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    Boppard/KreisDemografischer Wandel trifft Boppard hart

    Es sind Zahlen, die erschrecken: In der Verbandsgemeinde (VG) St. Goar-Oberwesel geht die Bevölkerung bis 2030 um 17,2 Prozent zurück, in der Stadt Boppard um 11,2 Prozent.

    Von allen Ortsbezirken der Stadt Boppard ist Bad Salzig neben Hirzenach am stärksten vom demografischen Wandel betroffen: Im Kurort ist der Bevölkerungsrückgang besonders evident. Foto: Thomas Torkler
    Von allen Ortsbezirken der Stadt Boppard ist Bad Salzig neben Hirzenach am stärksten vom demografischen Wandel betroffen: Im Kurort ist der Bevölkerungsrückgang besonders evident.
    Foto: Thomas Torkler

    Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

    Mit Ausnahme der VG Kirchberg - dort liegt der Bevölkerungsrückgang bei 11,8 Prozent - lässt der Mittelrhein kreisweit am stärksten Federn. Damit verstärkt sich der seit 1990 anhaltende Trend: In der von der Weltgemeinschaft geadelten Kulturlandschaft schlägt die demografische Wende mit voller Wucht zu.

    Demografische Wende - das Schlagwort beinhaltet nicht nur die nackten Zahlen der Einwohnerentwicklung. Es geht auch um den Altersaufbau der Bevölkerung. Am Mittelrhein nimmt der Anteil der Kinder und Jugendlichen sowie der Menschen im berufsfähigen Alter stärker ab als andernorts im Kreis. Die Zahl der Alten und vor allem der Hochbetagten (Menschen über 80) steigt rapide an. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Kommunalpolitik und wirft Fragen auf, auf die es bis jetzt noch keine Antworten gibt.

    Auf Initiative der FWG Boppard beschäftigte sich der Bopparder Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mit der Bevölkerungsentwicklung. Ludwig Böckmann vom Statistischen Landesamt trug eine Stunde lang vor, in welchem Ausmaß der demografische Wandel in der Stadt Boppard seinen Niederschlag findet. Fazit: In der Stadt Boppard weist die Altersstruktur größere Probleme auf als im Landes- und Kreisdurchschnitt. Das lässt sich an fünf Beispielen belegen:

    1. Landesweit gibt es seit 2007 mehr ältere als jüngere Menschen. In Boppard ist das bereits seit 2002 der Fall.

    2. Die Zahl der Kleinkinder ist in Boppard geringer als andernorts: 2010 gab es 648 Kinder unter sechs Jahren, 2013 werden es nur noch 527 sein. Der Rückgang liegt in der Stadt Boppard bei 19 Prozent, im Kreis bei 18 und im Land bei 9,7 Prozent.

    3. Die Zahl der jüngeren Menschen zwischen 6 und 20 Jahren nimmt deutlich ab. 2010 gab es 2167 schulpflichtige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Boppard. Laut Prognose ist diese Altersgruppe 2030 nur noch mit 1434 Menschen vertreten. Während in Boppard der Rückgang 34 Prozent beträgt, sind es kreisweit 29 Prozent und landesweit 20 Prozent.

    4. Deutlicher als im Kreis (-20 Prozent) und im Land (-15 Prozent) nimmt in Boppard die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ab. 2064 Menschen zwischen 20 und 65 Jahren weniger als im Jahr 2010 erwarten die Statistiker für das Jahr 2030. Die Zahl sinkt um 22 Prozent von 9257 auf 7193.

    5. Während die Bevölkerungsgruppe der 65- bis 80-Jährigen in Boppard mit einer Zunahme um 19 Prozent weniger stark steigt als im Kreis (+29 Prozent) und im Land (+35 Prozent), steigt in der Stadt Boppard die Zahl der Senioren über 80 beträchtlich: 2010 lebten 1033 Hochbetagte in der Stadt, 2030 sollen es 1675 sein. Die Zunahme beträgt 62 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert gegenüber einer Steigerung um 33 Prozent im Kreis und 37 Prozent im Land.

    Boppard hat eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für den jetzt voll durchschlagenden demografischen Wandel. Denn neben der VG St. Goar-Oberwesel hat die Einheitsgemeinde als einzige Gebietskörperschaft im Kreis heute weniger Einwohner als 1970- Vor 40 Jahren lebten 15 900 Einwohner auf dem Gebiet der heutigen verbandsfreien Gemeinde. 2012 waren es 15 500. Bereits in zwölf Jahren hat Boppard - bildhaft gesprochen - zwei Ortsbezirke in der Größenordnung von Weiler (742 Einwohner) und Udenhausen (509 Einwohner verloren, rechnet Jürgen Schneider vor. Bis 2030 kommt noch ein dritter Ortsbezirk in der Größenordnung von Holzfeld (427 Einwohner) hinzu. Aus Sicht des FWG-Politikers muss sich die Stadt jetzt schon ernsthafte Gedanken über die Konsequenzen des demografischen Wandels machen: Weil der Bevölkerungsanteil der berufstätigen Personen schrumpft, muss sich die Stadt auf sinkende Steuereinnahmen einstellen. Der Alltag für eine älter werdende Gesellschaft muss vor allem hinsichtlich der Mobilität und der medizinischen Versorgung organisiert werden. Auch die Entwicklung des Einzelhandels ist zu hinterfragen. Und auch diese Frage drängt: Wie ist es um das Mittelzentrum Boppard bestellt?

    Aus Schneiders Sicht muss das Thema Gebiets- und Verwaltungsreform im Hinblick auf die Demografie neu diskutiert werden. Für ihn gibt es keinen Zweifel: Eine Fusion mit der noch stärker als Boppard schrumpfenden VG St. Goar-Oberwesel wäre für beide Gebietskörperschaften die beste Lösung, um in einer starken Gemeinschaft den Unbilden der Demografie Paroli bieten zu können.

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