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    KreisstadtPorträt: Ghazel Wahisi ist Botschafterin für die Idee der Freiheit

    Ghazel Wahisi engagiert sich als stellvertretende Vorsitzende der Freiheiter für mehr Toleranz. Die 46-Jährige hat selbst einen Migrationshintergrund.

    Ghazel Wahisi ist Vorsitzende der Freiheiter.
    Ghazel Wahisi ist Vorsitzende der Freiheiter.
    Foto: Vollrath

    Von unserer Redakteurin Beate Au

    Als Ghazel Wahisi 1980 mit Mutter und Bruder aus Afghanistan in Deutschland ankam, verstand sie kein Wort Deutsch und fühlte sich fremd. "Aber wir waren froh und dankbar darüber, dass wir hier als Flüchtlinge aufgenommen wurden", erinnert sich die 46-Jährige. Sie kann sich hineinfühlen in das Schicksal von Flüchtlingen, die in ihrer großen Menge Politik und Gesellschaft jetzt mehr denn je herausfordern. Freiheit ist für sie ein wichtiges Gut. Umso wichtiger ist es für die Mutter zweier Kinder aus der Grafschaft, sich beim Verein der Freiheiter als stellvertretende Vorsitzende zu engagieren, der im März mit den ersten Ahrweiler Freiheitswochen ein Zeichen für Freiheit und Frieden durch Begegnung und Dialog setzen will.

    "Wenn man aus einem Land kommt, das die Freiheit verloren hat, weiß man dieses Gut viel mehr zu schätzen", meint sie und registriert, dass sich die heutige Jugend viel zu wenig mit dem Wert von Freiheit und Demokratie beschäftigt. Bei den Freiheitern dabei zu sein, empfindet sie als Chance, Menschen zu sensibilisieren, diese Privilegien zu verteidigen. "Seit ich die deutsche Staatsbürgerschaft habe, gehe ich immer wählen", sagt sie und wundert sich über die Wahlmüdigkeit. "Wer sich über Politiker aufregt, sollte sich aktiv engagieren und nicht nur kritisieren", findet sie.

    10 Jahre war Ghazel Wahisi alt, als die Familie Afghanistan wegen des dort herrschenden Krieges den Rücken kehrte. "Wir dachten damals, dass der Krieg dort nicht so lange dauert, vielleicht zwei oder drei Monate", erzählt sie und erinnert sich daran, dass die Integration schwer war. "Es gab keine Sprachkurse für uns. Wir wurden nach Größe und Geschlecht in die Klassen verteilt. Ich habe damals einfach die Schule geschwänzt und auch andere dazu angestiftet", berichtet Wahisi über eine schwierige Zeit. Doch irgendwann saß sie dann doch in einem Deutschkurs. Sie schaffte entgegen aller Unkenrufe ihr Abitur, studierte Soziologie und Islamwissenschaften und managt heute die Arztpraxis ihres Mannes. "Ich wollte es schaffen, und ich habe es geschafft. Die Integration ist von mir ausgegangen, weil ich mir gesagt habe: Ich will hier bleiben, also muss ich mich kümmern", erklärt sie ihren Weg und gibt als Botschaft weiter, dass die Sprache bei der Integration das A und O ist.

    Die Angst vieler Deutscher vor einem unkontrollierten Strom von Flüchtlingen kann Ghazel Wahisi aber auch verstehen und warnt davor die Sorgen der Bevölkerung zu ignorieren. Sie kann sich vorstellen, dass das Thema Integration auch von den Freiheitern aufgegriffen wird. "Deutschland darf sich nicht ändern wegen der Flüchtlinge", findet sie. "Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sehe ich als Gast in einem Gastland. Und da gibt es auch Gastpflichten." Als Frau möchte sie sich beispielsweise auch weiterhin frei bewegen können, ohne beleidigt zu werden. Sie weiß aber auch: "Wenn man sein eigenes Land verlässt, macht man das nicht freiwillig." Ein respektvolles Miteinander ist für Ghazel Wahisi die größte Übung, die nun bewältigt werden muss. Als stellvertretende Vorsitzende der Freiheiter, die politisch, ethisch und konfessionell neutral sind, wünscht sie sich eine breite Beteiligung aus allen Bevölkerungsschichten an der Idee. Denn nur in Gemeinschaft, findet die Vorsitzende der CDU-Frauenunion Grafschaft, lässt sich etwas bewegen.

    Schirmherr der ersten Ahrweiler Freiheitswochen: Prof. Dr. Dr. h.c. Paul Kirchhof.
    Schirmherr der ersten Ahrweiler Freiheitswochen: Prof. Dr. Dr. h.c. Paul Kirchhof.

    Die Ahrweiler Freiheitswochen

    „Freiheit will errungen werden“ ist ein bekanntes Statement des Juristen und Querdenkers Professor Dr. Dr. h.c. Paul Kirchhof. Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, wird die ersten Ahrweiler Freiheitswochen vom 3. bis 6. März als Schirmherr begleiten. Neben seiner Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Ahrweiler Freiheitswochen am Freitag, 4. März, in der Dokumentationsstätte Regierungsbunker in Ahrweiler wird sich der Schirmherr auch mit Schülern zur Diskussionsrunde treffen. Zudem wird er im Laufe des Abends gemeinsam mit dem Vorsitzenden des veranstaltenden Fördervereins Ahrweiler Freiheitswochen, Horst Gies, die Verleihung des Ahrweiler Freiheiter-Preises an den ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vornehmen. Der Freiheiter-Preis steht für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung von modernen und freiheitlichen Gesellschaftssystemen. Eintrittskarten für den Festabend sowie für alle weiteren kostenfreien und kostenpflichtigen Veranstaltungen der ersten Ahrweiler Freiheitswochen vom 3. bis 6. März gibt es online unter www.ticket-regional.de/freiheitswochen und www.freiheiter-aw.de sowie in den Tourist-Informationen Ahrweiler (Blankartshof 1) und Bad Neuenahr (Hauptstraße 80).

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