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    Bad SobernheimKataster belegt: Erste jüdische Bestattungen auf Sobernheimer Domberg vor 1825

    Mit großem Interesse folgten gut 50 Menschen der Einladung des Kulturforums und des Fördervereins Synagoge Sobernheim zur Besichtigung des jüdischen Friedhofs auf dem Domberg. Sie stimmte auf den anschließenden Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde“ im Paul-Schneider-Gästehaus ein.

    Hans-Eberhard Berkemann vom Förderverein Synagoge Sobernheim führte über den jüdischen Friedhof auf dem Domberg.
    Hans-Eberhard Berkemann vom Förderverein Synagoge Sobernheim führte über den jüdischen Friedhof auf dem Domberg.
    Foto: Marion Unger

    Bad Sobernheim - Mit großem Interesse folgten gut 50 Menschen der Einladung des Kulturforums und des Fördervereins Synagoge Sobernheim zur Besichtigung des jüdischen Friedhofs auf dem Domberg. Sie stimmte auf den anschließenden Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde“ im Paul-Schneider-Gästehaus ein.

     


    „Keiner wollte diesen Platz haben, deshalb wurde er den Juden als Begräbnisstätte zugewiesen“, erläuterte Fördervereinsvorsitzender Hans-Eberhard Berkemann. Mit wissenswerten Details zur Geschichte des jüdischen Friedhofs stieg er in seine Führung ein.

    Drei in früher Zeit aufgeschüttete Wälle, über die sich die Grabfelder erstrecken, deuten nach seinen Worten auf eine einstige Fliehburg hin. Später stand an dieser Stelle der Galgen, die letzte Hinrichtung erfolgte 1732. Das Todesurteil wurde an einer jungen Frau vollstreckt, die ihr Kind in einen Brunnen geworfen hatte.

    Wann hier genau die ersten Juden bestattet wurden, ist unbekannt. „Es muss vor 1825 gewesen sein, denn aus diesem Jahr stammt das erste Sobernheimer Kataster und darin war der Friedhof verzeichnet“, erklärte Berkemann.
    Erläuterungen über die Bedeutung von Gestalt und Inschriften der Grabsteine und zu jüdischen Bestattungsriten garnierte Berkemann mit einer Fülle von Lebensgeschichten, die sich um die hier Ruhenden ranken. So erinnert das Mahnmal in der Mitte des Friedhofs an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Bürger und an die Opfer des Nazi-Terrors.

    Mit einem Vorschlaghammer zerschlug ein Sobernheimer Schmied während der Nazizeit die Tafel mit den Namen der Gefallenen, die in der Synagoge hing. Als der Friedhof 1950 wieder in einen würdigen Zustand versetzt wurde, setzte man die Scherben zusammen und brachte die Gedenktafel hier an. Welche Bedeutung den Gräbern in der jüdischen Kultur zukommt, zeigt die Geschichte von Hans-Hermann Feibelmann, der als Elfjähriger aus Nazideutschland floh und in Israel den Namen Chanan Peled annahm. Nach vielen Jahren kam er zurück in seine Heimatstadt Sobernheim und brachte am Grab seines Vaters eine Plakette mit dem Namen seiner Mutter an, die in einem Konzentrationslager umgebracht worden war. „Es war ihm enorm wichtig, auf diese Weise an seine Mutter zu erinnern“, berichtete Berkemann.

    Mit der Auswahl des Films „Im Himmel, unter der Erde“ über den größten jüdischen Friedhof Europas, auf dem noch Bestattungen stattfinden, in Berlin-Weißensee, bewiesen die Organisatoren des Kulturforums eine glückliche Hand. Auch wer sich gefragt haben mag, was man denn 90 Minuten lang in einem Film über einen Friedhof erzählen kann, hatte sich am Ende keine Minute gelangweilt.

    Durchsetzt mit feinem Humor vermittelt er die jüdische Begräbniskultur und stellt bewegende, nicht immer tragische Lebensgeschichten jüdischer Bürger aus dem 19. und 20. Jahrhundert vor. Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Nazis und Sozialismus haben auf dem Berliner Friedhof ihre Spuren hinterlassen. Heute ist er Kandidat für den Unesco-Weltkulturerbe-Status.

    Der Jüdische Friedhof auf dem Domberg, nahe der alten Römerstraße, ist der zweitgrößte von 38 jüdischen Begräbnisstätten im Kreis Bad Kreuznach. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1829, die letzte Beerdigung fand 1941 statt. Neben den Sobernheimer Bürgern jüdischen Glaubens sind hier auch Juden aus Waldböckelheim beigesetzt. Zudem fanden Grabsteine des aufgelassenen Monzinger Friedhofs ihren Platz. Nach 1945 musste der Friedhof mehrere Schändungen über sich ergehen lassen, die letzte 1995. Trotz starker Verwitterung der Grabsteine vermittelt die Anlage einen guten Eindruck jüdischer Begräbniskultur und Symbolik eines Zeitraums von fast 150 Jahren. (noi)

    Bad Kreuznach
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