40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Diez
  • » Handys ins Gefängnis geschmuggelt: Haft für JVA-Beamten?
  • Handys ins Gefängnis geschmuggelt: Haft für JVA-Beamten?

    Diez. Prozess um den Handy- und Drogenskandal im Schwerbrecher-Gefängnis: Ein Beamter (49) der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Diez soll einen Gewohnheitskriminellen (45) in der Sicherungsverwahrung illegal mit Mobiltelefonen und Drogen versorgt haben - und so die Anstalt in Gefahr gebracht haben. 

    Das Schwerverbrecher-Gefängnis in Diez: Vor dem Schöffengericht der Stadt im Rhein-Lahn-Kreis steht jetzt ein Beamter (49) der Justizvollzugsanstalt, weil er Handys und Drogen in das Gebäude der Sicherungsverwahrung geschmuggelt haben soll. Der Mann wurde bereits aus dem Dienst entfernt.
    Das Schwerverbrecher-Gefängnis in Diez: Vor dem Schöffengericht der Stadt im Rhein-Lahn-Kreis steht jetzt ein Beamter (49) der Justizvollzugsanstalt, weil er Handys und Drogen in das Gebäude der Sicherungsverwahrung geschmuggelt haben soll. Der Mann wurde bereits aus dem Dienst entfernt.
    Foto: picture alliance

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Sein krimineller "Kunde" soll hinter Gittern mit der gelieferten Ware gehandelt haben - und Mitglied einer fünfköpfigen Bande gewesen sein.

    Jetzt steht der JVA-Beamte wegen Bestechlichkeit vor dem Schöffengericht in Diez. Dem Justizvollzugshauptsekretär, der seinen Dienst laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz (Az.: 5 K 560/15.KO) nicht mehr ausüben darf, droht bei einer Verurteilung sogar eine Gefängnisstrafe. Am ersten Prozesstag hat er ein Teilgeständnis abgelegt.

    Kaum zu glauben: Der Mann ist verheiratet, hat Kinder - und arbeitete gut 15 Jahre ohne Beanstandungen in der JVA Diez. Trotzdem verstieß er laut der Staatsanwaltschaft für rund 350 Euro und einen Blu-Ray-Spieler gegen zentrale Dienstpflichten, belieferte den Gewohnheitskriminellen mit mindestens acht Handys sowie einer unbekannten Menge Drogen - Speed, Ecstasy und illegale Kräuter. Laut Anklage überbrachte er zwischen Dezember 2014 und März 2015 zwei Lieferungen, kurz vor der dritten wurde er festgenommen. Die Drogen sollen in Teebeuteln oder einem Latexhandschuh versteckt gewesen sein.

    Der JVA-Beamte erklärte vor Gericht: Ja, er schmuggelte Handys in einer Keksdose ins Gefängnis - aber höchstens sechs Stück. Nein, er lieferte nicht drei-, sondern nur einmal und erhielt keine Gegenleistung. Handys sind im Gefängnis verboten. Denn Häftlinge können damit Straftaten veranlassen, Ausbruchsversuche organisieren oder "Mauerwerfer" lenken, damit diese Drogen oder Waffen auf das Gelände werfen.

    Der JVA-Beamte bestritt im Prozess, dass er den Kriminellen mit Drogen belieferte. Dies kam überraschend. Denn er hatte 2015, kurz nach seiner zwischenzeitlichen Inhaftierung, zu Protokoll gegeben: Bei einem "Paket war auch noch ein Handschuh, der mit etwas gefüllt war. Ich ging davon aus, dass es sich um Drogen handelt."

    Sein Anwalt erklärte zu diesem Widerspruch, der Angeklagte sei durch seine zwischenzeitliche Inhaftierung durcheinander gewesen und habe legale Kräuter fälschlicherweise für illegale gehalten.

    Der Angeklagte will den Schwerverbrecher nur aus Nächstenliebe beliefert haben - ohne Gegenleistung. Seine Erklärung: Er ging davon aus, dass der Kriminelle mit dem Handy nur seine Tochter anrufen will. Er habe ihm vertraut, sich von ihm zu einer Handylieferung überreden lassen. Weil er ihn seit 15 Jahren kannte, viele private Gespräche mit ihm führte. Und weil er damals in einer Ausnahmesituation war. Er litt an einer "depressiven Phase" - und seine Frau erfuhr, dass sie Krebs hat.

    Der Kriminelle räumte im Prozess ein, dass er "den emotionalen Zustand" des JVA-Beamten "ein bisschen ausnutzte". Er bestätigte, dass er ihm kein Geld zahlte, keinen Blu-Ray-Spieler schenkte und keine Drogen von ihm erhielt. Kurios: Er sagte, in dem Handschuh waren überhaupt keine Kräuter, sondern 70 Handy-SIM-Karten. Er und die weiteren Mitglieder seiner mutmaßlichen Bande stehen bald vor dem Landgericht Koblenz. Wann, ist noch unklar.

    Der JVA-Beamte wurde Anfang 2015 von Ermittlern des Landeskriminalamtes überwacht. Sie machen ihm weitere Vorwürfe: Er soll den Kriminellen vor einer Zellendurchsuchung gewarnt und ihn bei einem Ausgang mehrfach aus den Augen verloren haben. Der Prozess geht am 21. Januar weiter.

    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Mittwoch

    15°C - 29°C
    Donnerstag

    14°C - 27°C
    Freitag

    14°C - 28°C
    Samstag

    15°C - 28°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige
    Rhein-Lahn-Zeitung.de bei Facebook