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    Herborn/LimburgAnklage wegen Polizistenmordes

    Der an Heiligabend am Herborner Bahnhof getötete Polizist hat vermutlich mit seiner letzten Diensthandlung, dem Abfeuern von zwei Schüssen, seinem Kollegen das Leben gerettet. Das geht aus der Anklage der Staatsanwaltschaft hervor.

    Polizisten stehen am 24. Dezember in Herborn auf einem abgesperrten Bahnsteig. Am Morgen war dort bei einer Messerattacke ein 46 Jahre alter Polizist getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden schwer verletzt.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
    Polizisten stehen am 24. Dezember in Herborn auf einem abgesperrten Bahnsteig. Am Morgen war dort bei einer Messerattacke ein 46 Jahre alter Polizist getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden schwer verletzt.
    Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

    Von Jörgen Linker

    Zwei Monate nach der Tat an Heiligabend hat der Wetzlarer Staatsanwalt Dominik Mies Anklage gegen einen 27-jährigen Dillenburger wegen Mordes, versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erhoben. Mord wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe geahndet. Nach 15 Jahren kann eine erste Prüfung erfolgen, ob ein Verurteilter freigelassen wird. Für den Staatsanwalt kommt in diesem Fall allerdings auch eine anschließende Unterbringung des Beschuldigten in einer Sicherungsverwahrung in Betracht. Sicherungsverwahrung heißt: Zum Schutz der Allgemeinheit werden gefährliche Straftäter "verwahrt". Diese Gefährlichkeit wird dann in regelmäßigen Abständen geprüft.

    Der Dillenburger war bereits mehrfach wegen Körperverletzungen verurteilt worden und saß auch schon vier Mal im Gefängnis. Staatsanwalt Mies reichte die 72-seitige Anklageschrift in dieser Woche beim Landgericht Limburg ein. Die Prozesstermine stehen aber noch nicht fest.

    Für den Staatsanwalt stellt sich der Sachverhalt an Heiligabend am Herborner Bahnhof so dar: "Gegen 7 Uhr wurden zwei Polizisten der Polizeistation Herborn zu einem Routineeinsatz am Bahnhof gerufen." Der Zugbegleiter eines Regionalexpresses habe die Polizei um Unterstützung gebeten, da ein Fahrgast kein Ticket vorweisen konnte und sich geweigert habe, seine Personalien zu nennen.

    Nachdem der 46-jährige Polizist den Zug betrat, habe der 27-jährige Dillenburger ihn sofort weggestoßen, ein Messer gezogen und mehrfach in Schulter und Hals seines Opfers gestochen. Auf den zu Hilfe eilenden 47-jährigen Kollegen des Beamten habe der Dillenburger ebenfalls sofort eingestochen und ihn an Oberkörper und Oberarm getroffen.

    Mies weiter: "Die beiden Polizisten kämpften um ihr Leben. Letztlich schaffte es der 46-Jährige, zwei Schüsse aus seiner Dienstpistole auf den Angreifer abzugeben und stoppte so weitere - vermutlich tödliche - Messerangriffe des Dillenburgers in Richtung seines 47-jährigen Kollegen. Er könnte ihm dadurch das Leben gerettet haben." Von den zwei Kugeln getroffen, sei der Messerstecher zusammengebrochen. Der 46-jährige Polizist starb noch auf dem Bahnsteig. Sein Kollege kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

    Die Anklageschrift wurde dem beschuldigten Dillenburger am Freitag zugestellt. Er sitzt seit der Tat in der Justizvollzugsanstalt Kassel in Untersuchungshaft und war dort in einem Krankenhaus zunächst wegen der Schussverletzungen behandelt worden.

    Der vom Staatsanwalt dargestellte Sachverhalt ergibt sich vor allem durch Videoaufzeichnungen. Überwachungskameras im Zug hatten die Tat aufgenommen. Darüber hinaus hatten Zeugen - Zugreisende, Zugbegleiter und der überlebende Polizist - den Tathergang geschildert.

    Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer Tötung, sondern von einem Mord aus. "Denn es lag eine Verdeckungsabsicht vor", erklärte Mies auf Anfrage dieser Zeitung. Der Dillenburger habe getötet, um eine andere Straftat zu verdecken. Er habe gewusst, dass er wegen einer anderen Straftat (Körperverletzung) noch unter Bewährung stand und dass er durch das Erschleichen einer Beförderungsleistung (er hatte kein Zugticket gekauft) Ärger bekommen könnte.

    Der Dillenburger war zur Tatzeit betrunken, eine Messung ergab etwas über 1 Promille Alkohol im Blut. Dazu stellt der Staatsanwalt fest: "Es gibt aber keine Anhaltspunkte, dass er schuldunfähig war."

    Die Ermittlungen hatte das hessische Landeskriminalamt (LKA) übernommen, nicht die Kripo der Polizeidirektion Lahn-Dill - da diese von der Tat direkt betroffen war. Der Staatsanwalt spricht von "einer hervorragenden Ermittlungsarbeit der LKA-Beamten". Das sei ein Grund, warum die Anklage schon nach zwei Monaten stand. Ein weiterer Grund: Der Staatsanwalt will Zeichen setzen und zeigen, dass hier die Strafe auf den Fuß folgt. "Gewalt gegen Polizisten - egal ob körperlich oder verbal - wird konsequent verfolgt", sagt Mies. Natürlich würden Taten gegen alle Menschen konsequent verfolgt, aber Polizeibeamte seien durch ihre Arbeit einem ganz anderen Risiko ausgesetzt. Deswegen müsse klar gemacht werden, dass der Staat hier mit aller Konsequenz vorgehe, um die Rechtsordnung zu schützen. Das hat der Staatsanwalt auch schon bei weiteren Taten im Zusammenhang mit dem Messerangriff auf den Polizisten klargemacht:

    Einen 33-Jährigen aus Mainz hat er bereits wegen Beleidigung und Verunglimpfen des Andenkens Verstorbener angeklagt; er soll noch an Heiligabend auf einer Internetplattform den getöteten Polizisten verhöhnt haben.

    Zwei Dillenburger, die am Herborner Bahnhof randaliert und danach Polizisten attackiert hatten, hat er auch schon angeklagt; einer der Beschuldigten habe zu den Polizisten gesagt: "Wollt Ihr das Gleiche noch mal haben?"

    Ebenfalls angeklagt hat er einen 38-Jährigen, der Anfang Februar in Wetzlar zu zwei Polizisten gerufen haben soll: "Das, was in Herborn passiert ist, war geil. Das müsste öfter passieren."

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