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  • Spaziergänger im Visier von Wildkameras?

    Kreis Bad Kreuznach - Für Jäger, Förster und Naturschützer sind Wildkameras eine Unterstützung, doch Datenschützer äußern schon seit Längerem Bedenken.

    Von unserer Redakteurin Denise Bergfeld

    Sie befürchten, dass beim Einsatz in Wäldern nicht nur Tiere, sondern auch Spaziergänger unbemerkt ins Visier der Fotofallen geraten könnten. Auch im Kreis Bad Kreuznach sind solche Wildkameras im Einsatz. „Unter anderem in meinem Revier“, bestätigt der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Bad Kreuznach, Klaus Nieding.

    Wildkameras sind meist mit einem Bewegungsmelder ausgestattet und können auch im Dunkeln fotografieren. Mit ihrer Hilfe wollen unter anderem Förster herausfinden, ob sich ein Tier in einem bestimmten Revier aufhält, wie es sich bewegt oder ob Lockstellen angenommen werden. Im vergangenen Jahr hatte der Landesdatenschutzbeauftragte Edgar Wagner bereits einen Vorstoß gewagt und wollte den Einsatz solcher Kameras komplett verbieten lassen. Bislang ohne Erfolg. Rechtsanwalt Klaus Nieding hält ihren Einsatz für unbedenklich – sofern gewisse Regeln eingehalten werden. Er ist nicht nur der Kreisjagdverbandsvorsitzende, sondern auch Justiziar des Landesjagdverbands und hat in dieser Position bereits eine Stellungnahme zu dem Thema abgegeben. Er ist der Auffassung, dass der Einsatz unproblematisch ist, wenn die Wildkameras ausschließlich jagdliche Einrichtungen und keine öffentlichen Plätze und Wege im Visier haben. Solche Stellen sind etwa Hochsitze und Kirrungen.

    „Eine Kirrung ist unserer Auffassung nach eine jagdliche Einrichtung, die einzig dem Anlocken des Wildes zum Zwecke der Erlegung dient. Daher handelt es sich bei dieser sehr kleinen und eng begrenzten Fläche um keinen öffentlich zugänglichen Raum“, sagt er. Jagdliche Einrichtungen, wozu auch Hochsitze gehören, seien Privatbesitz und dürften nicht ohne Weiteres betreten werden. Damit fallen sie seiner Meinung nach auch nicht unter das Datenschutzgesetz.

    Im Soonwald hingegen sind solche Kameras derzeit noch kein Thema, wie der Leiter des dortigen Forstamts, Bernd Closen, betont. Denn der Soonwald ist zu großen Teilen in staatlicher Hand. „Im Staatsforst sind die Kameras aus datenschutzrechtlichen Gründen verboten“, sagt er. In Bayern, Hessen und im Saarland sind Wildkameras sogar generell verboten oder nur unter strengen Auflagen erlaubt. Der Landesdatenschutzbeauftragte geht davon aus, dass in Rheinland-Pfalz 30 000 solcher Kameras im Einsatz sind. Nieding hingegen glaubt nicht an diese Zahlen, die seiner Meinung nach aus den Verkaufszahlen der Discounter hochgerechnet wurden.

    Dass nicht nur Tiere in das Visier solcher Kameras geraten können, hatte ein Fall in Österreich vor zwei Jahren gezeigt: Ein Lokalpolitiker wurde von einer Wildkamera beim Schäferstündchen mit seiner Geliebten fotografiert. Die Bilder landeten in der Boulevardpresse. Hierzulande erhielt die Diskussion um die Kameras im vergangenen Sommer einen neuen Schub, als ein Discounter die Fotofallen günstig im Angebot hatten. „Die Kameras werden aber nicht nur von Jägern eingesetzt“, sagt Nieding. Auch Hausbesitzer würden solche Kameras beispielsweise auf ihrer Terrasse aufstellen, um ihr Privatgrundstück zu überwachen.

    Der Landesjagdverband ist der Auffassung, dass die Wildkameras eine tierschutzgerechte Bejagung fördern, da durch die Vorselektion auf Fotos beispielsweise die Rottenstruktur in Ruhe studiert und das richtige Stück zur Bejagung ausgesucht werden kann. „Wildkameras sind zur Populationskontrolle insgesamt geeignet und ein effektives Instrument zur Bejagung von Wildschweinen“, betont Nieding. Die in Wildkameras verwendete Technik sei außerdem mittlerweile so fortgeschritten, dass eine automatische Anonymisierung von Personen auf Bildern und Videosequenzen möglich ist. „Ein quasi ‚Totalverbot' von Wildkameras ohne jegliche Differenzierung ist daher bereits rechtswidrig“, sagt Nieding.

     

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