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    Limburg/HerbornPolizistenmord: Zeugin belastet Angeklagten schwer

    Unter Tränen sagt die Schwangere: „Ich weiß, dass das eine wichtige Aussage ist.“ Möglicherweise ist es die Wichtigste im Prozess um den Tod eines Herborner Polizisten.

    Torsten Fuchs, Verteidiger des Angeklagten, verfolgt die Aussage einer Belastungszeugin besonders aufmerksam. (Foto: Linker)
    Torsten Fuchs, Verteidiger des Angeklagten, verfolgt die Aussage einer Belastungszeugin besonders aufmerksam. (
    Foto: Linker)

    Bereits am Montag hatte die Bewährungshelferin des Mannes von einer Begegnung in der vergangenen Woche berichtet, die Staatsanwaltschaft und Gericht hatte aufmerken lassen. Demnach habe eine andere Klientin wegen ihrer schwierigen Umstände ihr das Herz ausgeschüttet, dabei sei das Gespräch auch auf den im alten Dillkreis nicht unbekannten Angeklagten gekommen. Dieser habe, soll die Frau gesagt haben, bei einer Party schon davon gesprochen, dass er einmal einen Polizisten erstechen wolle.

    Am frühen Morgen des Heiligabends tat er dies auch: In einem Regionalzug stach er am Herborner Bahnhof auf zwei Beamte ein. Einer von ihnen überlebte den Angriff nicht. Der Angeklagte sprach in seiner vom Anwalt verlesenen Stellungnahme von einer Abwehrsituation – er habe sich verteidigen wollen.

    Gegensätzlicher könnten die Behauptungen von Angeklagtem und der Bekannten kaum sein. Die Zeugin wurde umgehend geladen. Am Mittwoch erschien die Schwangere vor Gericht. Sichtlich verängstigt, in Tränen aufgelöst, scheute sie die Aussage dennoch nicht. Sie schickte voran: „Ich will ihn eigentlich nicht belasten“, aber das müsse sie ja wohl. Sie schätze den Angeklagten, sie habe sogar vorgehabt, ihn in Gefangenschaft zu besuchen, „aber das geht ja jetzt wohl nicht mehr“, sagte sie. Schließlich erklärte sie noch: „Er ist ein lieber Kerl“, was im Zuschauerraum durchaus für Empörung sorgte. Tatsächlich hatten aber auch schon andere Zeugen berichtet: Der Angeklagte sei im persönlichen Umgang nett, freundlich, verbindlich – solange man ihm Respekt entgegenbringe.

    Mehrere Stunden wurde die 27-jährige Frau gehört, auch der Verteidiger Torsten Fuchs nahm sich die junge Frau lange vor. Zweifach musste die Aussage unterbrochen werden, auch aus Rücksicht auf das heranwachsende Kind. Je länger die Frau befragt wurde, desto gefasster antwortete sie.

    Sie habe, berichtete sie, den Angeklagten im Jahr 2014 wenige Tage nach dessen Haftentlassung kennengelernt. Gemeinsamer Bekannter: ihr Lebensgefährte, Vater ihrer Kinder. Die Männer kennen sich seit dem Grundschulalter, sie saßen auch schon gemeinsam ein. Die Gespräche während der kleinen Party seien unverbindlich gewesen, man habe über viele Dinge gesprochen – auch über das Leben hinter Gittern, das auch die junge Frau kennt. Man sei sich einig gewesen, dass Polizisten nicht zu den Freunden der Feiernden werden würden. In diesem Zusammenhang habe der Angeklagte gesagt, „dass er das nächste Mal zusticht, da wo die Beamten nicht geschützt sind“, wie sie tränenreich erläuterte. Auch eine von ihr im Saal wiederholte, entsprechende Handbewegung habe er gemacht.

    „Er war allerdings nicht ganz nüchtern“, ergänzte sie und betonte wiederholt: „Ich habe das nicht ernst genommen.“ Niemals habe sie sich eine solche Tat wirklich vorstellen können. Auch später habe der 27-Jährige noch einmal von diesem Vorhaben gesprochen, sagte sie. Allerdings konnte sie Details dazu nicht nennen: weder den genauen Wortlaut noch die Umstände, den Zeitpunkt, den Ort. Das war einer der vielen Ansatzpunkte für den Verteidiger Torsten Fuchs. Der fasste bei vielen Details noch einmal nach, machte sich Notizen zur Aussage der Zeugin. Aufs Glatteis führen ließ sich die werdende Mutter allerdings nicht.

    Und dennoch gewann Fuchs am Mittwochnachmittag noch einen Trumpf. Da war der Lebensgefährte der Frau geladen. Er reiste mit dem Gefangenentransport aus der Justizvollzugsanstalt Gießen an und gab sich überrascht, als er auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen musste: Er war davon ausgegangen, dass sein für diesen Tag am Dillenburger Amtsgericht angesetztes Verfahren nach Limburg verlegt worden sei. Stattdessen entdeckte er seinen alten Schulfreund auf der Anklagebank.

    Der Mann gab sich wenig auskunftsfreudig, begnügte sich mit Ein-Wort-Antworten. Weitgehend bestätigte er jedoch, was seine Verlobte gesagt hatte, insbesondere die äußeren Umstände des Kennenlernens, die Art des Umgangs miteinander. In der entscheidenden Frage aber weicht seine Erinnerung ab – beziehungsweise: Kann er sich nicht erinnern. Weder, ob der Angeklagte bei der kleinen Feier über eine geplante Messerstecherei sprach, noch ob seine Freundin mit ihm – wie sie gesagt hatte – darüber sprach.

    Verteidiger Torsten Fuchs bat das Gericht um Protokollierung dieser Aussage. Sollte sich nämlich, so erklärte er, die Aussage der schwangeren Zeugin im weiteren Verlauf des Prozesses als unwahr herausstellen, so sei dies eine Straftat.  Malte Glotz

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