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  • Gedenken: Stolpersteine erinnern an Bacharacher Opfer

    Bacharach. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", dieser Satz aus dem dem Talmud, inspirierte den Künstler Gunter Demnig zu seiner Stolpersteinaktion. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier lebten. Am Freitag wurden vier Stolpersteine in Bacharach verlegt.

    Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig für vier Opfer des Nationalsozialismus' in der in der Langstraße
    Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig für vier Opfer des Nationalsozialismus' in der in der Langstraße
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Reporter Werner Dupuis

    Die Inschriften auf den glänzenden Messingplatten erinnern an die deportierten jüdischen Geschwister Wilhelm und Emma Keller und an Antonie Herzberg sowie an Heinrich Pfaff, der der Euthanasie zum Opfer fiel. Alle lebten in der Langstraße.

    Viele Bürger verfolgten das eindrucksvolle Zeremoniell, das immer von Demnig selbst ausgeführt wird. Dabei wurden die Biografien der Menschen von Peter Keber verlesen, denen gedacht wird. Der in Marburg lebende Autor Friedrich G. Pfaff, ein Neffe des deportierten Heinrich Pfaff, las aus seinem Buch "Die Hexe von Bacharach", das von der Deportation der Juden und den Opfern der Euthanasie handelt.

    Spuren der Opfer verlieren sich

    Wilhelm Keller, 1894 in Bacharach geboren, war gelernter Schneider und half oft seinem Vater Abraham in dessen Metzgerei. Er war ledig und verließ auch nach einer frühen Inhaftierung im KZ-Dachau nicht seine Heimat. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Hier verliert sich seine Spur wie bei vielen anderen im KZ Ermordeten.

    Seine Schwester Emma war ein Jahr älter, blieb ebenfalls ledig und lebte gemeinsam mit ihrem Bruder in der Langgasse 43. Sie wurde ebenfalls 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Wie ihr Bruder ist sie auf keinen Transportlisten aufgeführt. Auch sie starb in Theresienstadt.

    Antonie Herzberg, Jahrgang 1862, wurde in Köln geboren. Warum sie nach Bacharach zog, ist unbekannt. Hier unterrichtete sie als Handarbeitslehrerin Sie war ledig und wohnte seit 1937 in der Langstraße 54. 1942 kam sie nach Theresienstadt. Von dort brachte man sie ins Vernichtungslager Treblinka. Wie dort üblich, wurde die 80-Jährige direkt nach der Ankunft ermordet.

    Durch Kriegserlebnisse schwer erkrankt

    Heinrich Pfaff erblickte 1898 in Bacharach das Licht der Welt. In der Langstraße 25 war er zu Hause. Er galt als guter Schüler und erlernte das Uhrmacherhandwerk. Als Musketier kämpfte er im 1. Weltkrieg. Möglicherweise ausgelöst durch seine Kriegserlebnisse erkrankte Pfaff. 1927 kam er in die "Provinzialirrenanstalt Andernach". Von dort brachte man ihn am 7. Mai 1941 in die zur Tötungsanstalt umfunktionierten Landesheilanstalt Hadamar. Am gleichen Tag wurde er vergast. Im Sommer 1941 erhielt seine alte Mutter ein Schreiben, dass ihr Sohn infolge eines Gallenblasenempysems und einer anschließenden Bauchfellentzündung unerwartet gestorben sei.

    Der Anstoß für die Gedenksteine kam von der "Initiative Stolperstein" mit Ulla Büttner, Altbürgermeister Dieter Kochskämper, Dagmar Aversano-Schreiber vom Geschichtsverein und Peter Kerber vom Bauverein Wernerkapelle. Ein Jahr lang recherchierten sie in Archiven. Wichtig war ihnen, dass die heutigen Besitzer der Häuser, vor denen Steine verlegt wurden, eng mit in das Projekt einzubinden. Drei Immobilienbesitzer lehnten allerdings ab. Mit einer Enthaltung stimmte der Bacharacher Stadtrat für die Stolpersteine.

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    Bettina Tollkamp

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