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    Weitersborn sauer auf die Telekom: Hinhaltetaktik

    Nichts geht mehr: Im Telefonhörer rauscht es wie ein Wildbach. Das ist für die 80 Telekomkunden der Hunsrückgemeinde seit über einem Jahr immer wieder der (Stör)Fall: 252 Einwohner sind dann ohne Festnetzverbindung und von der Außenwelt abgeschnitten. Zumal auch der Handy-Empfang schlecht ist.

    Da liegt das Problem: Weitersborns Ortsbürgermeister Bruno Stemmler (rechts) und Bürgermeister Werner Müller zeigen eine Reparaturstelle auf dem Weg ins Dorf. Der Graben sei schon seit Monaten offen.
    Da liegt das Problem: Weitersborns Ortsbürgermeister Bruno Stemmler (rechts) und Bürgermeister Werner Müller zeigen eine Reparaturstelle auf dem Weg ins Dorf. Der Graben sei schon seit Monaten offen.
    Foto: Armin Seibert

    Nichts geht mehr: Im Telefonhörer rauscht es wie ein Wildbach. Das ist für die 80 Telekomkunden der Hunsrückgemeinde seit über einem Jahr immer wieder der (Stör)Fall: 252 Einwohner sind dann ohne Festnetzverbindung und von der Außenwelt abgeschnitten. Zumal auch der Handy-Empfang schlecht ist.

    Zehn Mal war die Festnetzverbindung schon tot. Mal vier Stunden, mal tagelang. Gestern machten Bürger in der Gemeindehalle ihrem Ärger Luft und berichteten von einer Hinhaltetaktik des Kommunikationsriesen. Bürgermeister Werner Müller empfindet es als erschreckend, dass der ländliche Raum abgehängt wird. Er will einen Brief an die Landesregierung schreiben. Schließlich zahlten die Bürger ja für den Anschluss. Auch die Intervention von MdB Fritz Rudolf Körper blieb erfolglos.
    Ortsbürgermeister Bruno Stemmler weiß von Technikern vor Ort, die in den seit Monaten offenliegenden Gräben arbeiten, dass die alten mit Papier umwickelten Kupferkabel bei Regenwetter den Geist aufgeben. Die Techniker sagten: „Das müsste alles erneuert werden.“ Von der regionalen Vertriebsleitung weiß Stemmler aber auch: Das würde 150 000 Euro kosten. Dieses Argument will Werner Müller nicht gelten lassen. Was passiert, wenn Senioren dringend einen Arzt brauchen? Die Telekom hat eine Versorgungsverpflichtung und verdient Millionen damit.
    Winfried Rostewitz war Fenmelderevisor und 40 Jahre mit solchen Problemen beschäftigt. Sechs Einschreiben hat er losgeschickt – keine Antwort. Dann kam eine Gutschrift von 13 Euro. Als er die Rechnung kürzte, kam die Drohung mit Sperrung des Anschlusses. Dagegen will er eine einstweilige Verfügung am Sobernheimer Amtsgericht erwirken. „So wie ich müssten das viele machen, damit die Telekom merkt, dass weniger Geld fließt.“ Gespannt auf die Handyrechnung sind Jürgen und Christa Götz, die stundenlang versuchten, die Störstelle anzurufen. Dort habe man dann nur lapidar erklärt, es sei keine große Störung gemeldet.
    Wütend war Ursula Rumeney, als ihr Anschluss drei Wochen tot war. Schließlich erreichte sie eine Servicenummer, eine Viertelstunde später stand die Verbindung wieder. Und jetzt kam eine Gutschrift von 16,07 Euro. Einmal machte sie sich auf den Weg zum Kabelgraben, als ein Techniker dort arbeitete: „Der hat den Kopf eingezogen, als ich sagte, dass ich aus Weitersborn bin.“ Nein, die Leute vor Ort könnten nichts dafür, waren sich die Bürger einig, aber so könne es nicht weitergehen. Telefon-Experte Rostewitz kritisiert: „Die Kabelspezialisten sollte wenigstens die Muffen nicht im Wasser liegen lassen. Alte Kupferkabel und neue Plastikleitungen miteinander zu verbinden, das sei auch nicht ratsam. Vom Gonrather Hof bis vor Seesbach reihe sich Reparaturgraben an Reparaturgraben.“
    Bekannt ist, dass es am Wasser liegt. „Jetzt ist Frost gemeldet, beim nächsten Tauwetter haben wir das Problem wieder“, fürchtet Ortsbürgermeister Stemmler. Er ärgert sich, dass bei Beschwerden aus dem Dorf seitens der Telekom erst mal so getan wird, als läge das Problem beim Hausanschluss. Dann werden den Leuten die Technikerkosten vorgerechnet und sie damit eingeschüchtert. So könne man das Problem nicht lösen.

    In vier bis fünf Wochen soll eine Entscheidung fallen, wie es mit den Leitungsproblemen in Weitersborn weitergeht. Das kündigt Telekompressesprecher Georg McKinney auf Anfrage unserer Zeitung an. Die Telekom wisse vom Leidensdruck der Weitersborner und den häufigen Ausfällen. Aber eine Kabelneuverlegung koste nach ersten Schätzungen einen hohen sechsstelligen Betrag. Zur Frage, ob über 500 000 Euro gemeint seien, sagt McKinney: „Das könnte hinkommen.“ Viel teurer als die im Raum stehenden 150 000 Euro Kabelkosten sei der Tiefbau, und es sei Systemtechnik vor Ort nötig. Ein Multifunktionsgehäuse koste 30 000 Euro. Der Telekom-Pressesprecher weiß: „Wir können es nicht allen Recht machen. Auch die Ressourcen der Telekom sind endlich. Wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Immerhin sei das Telekom-Leitungsnetz zwei Millionen Kilometer lang. Die Konkurrenz habe sich aus diesem Segment längst verabschiedet. Auf den detaillierten Ablauf verschiedener Reklamationen, die die Weitersborner in Rage bringen, könne er kaum eingehen. Bei 83 Millionen Kundenkontakten und 66 Millionen Rechnungen im Monat sei die Reklamation mitunter schwierig. Man versuche sich stets auf Kulanzbasis mit Kunden zu einigen, etwa wenn von mehreren Tagen Netzausfall die Rede sei.
    Man prüfe nun verschiedene Alternativen und wolle eine bessere Lösung anbieten, sagt McKinney. Ob die Funkversorgung eine Option ist? Immerhin verfügt Weitersborn über LTE-Empfang. LTE – abgekürzt für Long Term Evolution – stellt eine schnelle Internet-Verbindung zur Verfügung. Ortsbürgermeister Stemmler freut sich über 15 Mbit, doch wenn immer mehr Anschlüsse dazukommen, würde es deutlich langsamer. Und das sei auch kein Ersatz fürs Festnetz. Armin Seibert

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