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    Kälteeinbruch: Winzer vom Mittelrhein schützen ihre Reben mit Kerzen gegen den Frost

    Mittelrhein. Der April macht bekanntlich was er will. Das wissen die Winzer am Mittelrhein schon lange. Seit Tagen blicken sie unruhig auf das Thermometer und die Anzeigewerte der Wetterstationen in Bacharach, Boppard und Oberwesel. Spätfrost bedroht die Reben, die ihr erstes zartes Blattgrün zeigen.

    Der Winzer Albert Lambrich hat zum ersten Mal Frostschutzkerzen (rechts) benutzt.  Foto: Suzanne Breitbach
    Der Winzer Albert Lambrich hat zum ersten Mal Frostschutzkerzen (rechts) benutzt.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war verdammt kalt. Nicht nur auf den Hunsrückhöhen, auch am Mittelrhein kam es zu Bodenfrost. Der Winterdienst der Straßenmeisterei ist nach wie vor im Einsatz. Die Winzer überlegen, was sie gegen die Bedrohung durch den Frost unternehmen können.

    In regelmäßigen Rundmails erläutert Edgar Müller vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück Maßnahmen in Sachen Frostschutz. Zahlreiche Winzer wandten sich Rat suchend an die Bad Kreuznacher Behörde. „Für Maßnahmen, die zu einer Entwicklungsverzögerung der Augenentwicklung führen sollen, ist es jetzt zu spät. Unstrittig sind die positiven Effekte der Luftverwirbelung mit dem Hubschrauber, mit der es bei Strahlungsfrösten möglich ist, in höheren Luftschichten befindliche wärmere Luft auf den Boden zu drücken“, erklärt Müller in seinem Rundschreiben. Strahlungsfröste treten bei klarem Himmel kombiniert mit Windstille auf. Unstrittig seien auch die Effekte einer Beheizung des Geländes, sofern die Quellen genügend Wärme entwickeln. „Dicht genug gestellt bieten sie Schutz. Die Herstellervorgaben bieten dabei eine brauchbare Orientierung“, erklärt Müller.

    Nächtlicher Einsatz im Weinberg

    Auf Frostschutzkerzen setzte in der eisigen Nacht von Donnerstag Albert Lambrich aus Oberwesel-Dellhofen. Gemeinsam mit Sohn Maximilian, der eine Ausbildung zum Winzer absolviert, und Ehefrau Ute überlegte er seit den Osterfeiertagen, Frostschutzkerzen aus dem Obstanbau zu kaufen, um die empfindlichen Weinberge zu schützen. 100 Kerzen konnten sie kurzfristig an der Nahe kaufen. 250 Kerzen werden für einen Hektar Fläche benötigt. „Was in meiner Macht steht, versuche ich, um Schäden zu minimieren“, sagt Albert Lambrich. Ende Juni 2016 mussten die Dellhofener Winzer Ernteausfällen durch Hagel hinnehmen. Beim Grau- und Weißburgunder waren es bei Albert Lambrich 50 Prozent. Aus diesem Grund zögerte der 50-Jährige nicht lange und besorgte sich die Paraffinkerzen. Vorsorglich informierte der Winzer das Ordnungsamt und die Feuerwehr, um einen Fehlalarm zu vermeiden.

    Albert Lambrich zündete in der Nacht auf Donnerstag in seinem Weinberg Frostschutzkerzen an.
    Albert Lambrich zündete in der Nacht auf Donnerstag in seinem Weinberg Frostschutzkerzen an.

    Gemeinsam mit dem Sohn stellte er Frostschutzkerzen im Weinberg auf und montierte in Stockhöhe Thermometer zur Kontrolle. Zwei Kontrollfahrten um 1 und 3 Uhr übernahm Albert Lambrich, bevor er seinen Sohn weckte und die Kerzen mit Hilfe eines Gasbrenners gegen 3.30 Uhr entzündete. Nach kurzer Brenndauer entwickelten sich etwas Wärme und reichlich Rauch. „Die Luft kam trotz Windstille in Bewegung, eine Rauchglocke bildete sich über dem Wingert“, sagt Albert Lambrich, der zum ersten Mal Frostschutzkerzen einsetzte. Gegen 8 Uhr löschte er die Kerzen, die eine Gesamtbrenndauer von acht bis zehn Stunden haben. Ob er sie in den nächsten Tagen wieder brauchen wird?

    Jüngere Rebanlagen sind empfindlicher

    Am späten Vormittag fährt Albert Lambrich erneut in die beiden Weinberge. „Die Erfahrung in der ersten Nacht hat gezeigt, dass ich die Kerzen beim nächsten Mal etwas früher anzünden werde. Der Aufwand und die Kosten in Höhe von rund 1000 Euro für die 100 Kerzen haben sich gelohnt, wenn der Schaden auf 20 Prozent reduziert werden konnte und wir wieder ein paar Liter Wein mehr aus dem Weinberg holen“, sagt Lambrich. Kritisch untersucht er die Reben.

    Erste Frostschäden sind an Reben in benachbarten Weinbergen erkennbar, in denen keine Frostschutzkerzen zum Einsatz kamen. Die ersten Austriebe sterben ab. Vom frischen Grün wechselt die Blattfarbe auf braun und die Köpfe hängen runter. Jüngere Rebanlagen sind empfindlicher. Am Wochenende dürfte das Ausmaß der Frostschäden deutlicher sichtbar sein. Auch die Bacharacher Weingüter Peter Jost, Jochen Ratzenberger und Friedrich Bastian setzten in der Nacht auf Donnerstag auf Frostschutzkerzen, um Ernteausfälle zu vermeiden.

    Die Wetterstationen liefern den Winzern verlässliche Daten. Beim Blick auf die Messungen in der Nacht auf Donnerstag wurden die tiefsten Temperaturen in Bacharach und Oberwesel gemessen. Temperaturen zwischen minus 2 und minus 4 Grad Celsius in 20 Zentimeter Bodenhöhe wurden an den beiden Stationen gemessen. Und windstill war es. Anders im Bopparder Hamm: Die dortige Station lieferte Temperaturdaten zwischen minus 0,8 Grad Celsius und minus 2,4 Grad Celsius bei Windgeschwindigkeiten um 0,5 Meter/Sekunde.

    Versprühen von Wasser kein geeigneter Schutz

    Vom Versprühen von Wasser rät das DLR ab. Für einen effektiven Schutz müssen pro Stunde zwei bis fünf Liter pro Quadratmeter, also 20.000 bis 50.000 Liter Wasser pro Hektar mit Hilfe einer Überkronenberegnungsanlage über den Bestand verteilt werden. Über den Knospen beziehungsweise Trieben bildet sich ein Eispanzer, dessen Schutzwirkung nicht in einer Isolierwirkung, sondern – so lange die Beregnung läuft – in der fortgesetzten Freisetzung von Erstarrungswärme beruht, teilt Müller den Winzern mit.

    Vom DLR Bad Kreuznach gab es in einem der Rundschreiben eine Empfehlung zur Bodenpflege. Ein hoher Pflanzenbestand soll gemulcht oder zumindest gewalzt werden. Hochgewachsene Begrünungspflanzen sollen entfernt werden, sofern sie sich aufgrund einer nicht sauber abgegrenzten Aussaat im Unterstockbereich befinden. „Ein bombensicheres Patentrezept gibt es nicht. Blinder Aktionismus kann jedoch kontraproduktiv sein“, darauf weist Edgar Müller am Ende seines Rundbriefes hin.

    Von unserer Reporterin Suzanne Breitbach

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    Chefin v. Dienst

     

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