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    Bad SobernheimRolf Schattos Erinnerungen an Igor Turtschin und den Kalten Krieg

    Als der Sobernheimer Rolf Schatto kürzlich die „Handballwoche" aufschlug und ein Porträt des Handballtrainers Igor Turtschin zu dessen 20. Todestag entdeckte, packten ihn viele Erinnerungen.

    Der weltbekannte ukrainische Handballtrainer Igor Turtschin (hinten links) einst beim Autogrammschreiben mit einigen Sobernheimer Schülern.
    Der weltbekannte ukrainische Handballtrainer Igor Turtschin (hinten links) einst beim Autogrammschreiben mit einigen Sobernheimer Schülern.
    Foto: Martin Köhler

    Igor Turtschin war Trainer der Handballerinnen von Spartak Kiew in der Ukraine wie auch der russischen Frauen-Nationalmannschaft. An seiner Seite stand stets Gattin Sinaida.

    Die Sobernheimer Gisela und Rolf Schatto erinnern sich anhand von Wimpeln und Fotos sowie alten und neuen Zeitungsausschnitten an die legendäre Freundschaft mit dem russischen Handballtrainer Igor Turtschin. Das ist lange vorbei, bleibt aber ein Kapitel der Völkerverständigung.
    Die Sobernheimer Gisela und Rolf Schatto erinnern sich anhand von Wimpeln und Fotos sowie alten und neuen Zeitungsausschnitten an die legendäre Freundschaft mit dem russischen Handballtrainer Igor Turtschin. Das ist lange vorbei, bleibt aber ein Kapitel der Völkerverständigung.
    Foto: Martin Köhler

    „Beide gingen 15 Jahre lang bei uns ein und aus", erzählt Rolf Schatto mit glänzenden Augen. Dem Bestreben des von Schatto initiierten Olympischen Sport-Clubs (OSC) Bad Sobernheim sei es zu verdanken gewesen, dass der Kontakt mit diesen Handballstars überhaupt zustande kam. Das war umso bemerkenswerter, als dass sich Austausch und Freundschaft in der Zeit zwischen 1976 und 1992 abspielten, also zum großen Teil in der Zeit des Kalten Krieges, des Eisernen Vorhangs und des tiefen gegenseitigen Misstrauens der beiden politischen Systeme.

    Das machte aber den offen und vorurteilsfrei denkenden „kleinen Leuten" hier wie dort nie wirklich etwas aus. Im Gegenteil: Im gastfreundlichen Naheland saß man beisammen und ließ es sich gut gehen. Schatto: „Igor brachte immer Wodka mit zum Essen!" Wobei die relative materielle Armut der Russen und Ukrainer schon sichtbar wurde, wie der ehemalige OSC-Chef anfügte: „Viele verkauften mitgebrachten Wodka oder Kaviar, um an Devisen zu kommen."

    Die Delegation von jenseits des Eisernen Vorhangs bezog grundsätzlich Quartier in der Pension Hilde Metzgers an der Steinhardter Straße. „Es war für unsere kleine Stadt etwas ganz Besonderes", erinnert sich Schatto. Schließlich unternahmen die Gäste von hier aus Handballfahrten durch das ganze Bundesgebiet.

    Das erste Länderspiel Deutschland gegen Russland fand in der Sobernheimer Dr.-Dümmler-Halle statt. „Vor 600 Zuschauern. Und danach bekamen wir ein Sonderlob des Handballbundes, weil alles so gut geklappt hatte", sagt der pensionierte Realschullehrer und strahlt dabei noch heute. Dass der Besuch von Ukrainern im Westen zu Zeiten des Kalten Krieges etwas Spezielles war, habe sich auch an der großen Zahl der mitgereisten Offiziellen in der Delegation gezeigt. „Die hatten offenbar nichts anderes zu tun als aufzupassen", beobachtete Schatto.

    Doch die mitgereisten Dolmetscher hatten die Deutschen schon frühzeitig geimpft, sich politische Fragen tunlichst zu verkneifen. Daran habe man sich selbstverständlich gehalten. Für die Sobernheimer wie für die Gäste habe schließlich der Handball im Vordergrund gestanden, nicht die große Politik, so Schatto weiter. Er erinnert sich an insgesamt sechs Gegenbesuche in der Ukraine, denen sich einige private Urlaube anschlossen. „Doch nachdem die Mauer gefallen war, war die Spannung irgendwie weg", beschreibt er, wie die Freundschaft irgendwann langsam einschlief. Heute könne man aber mit Fug und Recht behaupten, dass die Sobernheimer und Kiewer Handballer ein kleines bisschen zur Völkerverständigung beigetragen haben.

    Trainer Igor Turtschin wurde zum OSC-Ehrenmitglied ernannt. Im November 1993 starb der energiegeladene Trainer während eines Handballspiels seiner Mädels. Martin Köhler

    Kirn
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