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  • Jürgen Kirchberg: Seit 50 Jahren mit Leib und Seele Nikolaus

    Limburg. Der Bart ist echt, und wer es diesem Nikolaus nicht glaubt, der darf gern mal daran ziehen. Wie viele Kinder das schon ausprobiert haben, das weiß Jürgen Kirchberg nicht mehr, schließlich steht er jetzt ein halbes Jahrhundert als heiliger Nikolaus seinen Mann.

    Viele Städte wie Amsterdam und New York verehren den heiligen Nikolaus als ihren Patron. Ungezählte Kapellen und Kirchen wurden ihm geweiht, so auch der Limburger Dom, dessen zweiter Schutzheiliger neben dem Drachentöter Georg der Nikolaus ist und dort am Fuße einer mächtigen Säule verewigt ist. Jürgen Kirchberg hat sein Vorbild dort besucht.
    Viele Städte wie Amsterdam und New York verehren den heiligen Nikolaus als ihren Patron. Ungezählte Kapellen und Kirchen wurden ihm geweiht, so auch der Limburger Dom, dessen zweiter Schutzheiliger neben dem Drachentöter Georg der Nikolaus ist und dort am Fuße einer mächtigen Säule verewigt ist. Jürgen Kirchberg hat sein Vorbild dort besucht.
    Foto: privat

    Der in Elz lebende Limburger ist der dienstälteste aktive Nikolaus in der Region. In diesen Tagen ist er wieder unterwegs, um mit seinem Besuch zahlreiche Familien und Vereine zu erfreuen, kleine und große Kinder bei Jahrgangs- und Betriebsfeiern zu überraschen.

    Damit hatte eine Gruppe aus dem Kindergarten Hintermeilingen nicht gerechnet. Als die Kleinen nach der Krippenausstellung im Diözesanmuseum dem Dom einen Besuch abstatteten, trafen sie auf den Nikolaus alias Jürgen Kirchberg. Der überraschte die Kinder, indem er ihnen ein Gedicht vortrug und mit ihnen ein Nikolauslied sang.  Fotos: Dieter Fluck
    Damit hatte eine Gruppe aus dem Kindergarten Hintermeilingen nicht gerechnet. Als die Kleinen nach der Krippenausstellung im Diözesanmuseum dem Dom einen Besuch abstatteten, trafen sie auf den Nikolaus alias Jürgen Kirchberg. Der überraschte die Kinder, indem er ihnen ein Gedicht vortrug und mit ihnen ein Nikolauslied sang. Fotos: Dieter Fluck
    Foto: privat

    Jürgen Kirchberg war lange Jahre im Justizvollzugsdienst, doch hätte er als Zweitberuf gut und gerne "Nikolaus" angeben können. Wer es 50 Jahre schafft, Tage und Wochen von Haus zu Haus zu gehen, um die Botschaft vom guten Bischof Nikolaus weiterzutragen, ist von einer besonderen Mission beseelt. Damit steht er in der Tradition des Vereins "Nikolaus e.V.", der sich seit dem vergangenen Jahrhundert den guten Werken des populären Heiligen verschrieben hat.

    Kirchberg hat nichts mit dem alten Opa gemein, der mit angeklebtem schneeweißen Bart, roter Zipfelmütze und rotem Wams mit einem Gabensack auf dem Rücken und einer Rute in der Hand auf Straßen und in Kaufhäusern werbewirksam herumschlurft. Kirchberg bringt bei seinen Auftritten mit Mitra, Stab und Chormantel immer eine frohe Botschaft mit und erinnert an sein authentisches Vorbild, den heiligen Nikolaus von Myra, der als Nothelfer, Gabenbringer, Patron der Armen und Schutzlosen in die Geschichte eingegangen ist. Myra, ein kleiner Ort in der Türkei, heißt heute Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich vom Urlaubsort Antalya entfernt. Als der damalige Limburger Stadtpfarrer Adolf Reith Mitte der 1960er-Jahre die Nikolaus-Aktion mit der katholischen Jugend aus der Taufe hob, war Jürgen Kirchberg noch als Knecht Ruprecht unterwegs. Von diesem raubeinigen Gesellen will er heute nichts mehr wissen. Dennoch: "Wir hatten bei unseren Auftritten im ersten Jahr so viel Geld gesammelt, dass wir der Lebenshilfe eine Waschmaschine kaufen konnten", erinnert sich der heute 65-Jährige. Damals hieß die Lebenshilfe noch "Beschützende Werkstatt" und bestand aus einer Baracke, die auf dem Marktplatz - dem heutigen Areal der Feuerwehr - stand.

