Kreis Bad KreuznachWo wurde Wie gewählt? Nies holt in Hochburgen zu wenige Stimmen, Dickes räumt ab

Bettina Dickes (CDU) und Hans-Dirk Nies (SPD) sicherten sich im ersten Wahlgang beide ihre Hochburgen. Das überrascht zunächst einmal nicht. Die Art und Weise ist deutlich spannender. Nies kriegte seineLeute nicht an die Urnen, Dickes räumte in der Verbandsgemeinde Rüdesheim richtig ab - aber sie hat da ein echtes Problem in Bad Sobernheim.

Vom Winde verweht? Aber alles andere als das. Die parteilose Anke Schumann hat erstaunlich gut abgeschnitten bei dieser Landratswahl. Allerdings könnte genau das ihrer ehemaligen Parteikollegin Dickes in der Stichwahl noch zum Problem werden. 
Vom Winde verweht? Aber alles andere als das. Die parteilose Anke Schumann hat erstaunlich gut abgeschnitten bei dieser Landratswahl. Allerdings könnte genau das ihrer ehemaligen Parteikollegin Dickes in der Stichwahl noch zum Problem werden. 
Foto: Josef Nürnberg

Dank der höchstens Wahlbeteiligung (47,2 Prozent) sicherte sich die ehemalige Landtagsabgeordnete Dickes in ihrer einstigen Heimat-VG 5131 Stimmen und damit fast ein Viertel ihrer insgesamt 20.321 Stimmen.

Nies kommt nur auf 18.729 Wählervoten, das Resultat der niedrigen Wahlbeteiligung in den Städten Bad Kreuznach und Kirn. Innerhalb der Kreisstadt lockte die Wahl lediglich 28,6 Prozent der 37.616 Wahlberechtigten an die Urne. In Kirn waren es sogar nur 27,6 Prozent; der niedrigste Wert. Wie problematisch diese Ergebnisse für Nies sind, zeigt sich in einem Gedankenexperiment.

Dem Ersten Kreisbeigeordneten fehlten am Sonntag rund 1600 Stimmen auf seine direkte Konkurrentin. In seinen Hochburgen Bad Kreuznach und Kirn leben allerdings vergleichsweise viele Menschen. Heißt: Selbst sein knapper Vorsprung von 0,4 Prozent würde ihm in Bad Kreuznach ein dickes Plus an Wählern bringen – läge bloß die Wahlbeteiligung höher.

Nies schwächelt in Städten

Rechnet man diese in Bad Kreuznach und Kirn auf 47,2 Prozent (dem Rüdesheimer Wert) nach oben, erreicht Nies in den beiden Städten ein Plus von 871 Stimmen gegenüber Nies. Real waren es gerade mal 240. Gänzlich unrealistisch ist dieses Szenario nicht, denn bei der Landtagswahl 2016 lagen die großen Parteien auf ähnlichem Niveau Kopf an Kopf.

Als Gegenbeispiel für die Rechnung darf das Kirner Land gelten. Dort hat Nies geliefert. In der VG siegte der Sozialdemokrat mit 46,9 Prozent und damit rund 10 Prozentpunkten Vorsprung auf Dickes. Die münzte er dort allerdings dank starker Wahlbeteiligung von 43,7 Prozent auch in 369 zusätzliche Wählerstimmen um. Exemplarisch ist sein Abschneiden in Hennweiler, der zweitgrößten Gemeinde: Nies holte mehr als die Hälfte der Stimmen, mobilisierte seine Wähler bei 44,2 Prozent. Das gelang ihm aber zu selten.

Wenngleich Dickes' Sieg in der VG Rüdesheim durchaus erwartbar war, ist die Deutlichkeit überraschend. 2008 holte Nies in der – damals noch kleineren VG – 5086 Stimmen. Jetzt waren es ungefähr 1000 weniger. Dabei hatte sein Parteifreund Denis Alt vor einem Jahr Dickes auf ihrem eigenen Terrain das Leben sehr schwer gemacht. Deren Vorsprung lag am Ende im niedrigen einstelligen Bereich. Die Ausgangsbedingungen ähneln. Alt marschierte damals im Windschatten der erstarkenden Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Nies konnte dagegen nicht auf den fahrenden Martin-Schulz-Zug aufspringen.

Dickes' Problem vor der Haustür heißt Anke Schumann

Dickes hingegen hat ein Bad-Sobernheim-Problem. Ausgerechnet ihr Wohnort bereitete ihr am Sonntag Schwierigkeiten. Der Grund heißt: Anke Schuman. Die parteilose Kandidatin sicherte sich in der VG durchschnittlich 20,1 Prozent der Stimmen. In Kirschroth und im Stadtteil Steinhardt verdrängte sie den SPD-Kreisvorsitzenden Nies sogar von Platz zwei. Der entschied 16 von 26 Wahllokalen für sich, während Dickes 2369 Stimmen und zehn gewonnene Wahllokale sammelte. Die 1299 Schumann-Wähler dürften bis zur Stichwahl stark umworben werden.

Möglicherweise finden sich unter ihnen viele Menschen aus dem konservativen Spektrum. Schließlich war die parteilose Anke Schumann bis vor Kurzem noch Stadtverbandsvorsitzende der Union. Ihre Beziehung zu Dickes gilt aber als schwierig. Nicht zuletzt Differenzen mit deren Lager führten zum Bruch mit den Christdemokraten.

Am Dienstag, 21. März, tagt ab 9 Uhr der Wahlausschuss des Kreises Bad Kreuznach in Saal 107. Dann wird das endgültige Ergebnis des ersten Durchgangs festgestellt. Wie Montagmorgen zu hören war, soll es keinerlei Beanstandungen geben.

Von unserem Reporter Carsten Zillmann

 

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