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    Rhein-HunsrückEin 911er zieht das Abenteuer magisch an: Wie ein Külzer zu seinem Traumwagen kam

    Das Nummernschild eines Oldtimers erzählt oft eine ganze Lebensgeschichte: SIM-JK-32H steht auf dem orangeroten Porsche 911 T 1973 von Johannes Klein. Schwarz auf weiß findet sich zwischen den Initialen des aus Külz stammenden Architekten und dem "H", das den Oldtimer kennzeichnet, eine schicksalhafte Jahreszahl: 32! Genau so alt war Klein, als er sich den Traum vom Porsche erfüllte.

    Der Porsche 911 Targa ist ihre gemeinsame Leidenschaft. Johannes Klein und seine Frau Miriam genießen die Ausflüge mit dem Oldtimer, hier war Bacharach das Ziel. Foto: Ingo Lips
    Der Porsche 911 Targa ist ihre gemeinsame Leidenschaft. Johannes Klein und seine Frau Miriam genießen die Ausflüge mit dem Oldtimer, hier war Bacharach das Ziel.
    Foto: Ingo Lips

    Ein Traum, der sich als Student formte, als er diesen Wagen mit "seinem Baujahr" (1972) in Aachen sah. Nicht irgendeiner, sondern genau dieses F-Modell mit den Fuchsfelgen sollte es sein. "So einen hätte ich gern, sagte ich mir damals, doch mir fehlte natürlich das nötige Kleingeld dazu", erinnert sich der heute 41-Jährige.

    Vor etwa zehn Jahren war es dann so weit: Johannes Klein arbeitete für "Bilfinger Berger" in Libyen. Viele Abende verbrachte er damit, im Internet nach seinem Jugendtraum zu suchen, und wurde schließlich in Italien fündig. "Chef, ich brauche unbedingt zwei Tage frei, ich muss schnell nach Mailand." Um die Heiterkeit verstehen zu können, die diese Worte erzeugten, muss man wissen, dass Klein als Ausländer in Libyen seine Papiere abgegeben hatte. Mal eben schnell ausreisen schien unmöglich. Da traf es sich prima, dass der Deutsche eine Villa für Gaddafis Sicherheitschef geplant hatte. "No problem, where is your passport?", fragte der mächtige Bauherr nur kurz. Zwei Stunden später hatte der Architekt aus dem Hunsrück seinen Pass.

    In Italien dolmetschte ein Freund aus Verona. Klein machte eine Anzahlung von 5000 Euro und erklärte, dass er den Wagen erst in einem drei Viertel Jahr abholen könne. Das riskante Geschäft gelang. Wieder zurück in Deutschland, reiste Klein abermals nach Mailand - diesmal über den Hahn mit roten Nummernschildern im Gepäck. Gemeinsam mit einem Freund aus dem Hunsrück überführte er seinen Porsche 911 T Targa in die Heimat.

    Hier attestierte ihm ein befreundeter Gutachter den überaus guten Zustand des Wagens. Liebevoll wurde das Cabrio in der Folgezeit aufgehübscht, Originalteile hinzugefügt und auch kleine Sünden der Vorbesitzer wieder ausgebügelt. So etwas geht nur mit der Unterstützung eines guten Schraubers. In Alexander Opper aus Oestrich-Winkel fand Johannes Klein eine Institution innerhalb der Gilde. Doch ihre erste Begegnung hat gleich schon wieder schicksalhafte Züge - fast scheint es, als ziehe das Blech eines 911er solche Geschichten magisch an: Johannes Klein und seine Frau Miriam saßen in einer Straußwirtschaft im Rheingau. Gäste fuhren in einem Oldtimer vor, begutachteten den 911er und gaben dem Porsche-Besitzer die Adresse von Opper - "falls er seine Dienste mal brauche".

    Johannes Klein und seine Frau fuhren wohlgemut davon. Fünf Minuten später tat das ansonsten zuverlässige Fahrzeug keinen Mucks mehr. Den Leuten vom Abschleppdienst gab Klein die frisch erhaltene Adresse. "Das ist ja gleich um die Ecke", freuten sich die Helfer in der Not. Wenig später freute sich Klein: Nur ein winziges Teil musste ersetzt werden, für das der Porsche-Kenner gerade mal 5 Euro verlangte. Seitdem nimmt Opper einen festen Platz in der Beziehung zwischen Klein und seinem Traumauto ein.

    Doch wie passt da eigentlich eine Frau hinein? Sie muss sich solche Sätze anhören wie "Ich mag dieses ursprüngliche Geräusch, wenn man da aufs Gas tritt, spürt man gleich, was hinten passiert!" Kein Problem: Miriam Steinle ist genauso Porsche begeistert wie ihr Mann: "Ich habe die ,Auto, Motor und Sport‘ schon zusammen mit meinem Vater inhaliert, und der 911er ist mein absolutes Traumauto." Von Eifersucht also keine Spur, stattdessen schwärmt sie von Porsches "Froschaugen" (Scheinwerfer).

    Am Wochenende ist man bei Ausfahrten zu dritt unterwegs, und auch der "Wellness-Behandlung" für den scharfen Flitzer stimmt Kleins Frau in vollem Umfang zu: Im kommenden Jahr wird der Oldtimer nämlich in ein Säurebad getaucht - damit die alte Liebe keinen Rost ansetzt. Danach werden Schwachstellen gegebenenfalls geschweißt, und nach einer erneuten Säurebehandlung steht dann eine sogenannte kathodische Tauchlackierung an. "Das hält dann die nächsten 50 Jahre", sagt Klein in der für ihn typischen Gelassenheit und schenkt seinem Porsche 911 T Targa ein liebevolles Lächeln. Ingo Lips

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