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  • Tierschutz: Norbert Lehmann fährt Taxi für Fellnasen

    Weilmünster. Viele ehrenamtliche Tierschützer kümmern sich liebevoll um vernachlässigte Kreaturen. Norbet Lehmann ist einer von ihnen.

    Fellnase an Bord: Norbert Lehmann bringt Hundedame Lorena von Düsseldorf nach Stuttgart.  Foto: Privat
    Fellnase an Bord: Norbert Lehmann bringt Hundedame Lorena von Düsseldorf nach Stuttgart.
    Foto: Privat

    Lorena schaut neugierig aus ihrer Box, während Norbert Lehmann konzentriert die Autobahn von Düsseldorf bis Stuttgart im Blick hat. Lorena ist eine mittelgroße Mischlingshündin aus Rumänien, die von Tierschützern von ihrem gefährlichen, für viele Hunde todbringenden Leben als Straßenhund gerettet wurde, und die sich jetzt auf dem Weg zu ihrer neuen Familie im Stuttgarter Raum befindet.

    Norbert Lehmann aus Wolfenhausen ist einer von 122 registrierten Fahrern der ehrenamtlich tätigen Gruppe "Fellnasentaxi". Diese Tierfreunde, die sich bundesweit über Facebook organisieren, haben es sich zur Aufgabe gemacht, in ihrer Freizeit zu helfen, dass Haustiere deutschlandweit - und manchmal auch weiter - transportiert werden. "Wir fahren gern Auto und lieben Tiere", erklärt Norbert Lehmann. "Und da viele Menschen in den einschlägigen Gruppen bei Facebook und anderswo liebend gern eine Fellnase in Pflege oder als Endplatz zu sich holen möchten, aber selbst kein Auto haben und auch nach längerem Suchen keine vollständige Fahrkette zusammenbekommen, helfen wir gern weiter." Und das ehrenamtlich. Bezahlt werden von den Auftraggebern lediglich die tatsächlichen Kosten, das sind rund 25 Cent pro Kilometer. In Härtefällen wird auch schon mal eine "Charity-Fahrt" organisiert, etwa als Beiladung oder auf einer ansonsten unbesetzten Rückfahrt.

    Geboren wurde Norbert Lehmann am 23. Juni 1964 in Darmstadt, und beruflich ist der gelernte Fernmeldehandwerker - "ich kenne gar nichts anderes als das Fernmeldewesen" - seit 1981 für die Telekom tätig: Sein Aufgabenbereich liegt im Testen von firmeninterner Software, die Arbeitsplätze befinden sich in Frankfurt und Darmstadt. 2013 fand er zusammen mit Lebensgefährtin Iris Simon in Wolfenhausen eine neue Heimat: Ein ehemaliges, umgebautes Sägewerk bietet nun auch zwei Hunden und fünf Katzen ein Zuhause. Allesamt Tiere aus dem Tierschutz oder einem Tierheim.

    Simon ist schon einige Jahre beim Fellnasentaxi als Administratorin tätig, Norbert Lehmann fährt seit 2015 beim Fellnasentaxi mit. Gegründet wurde die Vermittlungsplattform als "Zusammenschluss von tierschutzwilden Leuten", wie Norbert sagt, von Mirko Krug bei Kassel.

    Und inzwischen sind schon knapp 8000 Personen Mitglieder der Facebook-Gruppe Fellnasentaxi.de. Fünf Administratoren betreuen die Aktionen, bei denen gewisse Standards vorausgesetzt werden. So müssen die Fahrer beispielsweise sicher im Umgang mit Hunden, Katzen und anderen Tieren sein.

    Von den Auftraggebern wird erwartet, dass die Fahrgäste gesichert werden können: Bei Hunden werden ein passendes Geschirr und ein Halsband vorausgesetzt. Der Fahrer oder die Fahrerin muss Mitglied in einem Pannendienst sein. Norbert Lehmann darf mit amtlicher Bestätigung mehr als fünf Tiere in seinem Fahrzeug transportieren. Die meisten Fahrten übernimmt er in Deutschland, aber auch in Holland und Belgien war er schon unterwegs.

    Die Auftraggeber haben bei Facebook ihr Fahrtgesuch eingetragen, und wer in der Nähe ist und Zeit hat, meldet sich dann direkt. Manchmal holt Norbert Lehmann auch Tiere am Flughafen ab: Die neuen Besitzer sind dann schon im Tierpass eingetragen. Einen vermittelten Hund aus einem spanischen Tierheim beispielsweise hatte der künftige Besitzer freigekauft, das Tier war geimpft und konnte nach einer entsprechenden Wartezeit und einer Untersuchung durch einen Amtsveterinär dann mit einem Flugpaten oder mit einem speziellen, genehmigten Tiertransportfahrzeug ausreisen. "Und irgendwann kommt der Hund dann in Deutschland an. Oft auch nachts", erzählt der Fellnasentaxifahrer, "mir macht es nichts aus, meine Freizeit dafür zu opfern. Mein Lohn ist das gute Gefühl und Wissen, dem Tier geholfen zu haben, oft auch ihm sein Leben gerettet zu haben. "Es gehören allerdings Lehrgänge, Schulungen und Sachkundenachweise zu den Voraussetzungen, Tiere transportieren zu dürfen.

    Diese hat Norbert Lehmann bei der Kölner Hundeakademie erworben. Weiterhin galt es, beim Veterinäramt in Limburg die Zulassung als offizielles, nicht gewerbliches Tiertransportunternehmen zu erlangen sowie das Fahrzeug abnehmen zu lassen. "Es sind nicht unbedingt Tiere aus dem Ausland, die gefahren werden", spricht der Tierfreund weiter, "sondern es gibt alle möglichen Situationen, in denen ein Tier Hilfe braucht. Beispielsweise fand eine Frau einen jungen Marder, den ich zu einer Wildtierauffangstation brachte. "Eine der weitesten - eigentlich unnötigen - Fahrten war eine Reise nach Holland: Ein Hund war am Flughafen Düsseldorf angekommen, und man hatte vergessen, den Adoptanten die Ankunftszeit mitzuteilen. Eine andere Frau nahm das Tier mit nach Holland, wo Norbert Lehmann es abholte und nach Frankfurt brachte. Zu weiteren langen Fahrten gehört ein Transport von Saarbrücken nach Dresden. Und auch eine Überführung eines verstorbenen Tieres in ein Krematorium hat der Neu-Wolfenhäuser schon ausgeführt: "Es gibt auch Menschen, die möchten sich die Urne des geliebten Tieres auf den Kaminsims stellen." Und wenn Norbert Lehmann nicht arbeitet oder Fellnasen transportiert, dann packt er anderswo im Tierschutz mit an, beispielsweise hilft er bei Suchaktionen von entlaufenen Hunden.

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