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  • "Schieß dir den Weg frei": Gangsterpärchen auf der Anklagebank

    Bad Kreuznach/Hunsrück. Gleich zwei Spielhallen in einer Nacht wurden im April in Simmern und Kastellaun überfallen. Ein mutmaßliches Gangsterpärchen muss sich nun dafür am Bad Kreuznacher Landgericht wegen versuchten Raubes, räuberischer Erpressung sowie der Verabredung zu einer räuberischen Erpressung verantworten.

    Auf der Anklagebank: Ein 36-jähriger gebürtiger Thüringer, der zur Tatzeit auf dem Hunsrück lebte, und eine 27-jährige Hunsrückerin aus der Verbandsgemeinde Rheinböllen.

    Hatten die beiden Angeklagten überfallen: Die Spielhalle in Simmern
    Hatten die beiden Angeklagten überfallen: Die Spielhalle in Simmern
    Foto: Werner Dupuis

    In welchem konkreten Verhältnis die beiden zueinander stehen, blieb auch beim gestrigen Prozessauftakt nebulös. Unbestritten ist auf jeden Fall, dass der Mann die Überfälle begangen hat. Er räumte die Vorwürfe von Staatsanwalt Claudius Persdorf schon zu Beginn weitgehend ein. Die spannende Frage lautet vor allem: Was hat die 27-Jährige gewusst und inwiefern war sie an den Verbrechen beteiligt? Eine schwierige Aufgabe, vor der die Zweite Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Bruno Kremer steht.

    Kennengelernt hatte sich das Pärchen ausgerechnet während einer stationären Therapie. Sie befand sich in psychotherapeutischer Behandlung wegen Depressionen und Angstzuständen, er wegen einer massiven Spielsucht, durch die er "innerhalb von Monaten alles verzockt" habe. Der ungelernte Gebäudereiniger und die Tierpflegerin kamen sich näher, aber nicht so nah, wie es sich der heutige Angeklagte gewünscht hätte: "Ich habe mich bald in sie verliebt, aber sie hat meine Liebe nicht erwidert", sagte der in Scheidung lebende Vater von vier Kindern aus.

    Dennoch fand er bei ihr für einige Zeit Unterschlupf in einem kleinen Ort auf dem Hunsrück. "Ich habe gespielt bis zum absoluten Kontrollverlust, daran ist meine Ehe gescheitert." Auch Drogen und Alkohol hätten in seinem bisherigen Leben eine unrühmliche Rolle gespielt. "Ich war praktisch obdachlos und froh, dass ich bei ihr unterkam."

    Die 27-jährige passionierte Jägerin mit Waffenschein, Trommelrevolver und Gewehr, bestritt, irgendetwas von den Überfällen mitbekommen zu haben, obwohl sie das Auto fuhr und vor den Spielhallen auf ihren "Kollegen" wartete. Der Vorsitzende stellte klar: "Es fällt uns sehr schwer, Ihnen das zu glauben."

    "Nimm die Pistole und schieß dir den Weg frei"

    An einem Abend habe sie ihren Freund nach Simmern gefahren und dort in der Koblenzer Straße auf ihn gewartet. "Er sprang ins Auto und rief nur: Fahr los, fahr los." Beute machte das dubiose Pärchen da noch nicht - eine Mitarbeiterin der Spielothek hatte sich heftig gewehrt und dem Angreifer, der mit einer täuschend echt aussehenden Gaspistole bewaffnet war, fast die Sturmhaube vom Kopf gezerrt. Der Räuber flüchtete.

    Von Simmern aus zog es das Duo nach Kastellaun. Dort war erneut eine Spielhalle das Ziel - diesmal mit Erfolg: 590 Euro erbeutete der 36-Jährige mit gleicher Masche. Er verlangte mit vorgehaltener Waffe die Herausgabe des Bargeldes. Seine mögliche Komplizin soll zuvor den Tatort ausspioniert haben. Von Kastellaun aus fuhren die beiden nach Pfalzfeld. Auch dort hatte der Mann eine Spielhalle im Blick, kam aber wegen des fehlenden Ausweises erst gar nicht hinein. Am nächsten Abend steuerte das Pärchen dann Tankstellen in Waldlaubersheim und Bingen an - nicht mit der Gaspistole, sondern diesmal mit dem schussfähigen Trommelrevolver der Jägersfrau. Pech für das Duo: In Waldlaubersheim war zu viel Betrieb, in Bingen schloss eine Tankstelle kurz zuvor die Türen, und bei der dritten Tankstelle fuhr ein Streifenwagen vor.

    Zweifelhaft bleibt die Rolle der jungen Frau. Nicht wirklich glaubwürdig bestritt sie unter Tränen vor der Strafkammer, etwas von den Überfällen gewusst zu haben. Ihr möglicher Kompagnon hatte sie bei der polizeilichen Vernehmung entlastet, gestern jedoch behauptete er, sie hätten alles gemeinsam geplant. "Sie hat hinter meinem Rücken mein Konto leer geräumt, deshalb werde ich sie nicht mehr schützen", erklärte der Mann. "Wir haben von Anfang an gemeinsame Sache gemacht, hatten zwei Sturmhauben und zwei Waffen. Den scharfen Revolver hat sie mir in Bingen sogar zugesteckt und gesagt: ,Nimm den mit und schieß dir den Weg frei'. Das hätte ich aber niemals getan." mal

    Der Prozess wird am Freitag um 9 Uhr am Landgericht Bad Kreuznach fortgesetzt.

    Spielotheken überfallen: Gangsterpärchen muss ins GefängnisMit Waffe und Sturmhaube: Raubüberfall auf Spielhallen in Simmern und KastellaunAuf der Flucht: Mann überfällt Spielhalle in Kastellaun
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    Bettina Tollkamp

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