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  • Forum Vier Oberstufenschüler des Bad Kreuznacher Lina-Hilger-Gymnasiums befragten Kandidaten beim "Oeffentlichen"

    Schüler treffen Kandidaten: Was kann ein Landrat noch bewegen? [Videos]

    Kreis Bad Kreuznach. „Junge Leute interessieren sich nicht für Politik“ oder „Politiker tun nichts“ – keine Zeit, kein Raum für Klischees vom alten Schlage. Denn die anderthalbstündige Gesprächsrunde der drei (ernsthaften!) Landratskandidaten beim „Oeffentlichen“ bewies: Selbst in der heißen Phase des Urwahlkampfs ist ein argumentativer Austausch möglich.

    Dabei traten lediglich Nuancen der Politikansätze von Hans-Dirk Nies (SPD), Bettina Dickes (CDU) und Anke Schumann (parteilos) zutage. Nuancen, weil der finanzielle Spielraum des Kreises gegen Null tendiert. Und dennoch: Auch künftig würden elementare Fragen auf Kreisebene entschieden, betonten die Bewerber ihre Motivation, am 19. März für das Spitzenamt anzutreten.

    Folge: Selbst oder grade in Zeiten leerer Kassen muss man als Kandidat fit sein in Sach- wie Rechtsaspekten und bis zum Hals in den Themen stecken, die die Leute bewegen – etwa Christine Kühn und Frederik M. Jost, Kristin S. Elsner und Kai Michael Gebhard, alle aus dem Sozialkunde-Leistungskurs der MSS 11 des Bad Kreuznacher Lina-Hilger-Gymnasiums. Ihren Fragen an die Kandidaten schickte Redaktionsleiter Gustl Stumpf eine voraus: Wie halten Sie es mit der Privatsphäre im Wahlkampf?

    Schülerfrage: Was halten Sie von Ganztagsgymnasien mit dem Abitur schon nach acht Jahren (G8)?

    Als Freund der Wahlfreiheit sei sie kein Gegner eines G8, antwortete die vierfache Mutter Bettina Dickes, stelle aber beim einzigen G8-Gymnasium im Kreis in Bad Sobernheim eine erst rückläufige und sich momentan langsam stabilisierende Schüleranmeldezahl fest. Sie plädierte für ein G9-Gymnasium mit freiwilligem Ganztagszweig.

    Sie sei ein Fan des dreigliedrigen Schulsystems und von G9, sagte die zweifache Mutter Anke Schumann, denn allzu junge Abiturienten hätten es in der Arbeitswelt schwer: „Ein Jahr mehr Reife schadet nicht.“ Warum es G8 überhaupt gebe? Weil junge Leute in einer alternden Gesellschaft als Steuerzahler gebraucht würden.

    G9 sei wesentlich entzerrter, der Druck sei nicht so stark, hat Hans-Dirk Nies, dessen beide Kinder das LiHi besuchen, beobachtet. Kritisch betrachtet könne man sagen: G8-System ja – bei deutlich überdurchschnittlichem Leistungsvermögen, so Nies. Er begrüße die Wahlfreiheit, die mit einem zentralen G8-Gymnasium im Kreis gegeben sei.

     

    Auch Bettina Dickes (CDU) will erste Landrä-<br />tin des Kreises Bad Kreuznach werden. Unser Bild zeigt sie mit Kurt Knaudt, dem Regionalchef Süd unserer Zeitung.
    Auch Bettina Dickes (CDU) will erste Landrä-
    tin des Kreises Bad Kreuznach werden. Unser Bild zeigt sie mit Kurt Knaudt, dem Regionalchef Süd unserer Zeitung.
    Foto: Carsten Zillmann

    Schülerfrage: Die Lafer-Mensa am Bad Kreuznacher Röka ist gescheitert, oder?

