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    Bad BreisigRheinRuhe: Revierförster in besonderer Mission

    Dass es einmal zu seinen Aufgaben gehören würde, als Bestatter zu fungieren, hätte sich Förster Bernd Hoffmann früher nicht im Traum vorstellen können. Als im Jahr 2007 ein Teil des Bad Breisiger Stadtwalds zum Bestattungswald RheinRuhe umgewidmet wurde, veränderte sich das Tätigkeitsfeld des Revierförsters in ungeahntem Ausmaß.

    Förster Bernd Hoffmann begleitet durchschnittlich fünf Bestattungen in der Woche.  Foto: Judith Schumacher
    Förster Bernd Hoffmann begleitet durchschnittlich fünf Bestattungen in der Woche.
    Foto: Judith Schumacher

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

    "Ich bin damals gefragt worden, wurde nicht einfach verpflichtet. Und ich kann sagen, dass ich diesen Schritt nicht bereut habe." Denn die Begleitung der Angehörigen und der Betroffenen selbst, die sich noch zu Lebzeiten ihre Ruhestätte im Wald aussuchen, hat ihn reicher gemacht. "Es hat mich verändert, was meine Einstellung zum Leben angeht - wenn der Tod fast täglich gegenwärtig ist, lebt man bewusster", sagt der 60-Jährige.

    Im Schnitt sind es fünf Bestattungen in der Woche, die Hoffmann begleitet. Es kommt aber auch vor, dass der Revierförster bis zu fünf Bestattungen am Tag auf dem Plan hat. "Das ist schon sehr intensiv und oft nicht einfach", sagt er. Wenn er nach der Trauerfeier persönlich das Grab schließt, kennt er nicht selten den verstorbenen Menschen und sein Schicksal dahinter. Hoffmann kennt mittlerweile viele Einzelschicksale. Oft ist das auch für ihn selbst belastend. "Einmal kam eine junge Frau, um sich einen Baum auszusuchen und ich dachte, er sei für einen Angehörigen, als sie sagte: ,Hoffentlich muss ich nicht so schnell an diesen Baum‘ - das machte mich sehr betroffen", erinnert sich der Revierförster.

    "Ich gehe ja nicht einfach mit den Menschen in den Wald und das war’s. Ich unterhalte mich mit ihnen", sagt er. Oft habe er dabei gespürt, wie von seinen Begleitern eine gewisse Anspannung abfällt, wenn sie die Entscheidung für einen Baum getroffen haben. "Allein der Gang vom Parkplatz bis zu den Bäumen hat eine ausgleichende Wirkung auf die Leute", hat er festgestellt. Immer wieder beeindruckt Bernd Hoffmann, wenn er sieht, wie Menschen, die den Tod vor Augen haben, ihr Schicksal annehmen und wie aufrecht sie ihrem Ende entgegen gehen. "Wenn zum Beispiel der Partner mit dabei ist, leidet er in der Regel viel stärker unter Auseinandersetzung mit dem Tod - da kommt es vor, dass die Betroffenen selbst ihre Angehörigen noch stärken müssen", hat er beobachtet.

    In der Rhein Ruhe werden Menschen jeden Alters bestattet. Das beginnt mit Fehlgeburten und wenige Tage alten Babys. "Ich habe aber auch erlebt, dass es viele ältere Menschen gibt, die trotz ihres hohen Alters sehr fortschrittlich denken und handeln - und damit meine ich nicht nur, was ihre Form der Bestattung angeht", hat der Förster erfahren. Als besondere Härte empfindet Bernd Hoffmann es, wenn junge Menschen unter die Erde gebracht werden, die Selbstmord begangen haben. "Ich habe eine hohe Achtung vor den Eltern, denn ihre Kinder haben nicht selten schon einen Versuch hinter sich, und sie mussten sich im Vorfeld damit auseinander setzen, dass ihr Kind sich in dieser Welt nicht Zuhause fühlt - das sind mehr junge Menschen, als man glaubt", sagt er nachdenklich.

    Stadt führt Projekt in Eigenregie

    Sehr zufrieden ist der Förster mit der Entscheidung der Stadt, die RheinRuhe in Eigenregie zu führen und sich nicht Organisationen wie Friedwald oder Ruheforst angeschlossen haben. "Das machte uns frei, unser eigenes Konzept zu entwickeln. Wir sind konfessionsneutral. Jede Bestattung verläuft anders und ganz individuell. Mit Kirche oder ohne, mit Trauerredner oder Reden von Angehörigen oder Freunden und Musik.

    "Es gibt auch Beerdigungen, bei denen gelacht wird, wo ein Gläschen Sekt getrunken wird oder jemand noch einen Whisky-Cola ins Grab kippt", sagt Hoffmann schmunzelnd. Auch dass der Verstorbene darum gebeten hat, dass niemand schwarze Kleidung an hat, kommt vor. Auch, dass außer ihm und dem jeweiligen Waldarbeiter, der per Hand die Grabstelle ausgehoben hat, sonst niemand zugegen ist, wenn die Urne in die Erde versenkt und das Grab verschlossen wird. Doch das ist eher die Ausnahme.

    Wichtig scheint denjenigen, die sich für eine Bestattung in der Rhein Ruhe entschieden haben, der Blick vom Waldhang auf den Rhein. "Das spielt wohl gerade für den Rheinländer eine große Rolle - deshalb kommen auch viele Menschen von der anderen Rheinseite zu uns", bilanziert Hoffmann. "Ich hätte nie gedacht, dass acht Jahre RheinRuhe so schnell vorbei gehen - ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt und viele Geschenke geistiger Art bekommen", so sein Fazit.

    Weitere Infos unter www.rheinruhe.de

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    Bad Neuenahr-Ahrweiler
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