jahrzehnten durchwühlt Wouter Südkamp, der als exzellenter Kenner der Fossilien im heimischen Schiefer gilt, nicht nur die Abraumhalten seines Wohnorts Bundenbach, ehemals neben Gemünden der zentrale Ort des Hunsrücker Schieferbergbaus. Dank seiner Leidenschaft besitzt der promovierte Geograf und passionierte Paläontologe, das ist die Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter, eine der umfangreichsten Sammlungen von Fossilien.

    Der gebürtige Holländer, der mit neun Jahren seine ersten Steine sammelte, kam wegen des Schiefers in den Hunsrück, und fand dort nicht nur die begehrten Versteinerungen, sondern auch seine Ehefrau und schließlich seine zweite Heimat. Er ist Autor einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, mit einer Spezialisierung über die Bundenbacher Urtiere. Südkamp organisiert geologische Exkursionen in ganz Rheinland-Pfalz.

    Mehr als 270 Arten entdeckt

    Vor rund 400 Millionen Jahren aus dem devonischen Meer entstanden, gehört der Hunsrück heute zu den bedeutendsten Fossilien-Lagerstätten der Welt. Mehr als 270 fossile Tier- und Pflanzenarten sind ein beeindruckendes Zeugnis der außergewöhnlichen Vielfalt des vergangenen Lebens dieses Erdzeitalters. Sie erlauben aufgrund ihres einmaligen Erhaltungszustandes genaue Rückschlüsse auf Körperbau, Verhalten, Ernährung und vieles mehr. Die gute Erhaltung von Fossilien in bestimmten Schiefervorkommen wie den Bundenbacher oder den Gemündener Gruben war schon den Geologen des 19. Jahrhunderts bekannt.

    Bei ihnen sind nicht nur die Hartteile der Tiere erhalten. Im Gestein sind auch die Weichteile konserviert. Über die Jahrmillionen haben sich darin Seelilien, Gliederfüßer (Trilobiten), Seesterne und Asselspinnen eingeprägt. Dutzende Arten von Ammoniten, also Kopffüßer, wurden darin gefunden, aber auch viele Arten Krebse. Immer wieder werden neue Entdeckungen gemacht. 2009 erlangte der Hunsrückschiefer durch den Fund eines Fossils in Fachkreisen globale Aufmerksamkeit. Ein Anomalocaride, ein entfernt an Garnelen erinnerndes Meerestier mit dem klangvollen Namen "Schinderhannes bartelsi" könnte eng verwandt, quasi ein "Onkel" der Gliederfüßer gewesen sein.

    Breite Dokumentation der Fauna

    Vor dem Kauf begutachtete Michael Wuttke, Leiter des Referats Erdgeschichte bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Mainz, die Kollektion. Laut seiner Expertise liegt der wissenschaftliche Wert der Sammlung Südkamp vor allem in der breiten Dokumentation der Fauna in den Bundenbacher Gruben Eschenbach und Schmiedenberg.

    Im Vergleich zu bestehenden Sammlungen, etwa dem kleinen Museum der Grube Herrenberg in Bundenbach oder des Schlossparkmuseums in Bad Kreuznach, bestehe das von Südkamp gesammelte Material nicht nur aus Funden, die Schieferspalter beim Bearbeiten des Dachschiefers machten und bei denen es sich in der Regel um schöne, große und gut zu verkaufende Stücke handelte. Südkamp habe auch den kleineren, meist übersehenen Muscheln, Brachiopoden oder Schnecken Beachtung geschenkt: Sie geben neue Einblicke in das Leben im Devon.

    Die Teilsammlung mit Spurenfossilien sei eine der größten ihrer Art. Stücke mit abnormaler Armzahl, abgebissenen und wieder regenerierten Armen von Sternentieren, die selten überliefert sind, geben Aufschluss über die Beziehung von Räubern und ihren Beutetieren innerhalb der fossilen Lebensgemeinschaften. Derartige Objekte seien ideal für eine museale Präsentation, da man mit ihnen Geschichten erzählen kann, die die Besucher faszinierten.

    Ein weiteres wichtiges Argument zugunsten des Ankaufs ist die Tatsache, dass alle Schiefergruben mittlerweile stillgelegt sind und deshalb mit weiteren Funden nicht mehr zu rechnen ist. 60 000 Euro kostete die auf dem normalen Fossilienmarkt nicht zu erhaltende besondere Schieferkollektion. Gefördert wurde der Ankauf durch das europäische Leader-Programm.

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