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  • Limburg: Tierschutzverein steht vor der Insolvenz

    Limburg/Region. Das Tierheim im Staffeler Wald ist in einem desolaten Zustand. Dem Tierschutzverein gehen die Mittel aus.

    Als der Tierschutzverein Limburg-Weilburg nach langer Suche eines geeigneten Geländes im Jahr 2000 das ehemalige Bundeswehrdepot im Staffeler Wald bezog, waren alle Beteiligten erleichtert. Endlich war die qualvolle Enge auf dem alten Standort am Stephanshügel Vergangenheit. Das neue Areal bot im Sinne des Tierwohls ideale Möglichkeiten. Dort durften die Hunde so lange ungestört bellen, wie sie konnten. Inzwischen hat sich die anfängliche Freude in Sorge und Nöte gewandelt; denn die alten Gebäude des Bundes sind marode, und niemand weiß, wie Abhilfe geschaffen werden soll.

    Hartmut Grohmann, der langjährige Erste Vorsitzende des Vereins, und die geschäftsführende Tierheimleiterin Adelheid Noble sprechen von einem Millionenbetrag, wenn alle Mängel ordnungsgemäß beseitigt würden. Zwar ist das Tierheim für den ganzen Kreis zuständig, doch niemand weiß, wer das bezahlen soll. Von den Beiträgen der 400 Mitglieder und den 90 Cent, die jährlich von den Städten und Gemeinden - außer Löhnberg - je Einwohner entrichtet werden (davon gehen 7 Prozent Mehrwertsteuer an das Finanzamt), kann der Investitionsstau jedenfalls nicht behoben werden. Die Beiträge der Kommunen decken gerade mal 38 Prozent der laufenden Ausgaben.

    In der Mitgliederversammlung Anfang September berichtete Grohmann von einer prekären, ja bedrohlichen Kassenlage. Im Geschäftsjahr 2015 überstiegen die Mehrausgaben die Einnahmen um 66 602 Euro. Das Defizit habe gerade noch einmal aus Rücklagen gedeckt werden können, die nunmehr aufgebraucht seien. Grohmann mahnte: "Sollten die Zuschüsse der Kommunen für das Jahr 2017 nicht Anfang des Jahres überwiesen werden, sind wir nach über 60 Jahren des Bestehens gezwungen, Insolvenz anzumelden." Heimleiterin Noble stellte fest: "Wir sind so gut wie bankrott."

    300 000 Euro habe der Verein in den vergangenen 17 Jahren aus Eigenmitteln investiert. Ein Ende sei nicht in Sicht, da das ehemalige Bundeswehrdepot in einem völlig maroden Zustand übernommen worden sei. Allein für die Frischwasserzufuhr mussten 30 000 Euro, für Hundeausläufe und Fenster 11 000 Euro aufgebracht werden. Es folgten 25 600 Euro für eine neue Heizung, für den weiteren Ausbau von Zwingern 45 000 Euro. Der Katzenauslauf schlug mit 33 000 Euro zu Buche. Grohmann: "Wir haben noch nie einen Investitions- beziehungsweise Erhaltungszuschuss bekommen. Wir leben von der Hand in den Mund und fühlen uns im Stich gelassen." Ab Januar 2015 bereitet der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Arbeitsstunde dem Verein jährliche Mehrkosten von 17 000 Euro, die im nächsten Jahr steigen werden. Die Personalkosten in Höhe von 112 800 Euro plus Sozialabgaben von 66 600 Euro sind der höchste Ausgabeposten, gefolgt von den Tierarzthonoraren über insgesamt 133 000 Euro. Weit über 1000 Tiere werden im Limburger Tierheim aufgefangen, versorgt und wenn möglich vermittelt, Hunde und Katzen ebenso wie Kaninchen und Vögel bis hin zu Amphibien und Reptilien.

    Acht feste Gebäude, die aus der französischen Besatzungszeit stammen, befinden sich in der Zuständigkeit des Vereins, der laut Pachtvertrag vom 6. November 2000 mit der Stadt Limburg das Gelände zwar unentgeltlich nutzen darf, für alle Reparaturen, Sanierungen und Investitionen aber selbst aufkommen muss. Dass dieser Aufwand trotz ehrenamtlichen Einsatzes nicht erbracht werden kann, das haben Vorstand und Mitglieder im Laufe der Jahre erfahren. Für Heimleiterin Adelheid Noble sind viele Menschen sich nicht darüber bewusst, dass der Tierschutz nicht als Hobby verstanden werden kann. "Das Tierheim ist ein Dienstleistungsbetrieb, der nicht für Almosen zu haben ist. Für alle Tierarten müssen Experten bemüht werden, und viele Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Wenn nichts geschieht, stehen wir auf absehbare Zeit vor der Schließung und müssen einen neuen Standort suchen", redet die langjährige Leiterin den Verantwortlichen ins Gewissen.

    Das Dach des Personalgebäudes ist undicht. Mitarbeiter haben im Dachgeschoss mehrere große Wannen aufgestellt, damit sich die großflächigen braunen Wasserflecken in den Decken nicht weiter ausbreiten können. Dem stellvertretenden Heimleiter Christian Weimer bröckelt der Putz aus einem Loch in der Decke auf den Schreibtisch. Es bildet sich Schimmel. "Wo es tropft, wird notdürftig geflickt. Bei ganz starkem Regen laufen die Wannen über, dann müssen wir mit einer Leiter hochsteigen und sie leeren", erzählt Grohmann, der sich seit mehr als drei Jahrzehnten im Verein engagiert, davon 26 Jahre im Vorstand.

    Die asbesthaltigen Dachsteine wurden an mehreren Stellen notdürftig abgedichtet. Äste der Eichenbäume wiegen sich über dem Dach im Wind und sorgen für Moosbildung und Verwitterung. "Wir dürfen ja nichts entfernen", beklagt der Vorsitzende. Der hohe Waldbestand, der das Gelände umgibt, verhindert an vielen Stellen Sonnenbestrahlung. Die Gebäude sind weder gegen Feuchtigkeit isoliert noch gedämmt. In kalten Wintern halten sich Schnee und Eis lange. Dann kann das Tierheim oft nur mit Allradfahrzeugen angefahren werden.

    Zwei riesige undichte Stellen mit Schimmelbildung beeinträchtigen den Bestand des Katzenhauses, auch im alten Hundehaus regnet es durch. An diesen und weiteren Gebäuden steigt wegen fehlender Isolierung die Nässe vom Boden in die Wände. "Sämtliche Rohre der alten Bundeswehrheizung sind verrostet. Das Wasser läuft weg, wir müssen des Öfteren den Reparaturdienst rufen und behelfen uns mit Tanks. Wenn wir die Heizung im Büro anmachen, nehmen wir uns woanders die Wärme weg. Deshalb sitzen wir kalt", schildern Grohmann und Noble die Situation und betonen: "Für uns war es immer am wichtigsten, die Tiere zu versorgen."Dieter Fluck

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