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    SimmernHolocaust-Überlebender erzählt in Simmern seine Geschichte

    "Dies ist nicht mehr meine Heimat, wo meine ganze Familie von den Nazis ermordet wurde", sagte Heinz Hesdörffer im ausverkauften ProWinz-Kino. Der 91-Jährige entging mit viel Glück diesem Schicksal und überlebte das Naziregime. In dem Dokumentarfilm "Schritte ins Ungewisse" ist er nochmals seinem Leidensweg gefolgt. Der Ausschwitzüberlebende las auch aus seinem Buch "Bekannte traf man viele".

    Zweimal las Heinz Hesdörffer im ausverkauften ProWinz-Kino aus seinen Erinnerungen und beantwortete Publikumsfragen. Andreas Duhrmann begleitete den Holocaust-Überlebenden.
    Zweimal las Heinz Hesdörffer im ausverkauften ProWinz-Kino aus seinen Erinnerungen und beantwortete Publikumsfragen. Andreas Duhrmann begleitete den Holocaust-Überlebenden.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

    "Ich kann und will die junge Generation nicht verantwortlich machen für das, was sie nicht zu verantworten hat." Hesdörffer will nicht anklagen, sondern aufklären. Sein Forum ist das nach ihm benannte "Bildungswerk Heinz Hesdörffer e.V." Es unterstützt junge Menschen, die sich mit dem Holocaust und dem Dritten Reich auseinandersetzen wollen. Zur Projektarbeit gehört die Aufarbeitung der Lebensgeschichte von NS-Opfern, insbesondere von jüdischen Mitbürgern aus der Stadt und dem Kreis Bad Kreuznach. Junge Menschen sollen aber auch sensibilisiert werden, jegliche Diskriminierung in der Gesellschaft zu registrieren und dagegen Stellung zu beziehen.

    Heinz Hesdörffer der gestern seinen 91. Geburtstag feierte, ist einer der wenigen noch lebenden Zeugen des Holocaust. Er wurde 1923 in Bad Kreuznach geboren. Sein Vater war Schokoladen- und Zuckerwarenfabrikant. 1938 musste er als Jugendlicher seine Heimatstadt verlassen. Die erhoffte Ausreise in die rettenden USA scheiterte. Aus Hesdörffers Familie wurden Mutter, Bruder und Onkel im KZ ermordet. Er selbst entging diesem Schicksal mehrfach nur ganz knapp.

    Davon berichtet die Doku "Schritte ins Ungewisse". In Holland konnte Hesdörffer dem Naziterror nicht mehr entkommen. Er wurde verhaftet und ins Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort führte ihn sein Leidensweg durch die KZs Theresienstadt, Auschwitz, Schwarzheide und Sachsenhausen. Halb Europa durchquerte er eingepfercht mit Leidensgenossen in Waggons, die eigentlich für den Viehtransport vorgesehen waren. Im März 1945 wurde er auf einem Todesmarsch bei Below befreit. Er wog damals nur noch 35 Kilo. Dem industrialisierten Morden der Nationalsozialisten ist er mehrmals entronnen. "Zum Tor rein und zum Schornstein raus", dieses Schicksal von Millionen KZ-Häftlingen blieb ihm erspart.

    1947 wanderte Hesdörffer nach Südafrika aus. Dort lernte er auch seine ebenfalls aus Deutschland stammende Frau kennen. 2002 zog das Paar nach New York. Seit 2009 lebt Hesdörffer in Frankfurt. Seine Frau blieb in den USA zurück. Nach all dem Geschehenen konnte sie nicht nach Deutschland zurückkehren. Nur der Gesundheit wegen sei er zurückgekommen. Die Frage, ob er hier eine neue Heimat gefunden habe, verneinte er.

    50 Jahre lang lagen seine aufgeschriebenen Erinnerungen in einer Schublade, bevor er sie auf Anraten seiner Frau hervorkramte und schließlich ein Buch daraus entstand. Als Zeitzeuge ist er in Schulen und in Kirchengemeinden als engagierter Aufklärer aktiv. Dadurch kam auch der Kontakt mit seiner verlorenen Heimat in Bad Kreuznach zustande.

    Für Irritationen sorgte Hesdörffer am Ende seines Vortrags. Auf Nachfrage aus dem Publikum verteidigte er die Apartheid in Südafrika. Angesichts der zurzeit amtierenden Regierung würden sich manche Schwarze diese Zeit zurücksehnen.

    Boppard Simmern
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