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    BoppardKrimi um Marienfigur: Kehrt die Tränenmadonna nach Boppard zurück?

    Kehrt die 1970 aus der Bopparder Karmeliterkirche gestohlene Tränenmadonna bald an ihren angestammten Standort am Kreuzaltar zurück? Obwohl die Räuber der wertvollen Sakralkunst aus Boppard nie gefasst wurden, deutet alles darauf hin, dass der spektakuläre Kriminalfall für die katholische Kirchengemeinde St. Severus doch noch ein gutes Ende nimmt.

    Ortsvorsteher Martin Strömann (links) und der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenbauvereins St. Severus, Heinrich Nick, freuen sich, wenn die Tränenmadonna ihren angestammten Platz unten links im Kreuzaltar der Karmeliterkirche wieder einnehmen kann.
    Ortsvorsteher Martin Strömann (links) und der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenbauvereins St. Severus, Heinrich Nick, freuen sich, wenn die Tränenmadonna ihren angestammten Platz unten links im Kreuzaltar der Karmeliterkirche wieder einnehmen kann.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Von Suzanne Breitbach und Wolfgang Wendling

    Die Kirchengemeinde muss lediglich den Kaufpreis von 28.000 Euro aufbringen - ein Schnäppchen angesichts früherer finanzieller Forderungen, die bei 300.000 bis 500.000 Euro lagen.

    25. Mai 1970: Am helllichten Tag fährt ein "Handwerkerfahrzeug", so die Zeugenaussage, am rückwärtigen Eingang der Bopparder Karmeliterkirche vor, wo die Ganoven ungehinderten Zugang zum tagsüber geöffneten Kirchenraum haben. Sie stehlen fünf wertvolle Heiligenfiguren: Maria Magdalena, den heiligen Apostel Johannes und die Tränenmadonna vom Kreuzaltar, ferner einen Engel und die Mutter Gottes aus der Verkündigungsgruppe.

    Anbieter wollte 800.000 Euro für die Figur

    Maria Magdalena und den Engel bringt die Polizei kurze Zeit später wieder zurück. Allerdings sind beide Figuren stark beschädigt. Die übrigen drei Figuren bringen die Diebe nach Belgien und verkaufen sie dort. Am 8. April 1971 fahren drei Mitglieder des Kirchenvorstands nach Brüssel und kaufen für 27.000 Mark einem Kunstsammler die Johannesfigur vom Kreuzaltar ab. Auch die Mutter Gottes aus der Verkündigungsgruppe wird für 7000 Mark zurückgeholt. Für die wertvollste Figur, die weinende Maria vom Kreuzaltar (Tränenmadonna), gehen in den nächsten Jahren immer wieder Angebote aus Belgien und Holland im Pfarramt St. Severus ein. So will 1987 ein Niederländer 800.000 Mark für die Tränenmadonna haben.

    Im Jahr 2002 meldet sich ein Mann aus Belgien bei Pfarrer Hermann-Josef Ludwig. Er bietet die Marienfigur für 750.000 Mark zum Rückkauf an. Er selbst habe 1 Million Mark für die wertvolle Figur ausgegeben. lässt er den Pfarrer wissen.

    Madonna ist nur nach deutschem Recht Eigentum der Gemeinde

    Für das sich anbahnende Happy End des 44 Jahre währenden Kriminalfalls werden im September 2013 die Weichen gestellt: Eine Frau aus Belgien übergibt im Auftrag ihrer Mutter dem Auktionshaus Dorotheum in Wien die um 1510 in der Werkstatt des Ulmer Künstlers Nikolaus Weckmann aus Holz gefertigte Madonna zum anberaumten Versteigerungstermin am 14. Oktober 2013. Doch das Auktionshaus findet die Marienfigur auf einer Liste gestohlener Kunstgegenstände des Bundskriminalamtes und schaltet die Staatsanwaltschaft Wien ein. Die Tränenmadonna wird daraufhin beschlagnahmt.

    Aber damit ist die Odyssee der Marienfigur noch nicht beendet. Die Kirchengemeinde Boppard ist nur nach deutschem Recht der rechtmäßige Eigentümer der Tränenmadonna. Nach belgischem Recht ist die Sache viel komplizierter. Wer in gutem Glauben eine Sache erwirbt, ist rechtmäßiger Eigentümer. Die junge Belgierin kann gegenüber den Wiener Ermittlungsbehörden nachweisen, dass ihre Mutter im Jahre 1985 die Tränenmadonna bei einer Versteigerung in Belgien erworben hat. Daher läuft ein Herausgabeantrag der Kirchengemeinde ins Leere.

    Außergerichtliche Einigung erfolgreich

    Jetzt könnte die Pfarrei auf Herausgabe klagen. Doch darin sieht der von der Kirchengemeinde eingeschaltete Rechtsanwalt Roger Ketzer von der Koblenzer Rheinlandkanzlei kaum Aussicht auf Erfolg. Denn nach deutschem Recht, so Ketzer, verjährt ein Herausgabeanspruch geraubter Gegenstände nach 30 Jahren. "Wir haben uns außergerichtlich geeinigt", sagt Ketzer. Damit ist die Sache klar: Wenn die Kirchengemeinde die festgelegte Summe von 28.000 Euro aufbringt, kann sie die Tränenmadonna wieder ihr Eigen nennen.

    Der Kirchenbauverein bittet daher um Spenden für den Rückkauf des bedeutenden Kulturschatzes für seine Heimatpfarrei St. Severus Boppard und für die Stadt Boppard auf die Konten bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück IBAN: DE 37 5605 1790 0001 1124 99, BIC: MALADE51SIM oder bei der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück IBAN: DE 73 5609 0000 0000 0365 13, BIC: GENODE51KRE.

    Der Ortsbeirat Boppard hat einen Zuschuss an den Kirchenbauverein für den Rückkauf der Tränenmadonna beschlossen, teilt Ortsvorsteher Martin Strömann mit.

    Nach 45 Jahren: Tränenmadonna kehrt nach Boppard zurückSpendenaufruf erfolgreich: Boppard holt seine Tränenmadonna heim Kehrt Tränenmadonna nach Boppard zurück?
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