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    Limburg/HerbornPolizistenmordprozess: Vom Angeklagten kommt kein Wort des Bedauerns

    Der Prozess um den gewaltsamen Tod eines Polizisten am Herborner Bahnhof nähert sich tatsächlich dem Ende – fast ein Jahr nach der Tat.

    Foto: picture alliance / dpa

    Der Angeklagte hat sein Schlusswort gesprochen, die Kammer den Termin für die Urteilsverkündung angesetzt. Nach einer schier endlosen Reihe von Beweisanträgen, nach drei Plädoyers der Staatsanwaltschaft wie der Nebenklage, zwei Plädoyers der Verteidigung, war am Montag die Aussage eines weiteren Zeugen erwartet worden. Und die Verlesung mehrerer Vernehmungsprotokolle von Zeugen, die bereits auch ausgesagt hatten.Beides hatte Verteidiger Torsten Fuchs am vorangegangenen Verhandlungstag gegen den 28-jährigen Dillenburger beantragt, der an Heiligabend 2015 in Herborn zwei Polizeibeamten mit einem Messer niedergestochen hat – einer der beiden starb noch am Tatort.

    Doch die Verlesung der Protokolle lehnte die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Andreas Janisch ab: Alle Zeugen seien umfassend vor Gericht gehört worden, hatten genügend Gelegenheit, sich einzulassen. Möglicher Erkenntnisgewinn: kaum vorhanden.

    Wohl aber hörte die Kammer den Mitarbeiter eines Dillenburger Sportvereins. Dort hatte der Angeklagte eine Bewährungsstrafe nach einer Verurteilung wegen Körperverletzung absolviert: 200 Sozialstunden. „Er hat die nicht vollständig gemacht“, sagte der Zeuge: Drei Mal sei der Angeklagte nicht zur Arbeit erschienen. Anrufe bei der Mutter hätten die stets gleiche Aussage erbracht: „Der ist gerade nach Hause gekommen. Der ist zu voll und liegt im Bett.“ Wegen dieser Unzuverlässigkeit habe der Verein nach gut 150 abgeleisteten Sozialstunden auf den weiteren Einsatz des Mannes verzichtet – selbst wenn er, einmal zum Dienst erschienen, seine Arbeit stets zuverlässig, ordentlich und ohne besonderen Betreuungsaufwand erledigt habe.

    Verteidiger Torsten Fuchs nahm diese Aussage zum Anlass, in seinem erneuten – dann: dritten – Plädoyer wieder auf die Unterbringung in einer Entzugsklinik zu drängen: Es gebe keine Verurteilung, der eine nachweisbar in nüchternem Zustand begangene Tat zugrunde liege. Vielmehr sei sein Mandant immer dann auffällig, wenn er getrunken hatte – so wie auch vor der Bluttat an Heiligabend. Dabei lehnte Fuchs sich auch an das psychiatrische Gutachten an. Darüber hinaus blieb der Rechtsanwalt bei seiner ursprünglichen Forderung: Freispruch. Sein Mandant habe in Notwehr gehandelt, weil er die beiden Polizeibeamten mit Rockern verwechselt haben will, von denen er einen Angriff gefürchtet habe.

    Oberstaatsanwalt Dominik Mies fasste sich kurz. Es gebe keine Änderungen zu seinen bisherigen Plädoyers – ergo: lebenslänglich. Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entzugsklinik sehe er weiterhin nicht. Nebenklagevertreter Jochen Hentschel schloss sich an.

    Und dann kam es in dem seit Juni andauernden Verfahren zu einer Premiere: Der Angeklagte gab erstmals mehr als einen Ein-Wort-Satz von sich. Spektakulär waren seine ihm wie jedem anderen Angeklagten zustehenden letzten Worte jedoch nicht: „Ich möchte mich meinem Verteidiger nur anschließen. Danke“, sagte er. Malte Glotz

    Das Urteil wird am Montag, 12. Dezember, ab 14 Uhr in Saal 129 des Limburger Landgerichts gesprochen.

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