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  • Integration Afghanischer Flüchtling sieht die Arbeit als Sprungbrett - Er absolviert zudem einen Sprachkurs und ein Praktikum

    Integration als Sprungbrett: Ingenieur Abbas H. jobbt im Regio-Markt

    Bad Kreuznach. Was treibt einen Ingenieur dazu, im Einzelhandel zu arbeiten? Für Abbas H. (Name von der Redaktion geändert), der aus seiner afghanischen Heimat geflohen ist, ist der Job im Regio-Markt in Bad Kreuznach das Sprungbrett in den deutschen Alltag und auf lange Sicht hoffentlich in ein zufriedenstellendes Berufsleben. Beim Einräumen von Waren oder beim Bedienen von Kunden hat er Deutsch und viel über Land und Leute gelernt.

    Abbas H. absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Regio-Markt. Er nutzt die Möglichkeit, bei der Arbeit und im Umgang mit Kunden seine Deutsch- und Landeskenntnisse zu vertiefen.
    Abbas H. absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Regio-Markt. Er nutzt die Möglichkeit, bei der Arbeit und im Umgang mit Kunden seine Deutsch- und Landeskenntnisse zu vertiefen.
    Foto: Christine Jäckel

    Die Brotbackmischung von der Booser Denkmalinsel? „Schmeckt sehr gut“, kommt Abbas‘ Antwort umgehend. Im Februar 2016 begann er aus eigenem Antrieb im Regio-Markt als Praktikant. Seit August absolviert er an gleicher Stelle ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) mit besonderer Konstellation.

    Der 26-Jährige kam im November 2015 nach Bad Kreuznach. „In meiner Heimat herrscht Krieg. Dort hatte ich keine Perspektive“, sagt der schmale, junge Mann, der aus dem Nordosten Afghanistans stammt. Als Abbas sein Land verließ, hatte er den Bachelorabschluss als Hoch- und Tiefbauingenieur in der Tasche. Als afghanischer Flüchtling gehörte er allerdings nicht zu dem Personenkreis, der Anspruch auf Teilnahme an einem Integrationskurs hat. Deshalb wurde er selbst aktiv und fand beim Internationalen Bund für Sozialarbeit (IB) einen Platz in einem Deutschkurs.

    „Wir haben uns zuerst auf Englisch verständigt, inzwischen spricht Abbas ausgezeichnet Deutsch“, sagt Ute Ackermann, ehrenamtliche Geschäftsführerin des Regio-Markts. Zu ihrem Team gehören vier feste Mitarbeiter in Teilzeit. Seit einigen Jahren sind darunter regelmäßig junge Leute aus Frankreich, die ein FÖJ ableisten. Das Umweltministerium hat den Freiwilligendienst für Migranten geöffnet, insbesondere auch für geflüchtete junge Erwachsene, die noch keinen Aufenthaltsstatus haben. Aktuell absolvieren landesweit zehn Flüchtlinge ein FÖJ.

    Abbas' motivierte Mitarbeit und seine schnellen Fortschritte beim Deutschlernen regten Ute Ackermann dazu an, ihre Kontakte zu nutzen, um den fleißigen jungen Mann als Praktikant an ein Ingenieurbüro zu empfehlen. Diese Initiative unterstützte Alexander Richardt von der FÖJ-Zentralstelle in Hachenburg. Er setzte sich dafür ein, dass Abbas sein FÖJ in einer individuell zugeschnittenen Konstellation durchlaufen kann: Vormittags besucht er einen Sprachkurs, an drei Nachmittagen in der Woche arbeitet er im Regio-Markt, und an den restlichen beiden Nachmittagen ist er als Praktikant im Ingenieurbüro tätig.

    Abbas weiß, dass es noch ein langer Weg mit vielen Hürden ist, aber er peilt den Masterabschluss an. „Es gibt eine Teilanerkennung für seinen Abschluss, und er wird eine Anpassungsausbildung benötigen“, nennt Brigitte Hampel vom Jugendmigrationsdienst des IB weitere Schritte. Sie ist die Organisatorin des Tandemprojekts, das jugendlichen Flüchtlingen unter Mitwirkung von Ehrenamtlichen praktische Hilfe im Alltag gibt.

    „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ein Prinzip des Tandemprojekts, in dem derzeit 17 Jugendliche von 27 Ehrenamtlichen betreut werden. Christiane Knoblach ist eine von ihnen. Sie wird in ihrem Engagement von ihrer Familie unterstützt. Abbas gehört mit drei weiteren afghanischen Jugendlichen zu ihren Schützlingen. „Es gibt vieles in unserem Alltag, was Jugendliche aus einer anderen Kultur völlig überfordert, etwa der Schriftverkehr mit den Behörden“, nennt Knoblach ein Beispiel. Sie half Abbas unter anderem bei der Wohnungssuche und beim Umzug. Im Tandemprojekt hat sie bei allen Fragen Brigitte Hampel als feste Ansprechpartnerin und Begleitung durch eine Supervision.

    Der Umgang mit den afghanischen Jugendlichen hat bei Knoblach auch das Bewusstsein für die demokratischen Grundrechte geschärft. „Weißt du, Christiane, was das Schönste ist? Dass ich hier über alles nachdenken darf“, hat Abbas ihr kürzlich gesagt.

    Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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