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  • Kreis Bad KreuznachFünf Sekunden mit Symbolwert: Dickes himmelhochjauchzend, Nies betrübt

    Als eine freudestrahlende Bettina Dickes um 19.24 Uhr unter Beifall den Sitzungssaal der Kreisverwaltung betritt, steht Hans-Dirk Nies auf, geht auf sie zu und gibt ihr die Hand. Das Ganze dauert fünf Sekunden. Als ihn ein Reporter bittet, die Szene für ein Foto zu wiederholen, antwortet der SPD-Kandidat kurz und knapp: „Nein, so weit geht die Liebe nicht.“

    Der Verlierer des ersten Wahlgangs, Hans-Dirk Nies (SPD), schüttelt Bettina Dickes (CDU) die Hand, als sie gestern Abend um 19.24 Uhr den großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung betritt. Dort verfolgten mehr als 100 Bürger und Kommunalpolitiker den Urwahlabend.  Foto: Stefan Munzlinger
    Der Verlierer des ersten Wahlgangs, Hans-Dirk Nies (SPD), schüttelt Bettina Dickes (CDU) die Hand, als sie gestern Abend um 19.24 Uhr den großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung betritt. Dort verfolgten mehr als 100 Bürger und Kommunalpolitiker den Urwahlabend.
    Foto: Stefan Munzlinger

    Diese Worte sagen viel über die Seelenlage des 50-Jährigen, der den Tag bis zum Abend ganz entspannt mit der Familie verbracht hatte. Mittags gab es sein Lieblingsessen, Schweinefilet im Speckmantel mit Kroketten. Als Nies um 18.35 Uhr in der Kreisverwaltung eintrifft, wirkt er ruhig und gelassen, strahlt gespannte Zuversicht aus. Kurz danach kommt das erste Ergebnis – und zwar aus der VG Langenlonsheim ein: 48,9 Prozent für Dickes, 36,1 Prozent für ihn. Auch in den Verbandsgemeinden Meisenheim und Sobernheim hat er das Nachsehen. Die Siege in den VGs Kirn-Land und Sobernheim registriert er mit ernster Miene. Er ahnt wohl schon, dass es nicht sein Abend werden wird.

    Und der 50-Jährige weiß auch, wie schwer es werden wird, den Trend gegen ihn bis zur Stichwahl umzukehren. Den Grund für seine Niederlage im ersten Wahlgang benennt er klar: „Meine Ehrlichkeit war ein Fehler“, betont er. Damit meint er seine Aussage, dass er Dickes fachlich den Landratsjob nicht zutraut. „Sie kann's nicht“, hatte er gesagt. Jetzt stellt sich für ihn und seine Mitstreiter die Frage: Wie soll die Strategie für die nächsten beiden Wochen aussehen? Zurücknehmen kann er seine Äußerungen, die bei zu vielen Wähler offenbar nicht gut ankamen, schließlich nicht mehr. Auch Parteifreunde räumen nach der enttäuschenden Niederlage hinter vorgehaltener Hand ein, dass die Attacke zu heftig war: „Er hätte es einfach nur geschickter formulieren müssen und auf seine eigenen Fähigkeiten hinweisen müssen“, meint einer. Nies trägt die Niederlage im ersten Wahlgang mit Fassung. Aber ihm ist anzumerken, dass er nach dieser bitteren Enttäuschung angeschlagen ist.

    Frust im SPD-Lager, Freude bei der CDU: Gegensätzliche Gefühlswelten prägen den Wahlabend. „Ich habe in den vergangenen Wochen schon gespürt, dass es kein Desaster für mich wird“, antwortet Dickes diplomatisch auf die Frage, welches Ergebnis sie erwartet habe.

    Die CDU-Kandidatin wartet in der CDU-Geschäftsstelle in der Freiherr-vom-Stein-Straße auf die Ergebnisse. Im kleinen Kreis. Nur die Familie und engste Unterstützer sind da. Die Bundestagsabgeordnete Antje Lezius ist gekommen, Julia Klöckner nicht. Und am Ende fließen sogar Freudentränen. Nicht nur bei Bettina Dickes, sondern auch bei Tochter Pauline, die – wie ihre drei Geschwister – als fleißige Wahlkampfhelferin mit der Mutter Klinken putzte.

    Dabei beginnt der Abend zäh. Dickes wirkt ruhig, ihr Ehemann weniger. Axel Hill kann sich für die Anwesenheit der Presse zunächst wenig begeistern. Als die ersten Ergebnisse eintrudeln, bessert sich die Laune spürbar. Auf einem gewöhnlichen DIN-A4-Blatt listet Karl-Heinz Viehlmann, der Vater von Bettina Dickes, die Ergebnisse auf. Aus allen Gemeinden melden sich Dickes-Unterstützer mit den neuesten Zahlen. Links stehen die Gemeinden, die an Nies gehen, rechts die, die sich Dickes sichern kann. Als die rechte Spalte länger und länger wird, gibt es kein Halten mehr.