    "Wir waren vier bis fünf Leute und hatten unsere Wege noch zu Fuß zurückgelegt", erzählt der Senior. Als die Aktion mit den Jahren bekannter wurde und die Spenden für die Leberecht-Aktion zugunsten behinderter Kinder gesammelt wurden, ging ohne Büro und Fahrzeuge gar nichts mehr, "und schließlich mussten wir einen gemeinnützigen Verein mit Satzung gründen, um dem Finanzamt Rechenschaft ablegen zu können". Mit dem gesammelten Geld kauft der Verein bis heute sinnvolle Spielsachen und Lernhilfen für kranke und behinderte Kinder und solche, die motorisch gefördert werden müssen. Die betreffenden Institutionen melden jährlich ihren Bedarf an. Allein in den vergangenen zehn Jahren landeten dafür 60 000 Euro im Sack.

    "Das Verständnis um den Nikolausbrauch hat sich in 50 Jahren sehr gewandelt", hat der "heilige Mann" beobachtet. "Wurden wir früher auch gerufen, um Erziehungsdefizite wettzumachen, indem wir unfolgsamen Kindern im Auftrag der Eltern die Leviten lesen sollten, kommen und gehen wir heute als Freund", sagt Kirchberg und fügt hinzu: "Wir können in 20 Minuten nicht aufarbeiten, was jahrelang versäumt wurde." Wenn Kirchberg sagt: "Es gibt nur gute Kinder und solche, die noch besser werden können", dann spricht er aus reicher Erfahrung. Schließlich hat seine Familie in mehr als drei Jahrzehnten im Auftrag des Kreisjugendamtes mehr als 50 Pflegekindern eine vorübergehende Heimat gegeben.

    Jürgen Kirchberg hat für den Limburger Nikolausverein selbst jahrelang die pädagogische Schulung der Vereinsnikoläuse geleitet, die in diesen Tagen ausschwärmen. In der laufenden Saison sind es zwischen 60 und 80 Ehrenamtliche, die sich mit oder ohne Gewand für die gute Sache engagieren. Heute werde er nicht mehr von einem Knecht Ruprecht begleitet, sondern von einem Engel in weißem Gewand. "Das ist der Helfer des Nikolaus", sagt Kirchberg. Diese schöne Rolle haben jahrelang auch seine Pflegekinder gespielt.

    Der Nikolaus hat festgestellt, dass heute nicht selten in den Familien wieder drei Generationen am Tisch zusammensitzen. "Das war lange nicht mehr so gewesen", sagt er. Auch die Geschenkkultur habe sich gewandelt. "In den 80er- und 90er-Jahren habe ich gedacht: Was wollen die Eltern ihren Kindern erst an Weihnachten schenken?" Inzwischen seien die Geschenke wieder kleiner geworden, und auch der Nikolaus bekomme hier und da etwas Gebasteltes verehrt. Bei Kirchberg dürfen auch Eltern mal ein Gedicht aufsagen oder es wird gemeinsam ein Nikolauslied gesungen.

    Der Radius des Nikolausvereins reicht weit über Limburg hinaus: von Westerburg bis Idstein, von der unteren Lahn in die Oberlahnregion. Dabei hat Jürgen Kirchberg viele alte, treue "Kunden", die er Jahr für Jahr wiedersieht. In einigen Familien beschert er inzwischen die Kinder der Kinder von einst. Gern erzählt der Nikolaus von einer Familie in Beselich-Obertiefenbach, in der er viele Jahre vier Generationen bescherte. "Dann musste ich mein Gewand ablegen und bei Hausmacher Wurst mit zu Abend essen."

    Eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern wollte den Nikolaus bestellen, sie könne ihm aber nichts für arme Kinder mitgeben, berichtet Kirchberg. "Das hat mich besonders angesprochen; denen habe ich ein paar Süßigkeiten mitgebracht", fuhr er fort: "… denn wenn ich strahlende Kinderaugen sehe, dann macht mich das glücklich", sagt er, der sein Ehrenamt mit Leib und Seele lebt. Dieter Fluck

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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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