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  • Schloss WartensteinZeit zum Lohmachen: Kinder probierten altes Handwerk aus

    Jetzt im Mai steht die Eiche „voll im Saft“ – jetzt ist Zeit zum Lohmachen: Es ist 20 Jahre her, seit der damalige VG-Bürgermeister Günter Schwenk auf Schloss Wartenstein das erste Lohmacherfest feierte. Seitdem besuchen jedes Jahr Schulklassen den sogenannten Eichenschälwald und die Ausstellung „Wald und Natur“ im Stallgebäude des Schlosses, wo die einzelnen Arbeitsschritte und die typischen Werkzeuge in einer visuellen Erlebniswelt authentisch präsentiert werden.

    Das Schälen der Eichenrinde, das Lohmachen, war für den Broterwerb eine harte Arbeit, die neben den passenden Lohwerkzeugen viel Ausdauer und auch Geschick verlangte.  Fotos: Bernd Hey
    Das Schälen der Eichenrinde, das Lohmachen, war für den Broterwerb eine harte Arbeit, die neben den passenden Lohwerkzeugen viel Ausdauer und auch Geschick verlangte. Fotos: Bernd Hey
    Foto: bernd hey

    Dieses Jahr gingen 37 Schüler auf Exkursion in den Eichenwald, zwei dritte Klassen von der Grundschule Hennweiler, die von Andreas Klett und Julia Gehres betreut werden. Im steilen Lohwald am Naturerlebnispfad gegenüber von Schloss Wartenstein in Richtung Oberhausen mussten sie schon „geländegängig“ sein. „Oha, Herr Klett, das war ganz schön anstrengend“, rief der zehnjährige Noah Elias seinem Lehrer zu – aber trotzdem besser als Schule.

    Hermann Hey schält seit seinem zehnten Lebensjahr die Rinde von Eichenbäumen ab.
    Hermann Hey schält seit seinem zehnten Lebensjahr die Rinde von Eichenbäumen ab.
    Foto: bernd hey

    Das Lohmachen war eine harte Arbeit, die viel Ausdauer und körperliches Geschick verlangte. Kirn war europaweit bis in die 1980er-Jahre führendes Lederzentrum – die gerbstoffreiche Rinde zählt zu den ältesten und wertvollsten Gerbmitteln, die als Grundstoff zur Gerbung von Tierhäuten benötigt wurden und das Leder elastisch machten. Erst mit der Globalisierung und der Gewinnung preiswerter synthetischer Gerbmittel verlor das Lohmachen im Kirner Land als Broterwerb für viele Familien seine Bedeutung.

    „Es war immer ein schöner Nebenverdienst“, erinnerte sich schweißgebadet der 78-jährige Hermann Hey. Seit seinem zehnten Lebensjahr macht er diese Arbeit. Der frühere Schloss-Verwalter Karl von Pidoll (1892 – 1984) war Verfechter des Lohmachens, damit die Wertschöpfung in der Region blieb. Tagesquantum waren etwa zwei Zentner Rinde, für die es zwischen 25 und 30 D-Mark gab, informierte Hey die Kinder. Heute dient der Lohwald nur Anschauungszwecken, das Terrain mit Eichenbäumen ist mehr als 50 Jahre alt – fürs Lohschälen viel zu alt. „Außerdem hatten wir Frost, und hier fehlt dem Niederwald das Wasser – trotzdem steht jetzt gewöhnlich die junge Eiche kräftig im süßlichen Saft“, erklärte der Büroleiter des Forstamts Bad Sobernheim, Andreas Leyendecker, den Schülern. „Immer werden die süßlich schmeckenden Nährstoffe im Baum dorthin transportiert, wo sie gebraucht werden. Jetzt werden Blätter ausgebildet, und im Herbst kehrt sich der Prozess um.“

    Hier im felsigen Steilhang sind die Lohbank, der Galgen und der Lohstumpen samt Kloppstock über Jahrzehnte anschaulich demonstriert. Es ist ein traumhaftes Fleckchen Erde in unberührter Natur, wo an der mächtigen Pidoll-Eiche klares Quellwasser aus dem Millionen Jahre alten Schiefer fließt und wo typische geologische Schichten und Fossilien aus dem Devon, Perm, Paläogen und Neogen den stetigen erdgeschichtlichen Wandel im Lützelsoon dokumentieren. Dieses schillernde und einzigartige Gesteinsmassiv reicht bis in den Taunus.

    Die Männer um die beiden Oberhauser Hermann Hey und Winfried Schmidt, Klaus Sommer aus Kirn und den Bruschieder Günter Bender hatten mit dem Kirn-Sulzbacher Forstwirtschaftsmeister Felix Brühl und den beiden Auszubildenden zum Verwaltungsfachangestellten vom Forstamt Bad Sobernheim, Yann Hummel und Milena Scholl, sowie dem Heimweilerer kommissarischen Revierleiter Johannes Gödert Verstärkung bekommen und leisteten gute Vorarbeit. Jedes Kind durfte einen frisch geschlagenen Stock mit nach Hause nehmen. Übrigens: Das geschälte Lohholz wird steinhart und ist bei Grillexperten ein absoluter Geheimtipp.

    Von unserem Reporter Bernd Hey

    Lukrativer Niederwald

    Der Niederwald: Das war seit Alters her eine lukrative Bewirtschaftungsform, die es so heute nicht mehr gibt. Sie diente der Brennholz-, Schwachholz- oder eben der Gerbrindengewinnung für die Lederverarbeitung. Der Niederwald ist eine Vielzahl auf den Stock gesetzter Bäume.

    Der Hauptstamm ist geerntet, seitlich treibt der Baum aus dem Wurzelstock Triebe aus. Nur junge Bäume bilden vitale Ausschläge. In der ganzen Wanderregion rund um Schloss Wartenstein informieren Schautafeln über Flora und Fauna. jan

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    Kirn
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