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  • Bosbach trifft den Nerv der CDU-Anhänger

    Rheinböllen. Bundestagsabgeordneter war zu Gast in Rheinböllen, wo sich auch die Vortour der Hoffnung vorstellen durfte und Werbung für ihren guten Zweck machte.

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Torkler

    Man kann es getrost als eines der bedeutendsten Ereignisse im Jahresverlauf bezeichnen, wenn CDU-Kreisvorsitzender Hans-Josef Bracht ins KiR Rheinböllen zum Neujahrsempfang bittet, der Saal abermals proppenvoll ist und erneut ein prominenter Gast die Festrede hält. Diesmal hatte Bracht dem im Fernsehen omnipräsenten Wolfgang Bosbach aufgeboten.

    Und der Bundestagsabgeordnete aus Bergisch-Gladbach, an dem keine Talkshow vorbei kommt, hielt, was seine Anhänger sich am Samstagvormittag von ihm versprochen hatten. In einer launigen Rede, gespickt mit flotten Sprüchen, markigen Sätzen und jede Menge des von erwarteten und gewohnten Klartextes bereitete er der CDU-Familie in Rheinböllen einen Neujahrsempfang, der so recht nach ihrem Geschmack war.

    Und dabei offenbarte der mitunter knochentrocken wirkende Politiker ein ums andere Mal viel Humor und komödiantisches Talent. Kostprobe: „Wir haben damals als Kinder draußen gespielt, ohne jede sozialpädagogische Betreuung.“ Oder auch: „Auf die Idee, eine Telefonnummer im Telefonbuch zu suchen, muss man erstmal kommen.“ Solche markigen Sätze erzeugen jede Menge Wohlgefühl, vor allem bei der älteren Generation, die nicht mit spontanem Applaus sparte und dem Festredner an den Lippen hing.

    Bevor solche Sätze aber als Plattitüden verpuffen, schiebt Bosbach rasch nach und erklärt, früher sei nicht alles besser gewesen, nur anders. Die Welt verändere sich in rasendem Tempo, und damit Schritt zu halten, dafür bedürfe es natürlich der richtigen Politik.

    Die Spielregeln einhalten

    Auch wenn Bosbach unter dem Beifall der Zuhörer feststellt, dass seine Partei, die CDU, es „ein bisschen besser“ macht als die politischen Gegner, räumt Bosbach ein, dass es nicht so sei, dass die einen immer alles richtig und die anderen alles falsch machen. Und am Ende resümiert er: Es ist immer noch ein großes Glück, in Deutschland geboren zu sein und hier leben zu können.“

    Wer aber hier leben möchte, müsse die Spielregeln einhalten. Tut er dies nicht, dann „hat er sich das falsche Land ausgesucht, und dann muss er wieder zurück“. Das gibt Beifall. Und der wird noch stärker, als er auf das Thema Religionsfreiheit kommt. Darin sei Deutschland nicht zu überbieten, sagt Bosbach und schiebt rhetorisch geschickt nach: „Es wäre doch schön, wenn die Christen in islamischen Ländern genauso toleriert würden.“

    Und als würde das noch nicht genügen, setzt er noch einen drauf: „Ich habe keine Sorge vor der Islamisierung unseres Landes, sondern vor der Entchristianisierung. Es sind wir, die den Sankt-Martinsumzug in ein fröhliches Lichterfest verwandeln.“ Ob dies nun geschickt platzierte und geschliffen formulierte Sätze eines routinierten Redners sind, interessiert die Masse im Saal kaum. Der Mann spricht ihnen aus der Seele - und deswegen sind viele schließlich auch gekommen. Sie bekommen aber auch Sätze zu hören, wie: „Die meisten Opfer des muslimisch motivierten Terrors sind Muslime,“ Oder: „Es gibt nicht d i e Muslime, es gibt auch nicht d i e Menschen. Es gibt solche und solche.“

