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  • Ausstellung regt zum Nachdenken an

    Simmern. Hunsrückmuseum erteilt mit der Präsentation von Exponaten zum Ersten Weltkrieg der viel zitierten Kriegsbegeisterung eine deutliche Absage

    Zum Nachdenken regt eine Ausstellung im Simmerner Hunsrück-Museum an, die 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die grauenvollen Geschehnisse zwischen 1914 und 1918 dokumentiert. Die Schau tut dies eben nicht in kriegsverherrlichender Form, wie dies noch lange in den Schulbüchern der Fall war. "Die Brutalität des Ersten Weltkrieges übersteigt jegliches menschliches Fassungsvermögen", sagte Simmerns Stadtbürgermeister Andreas Nikolay im Simmerner Schloss. Museumsleiter Fritz Schellack umriss, worum es bei der Konzeption der Präsentation geht, die sich nach dem Aufruf unserer Zeitung ergeben hat (wir berichteten). Die Bevölkerung hat in unerwartet hoher Beteiligung Ausstellungsstücke beigesteuert, die im Simmerner Schloss nun präsentiert werden und noch bis Ende des Jahres zu sehen sind.

    Die Ausstellung lenkt ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Grausamkeit des Krieges. Mehr als 40 Leihgeber stellten unterschiedlichstes Material zur Verfügung, von der Feldpost bis zu Uniform. "Durch den Aufruf in der Rhein-Hunsrück-Zeitung ist eine riesige Ansammlung an Material auf uns zugekommen. Dabei ist das Thema so umfassend und komplex, dass es sich in einer Ausstellung gar nicht darstellen lässt", führte Fritz Schellack aus. Eins war allerdings sofort klar: Die Präsentation sollte keine Ansammlung von Militaria werden. Dafür gibt es in der Tat in Sammlerkreisen genügend Tummelplätze.

    "Wir haben versucht, das, was wir vor Ort bekommen haben, zu beschreiben. Tagebücher, Briefe, Kriegerdenkmäler." Schellack berichtete den Gästen, dass die Intensität der Inhalte aus Briefen von der Front ihn auch persönlich beeindruckt haben: "Wenn man das über drei bis vier Monate alles liest, geht das nicht spurlos an einem vorüber." Auch gerade deshalb sei ein Besuch der Ausstellung eigentlich ein Pflichtprogramm für Schulklassen, empfahl der Museumsleiter.

    Beispielhaft verlas Schellack zum Abschluss seiner Ausführungen einen Brief über einen gefallenen Soldaten, den die Kameraden an dessen Familie geschrieben hatten. Solche Dokumente finden sich viele in den Vitrinen im Schloss. Schellack schloss mit den Worten: "Es fällt mir schwer, zu sagen, hoffentlich haben Sie Freude an der Ausstellung. Sie macht eher nachdenklich."

    Kommentar von Thomas Torkler

    Wer geht schon freiwillig mit seinen Kindern in eine Ausstellung, die einen runterzieht? Wer nicht in irgendeiner Weise persönlich betroffen ist, den wird die Ausstellung im Simmerner Schloss  sicher weniger interessieren. Dabei ist auch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Lage nicht viel besser geworden. "Wir lernen kaum aus der Geschichte, außer dass man in Europa vielleicht heutzutage etwas besonnener reagiert und nicht gleich einen Krieg vom Zaun bricht", sagte Museumsleiter Fritz Schellack bei der Eröffnung der Präsentation.

    Doch vor 100 Jahren wurde der Kriegsbeginn in beispielloser Weise verherrlicht. Die "Helden", die in die Schlacht ziehen "durften", fanden sich schneller in der brutalen Realität wieder, als ihnen lieb sein konnte. Nach Hause wurden das traurige Schicksal der Soldaten als Heldentaten verherrlicht. Die Simmerner Ausstellung räumt mit diesem Märchen gründlich auf.

    Und das ist gut so. Denn wie sieht unsere Wahrnehmung heute aus? Die Welt schreckt erst auf, wenn ein ziviler Flieger vom Himmel geholt wird und zig unschuldige Tote zu beklagen sind, die auch noch aus Ländern kommen, in denen gar kein Krieg herrscht. Doch das Grauen dieser Opfer ist keinen Deut geringer als das der gefallenen Soldaten in der Ukraine, in Syrien, in Israel und im Gaza-Streifen. Dass es überall auf der Welt kracht, gehört zum Standard in der Tagesschau. Doch die militätischen Auseinandersetzungen sind für uns weit weg. Die Ausstellung in Simmern rückt das Grauen des Krieges wieder näher in unser Bewusstsein, und deswegen ist es unerlässlich, dass Schulklassen ihr einen Besuch abstatten. Bis Ende des Jahres ist noch Gelegenheit dazu.

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