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    SimmernErinnerung: Stadt Simmern will Herzog Johann II. ein Denkmal bauen

    Nach dem „Zementgretchen“ und dem Schinderhannes wird in der Kreisstadt bald noch eine weitere bedeutende Person ein eigenes Denkmal erhalten. Simmern will mit einer Bronzestatue auf dem Schlossplatz an das Wirken von Herzog Johann II. erinnern. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend bei zwei Gegenstimmen beschlossen.

    Herzog Johann II. wurde 1492 in Simmern geboren und wirkte bis zu seinem Tod 1557 in der damaligen Residenzstadt. Unter ihm erlebte das Herzogtum Pfalz-Simmern seine Blütezeit. Ihm soll ein Denkmal auf dem Schlossplatz errichtet werden.  Foto: Stadt Simmern
    Herzog Johann II. wurde 1492 in Simmern geboren und wirkte bis zu seinem Tod 1557 in der damaligen Residenzstadt. Unter ihm erlebte das Herzogtum Pfalz-Simmern seine Blütezeit. Ihm soll ein Denkmal auf dem Schlossplatz errichtet werden.
    Foto: Stadt Simmern

     

    Stadtbürgermeister Andreas Nikolay wies darauf hin, dass gerade das laufende Reformationsjahr für ein solches Vorhaben besonders geeignet sei, weil Johann II. ein führender Fürst der damaligen Zeit war. So versuchte er am Rande des Wormser Reichstages zwischen Papst Leo X. und Martin Luther zu vermitteln. Der Vermittlungsversuch endet letztlich jedoch unversöhnlich und in einem erbitterten Streit. Dennoch erlebte unter Johann II. das Herzogtum Pfalz-Simmern seine Blütezeit.

    Johann wurde am 21. März 1492 in Simmern geboren. Gegen die Gewohnheit der Epoche lag seine Ausbildung mehr auf wissenschaftlichem Gebiet als bei ritterlichen Übungen. Er galt als großer Kultur- und Kunstliebhaber. In Naturwissenschaften sowie Staats- und Rechtslehre galt Johann II. als führender Fürst seiner Zeit. Außerdem stand er mit zahlreichen Künstlern und Wissenschaftlern in Verbindung. Bei Kaiser Karl V. genoss der Herzog von Pfalz-Simmern hohes Ansehen. Er wurde bis zu seinem Tod am 18. Mai 1557 Richter am Reichskammergericht in Speyer und ab 1523 Statthalter beim Reichsregiment – also Vertreter des Kaisers bei Abwesenheit.

    Johann II. war es wohl auch, der in seiner Residenzstadt eine Lateinschule errichtete, auf die das heutige Herzog-Johann-Gymnasium zurückzuführen ist. 1555, kurz vor seinem Tod, hob er für die Bürger der Stadt Simmern die Leibeigenschaft auf. Aber erst sein Sohn Friedrich II. führte 1557 im Herzogtum Simmern die Reformation ein. Weil Johann II. als eine der bedeutendsten Personen seiner Zeit gilt, möchte ihm die Stadt ein Denkmal vor „seinem Zuhause“ – dem 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges zerstörten alten Schloss – auf dem Schlossplatz errichten. „Das ist der ideale Standort, das habe ich ausführlich mit unserem Museumsleiter Fritz Schellack besprochen“, erläuterte der Bürgermeister.

    Finanziert werden soll eine solche Bronzestatue komplett über Spenden. Eine Arbeitsgruppe wird sich analog zur Errichtung des Schinderhannes-Denkmals mit dem Thema befassen.

    Nicht bei allen Ratsmitgliedern stößt ein solches Ansinnen auf Gegenliebe. Die Bündnisgrünen lehnen ein Denkmal für Johann II. ab. „Er hat unsere Urahnen als Leibeigene gehalten“, begründete Ernst Otto Cronauer. „Die Leibeigenschaft hat er viel zu spät abgeschafft. Dazu war er über das Reichskammergericht voll in die damaligen Bauernkriege involviert. So jemandem wollen wir kein Denkmal setzen.“

    Auf großes Verständnis stieß die Haltung der Grünen bei den anderen Ratsmitgliedern nicht. Beigeordneter Michael Becker (CDU) warnte davor, Johann II. mit den Maßstäben von heute zu sehen. „Mit unserer heutigen humanistischen Einstellung dürfen wir ihn und sein Wirken nicht messen. Wir müssen die Leute in ihrer jeweiligen Zeit sehen – sonst müssten wir fast alle Denkmäler abreißen und die meisten Straßen umbenennen. Johann II. hat sich mit seiner großen geschichtlichen Leistung ein solches Denkmal verdient.“

    Ins gleiche Horn stießen auch die anderen Ratsmitglieder. „Ein Denkmal soll ja gerade dazu anregen, über jemanden nachzudenken. Unsere Geschichte war nun mal so, wie sie war“, erklärte Peter Mumbauer (aSL). Sein Fraktionskollege Dieter Langkammerer ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn es danach geht, müssten wir als erstes das Schinderhannes-Denkmal wieder abreißen. Der war bekanntermaßen auch kein Vorbild, sondern ein Verbrecher.“ Manfred Krämer (SPD) fragte sich zwar, ob man nicht besser Johanns Sohn Friedrich III. ein Denkmal setzen sollte, weil dieser viel mehr für die Reformation bewirkt hat. Doch Stadtchef Andreas Nikolay wies darauf hin, dass Johann II. im Gegensatz zu Friedrich III. sein ganzes Leben in Simmern verbracht hat. „Er hat hier gewirkt und viel für unsere Stadt getan.“

    Von unserem Redakteur Markus Lorenz

     

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