    Hinsichtlich terroristischer Anschläge habe Deutschland während der vergangenen 25 Jahre auch Glück gehabt. In der Flüchtlingskrise wünscht sich Bosbach allerdings mehr klare Kante. Dass Bosbach bekanntlich kein Anhänger der „Wir-schaffen-das-Haltung“ der Kanzlerin ist, dürfte bekannt sein. Bosbach nimmt aber diese Merkel-Aussage zum Anlass, jenen zu danken, ohne die Deutschland es in der Flüchtlingsproblematik seiner Meinung nach wohl nicht so weit geschafft hätte wie bisher: „Ohne das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe, wäre der staatliche Apparat kollabiert.“

    Wieder Beifall. Und in das Klatschen hinein stellt Bosbach fest: „Je größer die Probleme sind, desto mehr kommen die guten Eigenschaften der Menschen zum Vorschein.“ So sehr Deutschland seiner Verpflichtung in der Flüchtlingshilfe nachgekommen sei, so gering sei das Engagement vieler europäischer Länder. Und hier kann Bosbach auch mal richtig bissig werden: „Es ist in der EU offenbar viel leichter, Milliarden Fördergelder zu verteilen, als Flüchtlinge.“ Europa sei Frieden und Freiheit und keine Währungseinheit.

    Anhaltender Applaus, als er seine Rede beendet. Hans-Josef Bracht dankt dem Gast beseelt: „Herr Bosbach, das war großartig, machen Sie weiter so.“ Und ans Publikum gewandt frohlockt Bracht: „Ja, liebe Gäste, das war eine tolle Sache. Hat Spaß gemacht, gell?“

    Klöckner will Historisches schaffen

    Dem stimmte das Publikum in Rheinböllen nahezu ausnahmslos zu. Was übrigens auch für die Botschaft von Julia Klöckner galt, die in Mainz bei der Tagung des CDU-Bundesvorstands weilte und per Video ihre Neujahrsbotschaft zum Empfang nach Rheinböllen schickte. „Am 13. März kann etwas Historisches gelingen“, nahm sie Bezug auf die Landtagswahl und fügte auch lokale Aspekte ein, wie zum Thema Mittelrheinbrücke: „Wir brauchen heute die Planung, dass eine Brücke gebaut wird, nur dann macht eine Buga 2031 Sinn.“

    Auch der Gastgeber und CDU-Kreisvorsitzende stellte lokale Themen in den Mittelpunkt seiner Rede und wiederholte seine Forderungen nach einem tragfähigen wirtschaftlichen Konzept für den Flughafen Hahn, nach mehr Straßenbau sowie mehr Polizeipersonal. Zum Flüchtlingsthema sagte Bracht: „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, kommen aus Kriegsgebieten und brauchen unsere Hilfe. Dazu verpflichtet uns schon unser Christsein“, sagte Hans-Josef Bracht und beeilte sich zu ergänzen: „Sollte es uns gelingen, die Landtagswahl zu gewinnen, werden wir ein Integrationspflichtgesetz beschließen.“

    Auch Bracht lobte den ehrenamtlichen Einsatz in der Flüchtlingshilfe. Und beim Thema Ehrenamt war der CDU-Kreisvorsitzende dann beim zweiten großen Block des Neujahrsempfangs angekommen. Die Vortour der Hoffnung, die Benefiz-Radtour für krebs- und leukämiekranke Kinder liegt dem Abgeordneten bekanntlich am Herzen. Und so verschaffte er dem Vorsitzenden der Aktion, Jürgen Grünewald, beim Empfang in Rheinböllen ein Forum, um für weitere Spenden zu werben, die am Samstag auf der KiR-Bühen auch überreicht wurden. Empfangen wurden sie von den prominenten Sportlern, die sich der Aktion verschrieben haben, unter ihnen die 38-fache Deutsche Leichtathletik-Meisterin Ellen Wessinghage und Zehnkämpfer Guido Kratschmer. Fehlen durfte auch nicht der Song der Vortour: Chris Bennett sang „Für alle Kinder dieser Welt“.

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