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  • Geburt: Zóe erblickt das Licht der Welt zu Hause

    Merenberg. Noch vor 50 Jahren war es - zumindest in den ländlichen Regionen - normal, Babys unter Begleitung einer versierten Hebamme in den eigenen vier Wänden zu gebären. Die Zeiten haben sich geändert. Denise Nonnweiler aus Merenberg gehört zu den Ausnahmen.

    Hebamme Maren Oesterling (Mitte) kommt nach der Geburt von Zóe zur regelmäßigen Nachsorge und hilft auch den Eltern Denise und Marcel Nonnweiler bei Fragen zur Säuglingspflege.  Foto: Kerstin Kaminsky
    Hebamme Maren Oesterling (Mitte) kommt nach der Geburt von Zóe zur regelmäßigen Nachsorge und hilft auch den Eltern Denise und Marcel Nonnweiler bei Fragen zur Säuglingspflege.
    Foto: Kerstin Kaminsky

    Inzwischen sind es nur noch wenige Müttern, die sich für diesen Weg oder die Entbindung in einem Geburtshaus entscheiden. So auch Denise Nonnweiler, deren Tochter Zóe Ende Oktober per Hausgeburt das Licht der Welt erblickte. "Für mich stand außer Frage, auch unser drittes Kind in vertrauter heimischer Atmosphäre zu entbinden", sagt die 33-Jährige, und auch Papa Marcel musste nicht erst überzeugt werden. Das Paar kennt den Unterschied: Sein erstgeborenes Töchterchen Mia (8) wurde in der Klinik entbunden, Stammhalter Fynn (5) war bereits eine Hausgeburt. Damals wohnte die Familie berufsbedingt in der Oberpfalz.

    "In den entscheidenden Stunden während Mias Geburt wechselte seinerzeit die verantwortliche Hebamme. Da war für mich schlimm, ich fühlte mich hilflos und allein gelassen", erinnert sich die junge Mutter. Ganz anders war es bei Fynn, denn das Vertrauensverhältnis zur Hebamme konnte über Monate in der Geburtsvorbereitung wachsen.

    Nun, bei der dritten Schwangerschaft, lebte die Familie wieder in Merenberg. "Schon im ersten Trimester haben wir uns der Hebamme Maren Oesterling vorgestellt, die dann auch in regelmäßigen Untersuchungsterminen das Gedeihen des Ungeborenen beobachtete. "Drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Termin bin ich in Rufbereitschaft", erklärt die Geburtshelferin. "Bei der kleinen Zóe erhielt ich abends kurz vor sieben den Anruf und war eine Dreiviertelstunde später hier."

    Ohne jede Komplikation kam das Baby um kurz nach 23 Uhr auf die Welt. Gut eine Stunde habe die Endphase gedauert, erklärt die Hebamme, und in dieser Zeit brauche die Gebärende tatsächlich eine kompetente und vertraute Person.

    Unmittelbar nach der Geburt darf das Baby sich auf Mamas Brust von den Strapazen erholen und solange beide es mögen die erste Verbindung außerhalb des Körpers genießen.

    In den darauffolgenden Tagen kommt die Hebamme täglich zur Kontrolle und zur Unterstützung der Mutter, zum Beispiel mit Tipps zur Säuglingspflege oder zum Stillen. "Insgesamt hat die Wöchnerin Anrecht auf eine zwölfwöchige Nachsorge, aber da richte ich mich individuell nach dem Wunsch der Frau", erklärt Maren Oesterling.

    Rund 20 Hausgeburten pro Jahr begleitet die erfahrene Hebamme. 1998 schloss sie ihre Ausbildung ab. Im Jahr 2002 begann sie mit der außerklinischen Geburtshilfe. Auch im Weilburger Geburtshaus war Maren Oesterling vier Jahre lang als freie Mitarbeiterin tätig, doch seit Anfang 2013 gibt es in der Residenzstadt keine Geburtshilfe mehr. "Das ist eine wirklich schwierige Situation", beklagt die Hebamme. "Sollte es bei der Hausgeburt zu Komplikationen kommen, dann ist zwar der Rettungswagen in wenigen Minuten vor Ort, aber bis zur Ankunft auf den Geburtsstationen in Limburg, Wetzlar oder Ehringshausen kann wertvolle Zeit verstreichen."

    "Egal, wem ich erzählt hatte, dass meine Frau wieder zu Hause entbinden möchte, ich bekam die gleiche Reaktion: Ach Du lieber Gott. Ihr seid aber mutig", erzählt Vater Marcel. Das habe ihn aber nicht beeinflussen können. Und heute sagt Denise Nonnweiler: "Das war die schönste Entbindung, die ich je hatte!" Bei Fynn sei alles "hoppla hopp" gegangen, aber jetzt bei Zóe sei es ruhiger gewesen, und sie habe sich nicht so überfordert gefühlt.

    "Ich möchte die Frau weitestgehend ihre Entscheidungen selber treffen lassen, zum Beispiel, ob sie liegend oder lieber in einer anderen Position gebären möchte", erklärt die Hebamme. Selbst eine Wassergeburt könne zu Hause erfolgen, dafür bringe sie rechtzeitig zuvor einen Geburtspool in die Familie. Nach Informationen des Deutschen Hebammenverbandes gab es im vergangenen Jahr in ganz Deutschland nur 4134 Hausgeburten. "Kein Wunder", findet Maren Oesterling. "Das ist nämlich auch eine Kostenfrage. Die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen mit Hausgeburt kostet 6800 Euro pro Jahr - ohne sind es lediglich 500." Kerstin Kaminsky

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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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