    5 Millionen Euro Anfangsinvestition, dazu ein Essenszuschuss von 2,30 Euro bei einem Entgelt von 2,50 Euro pro Mahlzeit und 500 Jugendlichen, die das frisch zubereitete Essen täglich in drei Schichten einnähmen: Für Hans-Dirk Nies bleibt diese Mensa auch nach dem Ausstieg Johann Lafers ein „Erfolgsmodell“. Hinter einer solchen Investition könne man immer ein Fragezeichen setzen, bekannte Nies, der beim Essensniveau um das „Wahnsinnsgefälle“ und um die Neiddebatten im Kreis weiß. Daher gehe es hier auch um die Frage: „Wie schaffen wir es, dieses Niveau auf die anderen Mensen zu übertragen?“ Bei der Frage der Essensmenge werde er mit Mensa-Betreiber Food-Education sprechen.

    Die Essensmenge habe auch etwas mit langsamem Essen, mit Esskultur und Genuss zu tun, so Anke Schumann: „Viele Schüler essen zu schnell.“ Am Ende bleibe jedoch auch hochwertiges Mensa-Essen eine Frage der Finanzierung.

    Vor Beginn des Projekts habe sie schon „Bauchschmerzen“ gehabt, sagte Bettina Dickes, aber es sei darum gegangen, eine Leuchtturmmensa mit frischem Essen und gesunder Ernährung für Kinder und Jugendliche anbieten zu können. An der Essensqualität müsse man dauerhaft arbeiten, wenngleich man eine flächendeckende Lafer-Mensa kaum hinbekommen werde.

    Schülerfrage: Integrierte Gesamtschulen sind gut ausgestattet, die Gymnasien dagegen nicht. Warum ist das so?

    Das wollte Anke Schumann pauschal nicht gelten lassen. Sie sieht auch bei diesem Thema eine Neiddebatte und erinnerte an die Aufgabe des für die Bildung verantwortlichen Landes und des Landrats als ausführendem Organ. Die Ausstattungen in manchen Schulen findet auch sie „bescheiden“, das Bad Sobernheimer G8-Gymnasium sei mit neuer Sporthalle und Mensa sicher eine Ausnahme. Bei privaten Trägern wie dem Bistum Trier für die ADS Hargesheim, die ihr elfjähriger Sohn Thore besuchen werde, sei die Ausstattung besser.

    Das Land gebe ein verbindliches Raumprogramm vor, beleuchtete Bettina Dickes die auch hier lediglich ausführende Rolle des Kreises. Sie bestätigte: Ja, es gebe einen Investitionsstau an den Schulen, etwa im LiHi, sei es in Räumen oder Ausstattung. Aber: „Wir sind dabei“, erklärte sie für den Kreis. Die jungen Fragesteller hörten es, dürften aber von den Neuerungen nichts mehr haben, weil sie wohl erst nach ihrem Abitur umgesetzt werden.

    Seit 2007 habe der Kreis in seine Schulen 55 Millionen Euro investiert, vor allem in die bauliche und energetische Ertüchtigung, informierte Hans-Dirk Nies. Im Lina-Hilger-Gymnasium sei man kürzlich beispielsweise der Frage des Lärms in den Klassen nachgegangen und werde in einen Schallschutz investieren. Bislang habe der Kreistag seinen Schwerpunkt vor allem auf die Bauten gelegt, werde dieses Kapitel aber bald abschließen und in die Ausstattung, etwa mit Tablets oder PCs, investieren können, so Nies weiter.

    Konzentrierte, entspannte Runde: Die präzisen Fragen der jungen Leute zu Lafer-Mensa, Schulen und ÖPNV beantworteten alle drei Kandidaten umfassend.
    Konzentrierte, entspannte Runde: Die präzisen Fragen der jungen Leute zu Lafer-Mensa, Schulen und ÖPNV beantworteten alle drei Kandidaten umfassend.
    Foto: Carsten Zillmann

    Warum erst die LiHi-Turnhalle, in der man nur zwei Stunden die Woche verbringe, saniert worden sei statt die Schäden in einigen Klassenräumen anzugehen? „Weil wir eine akute Sicherheitsgefährdung bei Sportgeräten ausräumen mussten und die Energiekosten der Halle exorbitant hoch waren“, erklärte Hans-Dirk Nies, und er bekräftigte: „Bei Schäden in Klassenräumen handeln wir sofort.“

    Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

    Kommentar von Christine Kühn/Frederik M. Jost: Kommunalpolitik gut dargestellt

    Das offene und informative Interview mit den drei Landratskandidaten hat uns heute mal wieder gezeigt, wie wichtig Politik auch auf Kommunalebene sein kann.

