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  • Waschbär: Raubtier macht sich breit im Kreis

    Rhein-Lahn. Ein Waschbär kommt selten allein - das gilt immer stärker auch für den Rhein-Lahn-Kreis. Im Jagdjahr 2015/2016 stieg die Anzahl der in Rheinland-Pfalz erlegten Waschbären im Vergleich zum Vorjahr um rund 27 Prozent. Dabei trat fast jedes Vierte der kleinen Raubtiere im Rhein-Lahn-Kreis auf.

    Kreisjagdmeister Rüdiger Klotz erklärt, warum die Region hier bei Waschbären so beliebt ist: "Die Lahn mit all ihren Zuflüssen stellt ein hervorragendes Biotop für die Waschbären dar. Feuchte Gebiete mag der Waschbär." Dazu komme die abwechslungsreiche Landwirtschaft im Kreis und der Weinbau.

    Klassischer Fehler: Futter für die Nachbarskatze ist gut gemeint, lockt aber auch ungebetene Gäste an. Der Waschbär ist ein Allesfresser und bedient sich gerne, wo er nur kann. Foto: Dagmar Schweickert
    Klassischer Fehler: Futter für die Nachbarskatze ist gut gemeint, lockt aber auch ungebetene Gäste an. Der Waschbär ist ein Allesfresser und bedient sich gerne, wo er nur kann.
    Foto: Dagmar Schweickert

    All das passt wunderbar zur bevorzugten Speisekarte des Waschbären. "Er liebt Früchte, Trockenfrüchte oder vergorenes Obst und fühlt sich auf den Streuobstwiesen hier wohl", so Klotz.

    Die Waschbären haben sich von den Trinkwasserreservoirs in Hessen aus verbreitet, die Population hat enorm expandiert. Die Waschbären sind sehr gesellige Tiere und meist in Rudeln unterwegs. Entsprechend schnell vermehren sie sich.

    Die Zahlen aus dem Rhein-Lahn-Kreis sind deutlich: In der Saison 2007/2008 wurden hier acht Waschbären gezählt, in der Saison 2013/14 bereits 26, 2014/2015 dann 67. Damit trat gut ein Viertel aller in Rheinland-Pfalz erlegten Waschbären im Rhein-Lahn-Kreis auf. Vor dem Jahr 2000, so vermutet Kreisjagdmeister Rüdiger Klotz, hat es im Rhein-Lahn-Kreis wohl keinen einzigen Waschbären gegeben, mittlerweile habe sich der Kreis jedoch zu einem Hauptverbreitungsgebiet des kleinen Raubtieres entwickelt.

    Der Kreisjagdmeister sieht die größte Chance, gegen die explosionsartige Vermehrung vorzugehen darin, die Tiere zu fangen, statt zu schießen. Die Waschbären seien nachts aktiv, die Jäger hätten kaum eine Chance, sie zu Gesicht zu bekommen.

    "Wir müssen Lebendfallen aufstellen, um sie zu fangen", so Klotz. Die kleinen Raubtiere seien dabei sehr fingerfertig: "Die sind so clever und geschickt, dass sie es manchmal sogar schaffen, die Fallen von innen zu entriegeln", berichtet er. Als Maßnahmen, um Waschbären erst gar nicht anzulocken, empfiehlt er, kein Futter für andere Tiere in der Nähe des Hauses zu deponieren: "Egal ob Futter für Igel, Katzen oder Vögel: Der Waschbär holt sich alles", so Klotz.

    Wichtig sei es auch, Mülltonnen zu sichern, indem man sie entweder abschließt oder von oben so beschwert, dass die Waschbären den Deckel nicht anheben können. "Ansonsten haben sie morgens plötzlich die Joghurtbecher fein säuberlich ausgeschleckt um die gelbe Tonne herum liegen", so seine Prognose.

    Über Erfahrungen mit einem Waschbären im eigenen Garten berichtet Curt Grunwald aus Diez: "Uns war im Garten Kot mit Kirschkernen aufgefallen, der keineswegs von unserem Kater stammen konnte. Eines Nachts schreckte meine Schwägerin, die zu Besuch war, wegen Geräuschen an den Rollläden auf. Da ist ein Waschbär über den Zaun gesprungen." Das Ehepaar hatte den klassischen Fehler gemacht, Vogelfutter an einem Baum zu deponieren. Außerdem befindet sich auf ihrem Grundstück ein Komposthaufen.

    Hat man doch einen Waschbären angelockt und bemerkt dies beispielsweise durch ausgeräumte Mülltonnen, sollte man auf jeden Fall den Jagdpächter informieren. "Der stellt eine Falle auf."

    Der Kreisjagdmeister warnt eindringlich davor, sich dem Waschbären zu nähern: "Man darf sich von seinem Äußeren nicht täuschen lassen: Das ist ein Raubtier, mit einem Raubtiergebiss und richtig scharfen Krallen. Fühlt er sich in die Enge gedrängt, greift er an."

    Klotz warnt vor der Entwicklung, wenn man die Waschbären jetzt nicht konsequent fängt und ihre weitere Verbreitung bekämpft: "Erst kam die Nilgans, jetzt der Waschbär und das Nächste wird der Marderhund sein." All diese Tiere würden sich hier ihre ökologische Nische erkämpften und heimische Tierarten, wie den Fuchs vertreiben. "Sie sind unglaublich anpassungsfähig, egal ob in der Stadt oder auf dem Land und fressen alles." Klotz unterstreicht nochmals, dass es wichtig sei, frühzeitig und konsequent gegen ihre Ausbreitung vorzugehen.

    Heiko Hornung, Chefredakteur der Fachzeitschrift Wild und Hund, ergänzt: "Wir haben in Obertiefenbach, dem Testrevier der Wild und Hund, in dem intensiv Fallenjagd betrieben wird, im Jagdjahr 2015/1016 zehn Waschbären gefangen. Diese Fangzahl ist nur wegen der Fallenjagd möglich. Die Verbreitung im Rhein-Lahn-Kreis dürfte weit größer sein. Die Europäische Union hat erst in diesem Jahr festgelegt, dass gewisse Neubürger, zu denen der Waschbär zählt, wegen seiner massiven Wirkung auf die heimische Fauna mit allen Mitteln an der Ausbreitung zu hindern sei."

    Dagmar Schweickert

    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

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