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    Kreis AhrweilerTatort Internet: Betrüger buchen ab

    Wolfgang Arends aus Ahrweiler traute seinen Augen nicht, als er auf seinem Konto unerklärliche Abbuchungen entdeckte. Er war zum Opfer von Internetbetrügern geworden und wandte sich an die Polizei.

    Hauptkommissar Wilfried Manheller
    Hauptkommissar Wilfried Manheller
    Foto: vollrath

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

    Bankkunden sollten in heutigen Zeiten ein besonderes Augenmerk auf ihre Kontobewegungen haben. Im Kreis Ahrweiler ist jetzt der erste Fall eines Internetbetruges der niederländischen Firma Adyen Client Management Foundation Stichting bekannt geworden, die bereits seit vier Jahren aktiv ist und gegen die in der Region Hannover schon Hunderte Anzeigen vorliegen. Adyen Client Management Foundation Stichting organisiert unter anderem den Zahlungsverkehr bei Interneteinkäufen.

    Wolfgang Arends aus Ahrweiler staunte nicht schlecht, als er kürzlich auf sein Konto schaute und feststellte: Die Firma hatte ihm den Betrag von 20,87 Euro abgezogen. Sofort ließ er bei seiner Bank den Betrag zurückbuchen, da er keinerlei Verbindung zu dem Unternehmen hatte. Am Tag darauf hob die genannte Firma erneut einen Betrag von rund 58 Euro ab. Erneut reagierte Arends sofort und ließ den Betrag zurückbuchen. Der Diplom-Psychologe wandte sich an die Polizeiinspektion von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo er den Fall zur Anzeige brachte. Dort erklärte man ihm Erstaunliches.

    Wenn er den jeweiligen Betrag innerhalb von 13 Monaten zurückbuchen würde, sei ihm rein rechtlich kein Schaden entstanden, da es sich dann um eine fiktive Lastschrift handele. "Aber was ist, wenn jemand sein Konto nicht genau im Auge behält - vielleicht ältere Menschen oder gestresste Familienväter, die sich vielleicht denken, eines ihrer Kinder hätte etwas bei Amazon bestellt?", fragt sich Arends. Adyen Clients Masche ist es, nur kleinere Beträge abzuheben. Die Behörden in den Niederlanden werden erst ab einer Schadenssumme über 6000 Euro aktiv. Der verwaltungstechnische Aufwand wäre sonst zu hoch.

    Die Polizei rät hierzu Folgendes: Das eigene Konto genau im Auge behalten. Kommt es zu einer solchen Abhebung durch diese Firma, den jeweiligen Betrag sofort zurückbuchen. Und zwar so lange, bis Adyen Client es aufgibt. Denn: Jede Rückbuchung kostet das Unternehmen im Endeffekt eine Gebühr von 7,80 Euro. Allerdings: Es ist durchaus möglich, dass diese Firma die Kontodaten an andere Unternehmen weiterverkauft, die dann höhere Beträge abheben. Arends wird als nächstes seinen Überziehungskredit reduzieren. Hier rät die Polizei allerdings vorsorglich dazu, sich eine andere Kontonummer zuzulegen.

    "Aber all das ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Ich muss Arbeitgebern, Kranken-, Renten- und anderen Versicherungen oder dem Stromlieferanten dies mitteilen", ärgert sich Arends. Zudem fragt er sich, wie Adyen Client überhaupt an seine Daten gekommen ist. Der Psychologe gehört zu den Menschen, die nur ganz wenigen ihre Kontonummer mitteilen. "Irgendjemand hat den Code geknackt - bei wem, das weiß ich nicht", sagt er. Arends macht kein online-banking und zahlt prinzipiell nicht mit Karte. Einmal hat er bei Amazon etwas bestellt. Und kürzlich war er in Holland, doch auch da habe er nur bar bezahlt. Die Gläubigerbank der Betrugsfirma hat im Übrigen folgende IBAN-Adresse laut Arends Kontoauszug: NL 48 ZZZ 3427 64 50 000.

    Christian Gollner, Referent für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: "Unserer Kenntnis nach ist das Unternehmen Adyen Client Management ein Zahlungsdienstleister. Darüber können zum Beispiel Online-Shops Lastschriften auslösen." Betrügerisch erfolgte Abbuchungen könnten bis zu 13 Monate nachträglich über die Hausbank zurückgenommen werden. Voraussetzung dafür aber ist, dass das begünstigte Konto noch besteht und eine entsprechende Deckung aufweist. Betroffene sollten deswegen so schnell wie möglich reagieren und das Geld zurückholen.

    Erster Kriminalhauptkommissar Wilfried Manheller, Stellvertretender Dienststellen-Leiter der Polizeiinspektion Bad Neuenahr-Ahrweiler, weiß um das riesige Feld Internetbetrug und die beschränkten Möglichkeiten der Bekämpfung: "Internet-Betrügereien kommen permanent vor. Das ist besonders ärgerlich für den Betroffenen, wenn sich eine solche Firma auf ihn eingeschossen hat. Meistens wird zuerst versucht, einen kleinen Betrag abzuheben. Wenn das funktioniert, werden die Summen in der Regel größer, die auf dem Konto fehlen."

    Betrugs-Firmen können im Grunde viele sensible Daten wie Kontonummern oder Visa-Karten-Nummern im Internet anonym erwerben. Manheller erinnert sich an einen Fall, bei dem der Täter für jeweils 50 Euro die Daten einer Visa-Karte und die Daten einer Packstationsnummer bezahlt hat. "Man muss nur wissen, auf welche Seite man zu gehen hat. Bezahlt werden die Daten, indem man Cashkarten zum Beispiel Amazon-Gutscheinkarten oder ähnliches etwa an einer Tankstelle oder sonst wo erwirbt und die Codes an den Verkäufer weiterleitet. Dies alles vollzieht sich völlig anonym und lässt sich für die Polizei auch nachher nicht mehr nachvollziehen." Meistens sitzen diese Firmen im Ausland. Wenn die Polizei da ein Rechtshilfeersuchen stellt, ist das eigentlich immer aussichtslos, weil die Behörden überlastet sind oder der Aufwand zu groß ist.

    Informationen zu den Fristen finden Verbraucher auf der Internetseite der Bundesbank unter www.bundesbank.de

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