    Christine Kühn und Frederik M. Jost zu den Landratskandidaten aus ihrer Sicht
    Christine Kühn und Frederik M. Jost zu den Landratskandidaten aus ihrer Sicht
    Foto: Carsten Zillmann

    Die parteilose Anke Schumann war uns sehr sympathisch, jedoch merkte man ihr an, dass sie noch wenig Erfahrung besitzt und durch ihre Arbeit wenig Zeit für den Wahlkampf hat.

    Hans-Dirk Nies wirkte sehr erfahren und gut vorbereitet auf eine mögliche Amtszeit. Sein Wissen über die Finanzen hat uns fasziniert. Jedoch wirkte er zum Teil auch abgelenkt.

    Bettina Dickes hatte gute Argumente und konnte mit ihrem Fachwissen glänzen. Die von uns gestellten Fragen wurden gleichermaßen zufriedenstellend beantwortet. Ihre professionelle Herangehensweise und ihre Disziplin waren löblich.

    Eine eindeutige Präferenz konnten wir nicht feststellen, da Bettina Dickes sowie Hans-Dirk Nies uns mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen gleichermaßen überzeugten. Alle waren sich jedoch einig, dass die Politikverdrossenheit ein großes Problem ist.

    Alle drei fordern: Geht wählen!

    Kommentar von Kristin S. Elsner/Kai M. Gebhard: Richtig überzeugen konnte keiner

    Für frischen Wind sorgte Anke Schumann, die sich fernab von den Parteiideologien positionierte. Gelegentlich fiel jedoch auf, dass sie weniger Fachwissen als die Kandidaten von SPD und CDU aufweisen konnte, da die bereits in ihrer politischen Laufbahn in Land- und Kreistag Erfahrungen sammeln konnten.

    Kristin S. Elsner und Kai M. Gebhard zu den Landratskandidaten aus ihrer Sicht
    Kristin S. Elsner und Kai M. Gebhard zu den Landratskandidaten aus ihrer Sicht
    Foto: Carsten Zillmann

    Diese Kompetenz ließ bei SPD-Kandidat Hans-Dirk Nies jedoch an manchen Stellen eine gewisse Überheblichkeit erkennen. Zudem wirkte er zeitweise durch sein Smartphone von dem Geschehen abgelenkt und unaufmerksam.

    Bettina Dickes und Anke Schumann zeigten sich deutlich interessierter an unseren Fragen, wodurch wir den Eindruck gewannen, ernst genommen zu werden. Positiv zu betonen ist, dass sich alle drei Anwärter auf den Posten des Landrats stark für die Mobilisierung der Bürger, zur Wahl zu gehen, einsetzten.

    Allerdings konnte uns keiner der Kandidaten so richtig überzeugen, da sich alle im Bezug auf die Umsetzung von Projekten bedeckt hielten und oft ausweichend antworteten.

    Auch im "roten Westen" keine Chance für Nies - Richtet Dickes Bürgersprechstunden ein?Meisenheim: Viele Wähler, schnelle Zählung und doch enttäuschend - SPD-Bastion ging verlorenHinter den Kulissen: Vom Trauma zum Triumph - Bettina Dickes bleibt coolAnalyse: Bettina Dickes mobilisiert ihre Klientel - Häme kein ThemaAlle Ergebnisse in Tabellen und Grafiken: Stichwahl zur Landratswahl in Bad Kreuznachweitere Links
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