    „Ich habe einige Gemeinden gewonnen, die zuvor fest in SPD-Hand waren“, jubelt Bettina Dickes, die sich vor Umarmungen und Glückwünschen kaum retten kann, als das vorläufige Endergebnis feststeht.

    Dickes sieht ihr gutes Gefühl bestätigt. „Ich hab bei meinen Wahlkampftouren einige Menschen erlebt, die mir klar gesagt haben: Wir sind keine CDU-Wähler, aber wir wollen Sie unterstützen.“ Der Schlüssel: Den persönlichen Angriff von Nies, den Verweis auf ihre angeblich fehlende Kompetenz, habe sie nicht erwidert. „Ich habe mich bewusst nicht auf verbale Scharmützel eingelassen. Ich glaube, dass haben die Leute honoriert“, mutmaßt die CDU-Kandidatin im Gespräch mit dem Oeffentlichen Anzeiger. In den nächsten zwei Wochen will Bettina Dickes weiter Gas geben und Stimmen sammeln. „Ich will es jetzt schaffen.“

    Von Kurt Knaudt und Marian Ristow

    Von Klöckner bis Pörksen: Reaktionen zum schlechten Abschneiden von Nies

    Kreis Bad Kreuznach. Noch am Wahlabend wurde viel darüber spekuliert, ob Nies' Äußerung, Bettina Dickes „könne Landrat nicht“, ihn Stimmen gekostet haben könnte. Der „Oeffentliche“ hat Reaktionen zum Wahlausgang eingefangen.

    Julia Klöckner, CDU-Landesvorsitzende: „Hut ab, das ist ein großartiges Ergebnis für Bettina Dickes. Anstand und Format im Wahlkampf haben sich ausgezahlt. Jetzt ist es wichtig, die Leute auch im zweiten Wahlgang zur Urne zu bringen, denn die Stichwahl ist noch nicht gewonnen.“ Was soll Dickes in den nächsten zwei Wochen machen? Klöckner: „Sich treu bleiben, so wie sie ist. Sie hat etwas Überzeugendes.“ 

    Landrat Franz-Josef Diel (im Gespräch mit dem Regio-Chef unserer Zeitung, Kurt Knaudt , li, und dem Redaktionsleiter des Oeffentlichen Anzeigers, Gustl Stumpf) : „Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte.“ So beurteilt Diel das starke Abschneiden der parteilosen Anke Schumann. „Das hat ihr in die Karten gespielt.“
    Landrat Franz-Josef Diel (im Gespräch mit dem Regio-Chef unserer Zeitung, Kurt Knaudt , li, und dem Redaktionsleiter des Oeffentlichen Anzeigers, Gustl Stumpf) : „Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte.“ So beurteilt Diel das starke Abschneiden der parteilosen Anke Schumann. „Das hat ihr in die Karten gespielt.“

    Franz-Josef Diel, Landrat: „Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte.“ So beurteilt Diel das starke Abschneiden der parteilosen Anke Schumann. „Das hat ihr in die Karten gespielt.“

    Carsten Pörksen, SPD-Urgestein: „Ich hatte ein besseres Ergebnis für Nies erwartet. Erfreulich ist die hohe Wahlbeteiligung. Jetzt gilt es, die Basis zu schaffen, um Nies in 14 Tagen zum Landrat zu wählen. Entscheidend wird dabei sein, die Wähler erneut zur Wahlurne zu bekommen.“

    Joe Weingarten, SPD-Direktkandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld: „Es ist das erwartet knappe Ergebnis.“ Sein Rezept für die Stichwahl: „Wir müssen jetzt die, die Anke Schumann gewählt haben, davon überzeugen, dass sie Hans-Dirk Nies wählen.“

    Antje Lezius, CDU-Direktkandidatin für die Bundestagwahl: „Ich bin von dem Ergebnis begeistert. Es hat sich ausgezahlt, dass Bettina sich die Sohlen abgelaufen hat.“ Wie beurteilt sie die Zahlen für Nies: „Ich habe nicht erwartet, dass er nach seinem Benehmen gegenüber unserer Kandidatin noch so gut abschneidet.“

    Denis Alt, SPD-Landtagsabgeordneter: „Natürlich hat man im Vorfeld Wünsche bezüglich des Wahlausgangs. Der Abstand ist hauchdünn, es bleibt weiterhin spannend. Ob und welche Äußerung von Hans-Dirk Nies nun den Ausschlag gegeben hat, ist spekulativ. Noch ist alles möglich.“

    Heike Kaster-Meurer, Oberbürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach: „Auch wenn ich es nach wie vor nicht ausreichend finde, ist die Wahlbeteiligung in der Stadt von unter 20 auf etwa 36 Prozent gestiegen. Das ist Freude auf geringstem Niveau. Dass es in die Stichwahl gehen könnte, war uns allen klar. In der Stadt ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, den Unterschied machten 44 Stimmen. Es ist weiterhin alles offen.“

    Michael Simon, ehemaliger Landtagskandidat der SPD: „Ein zweiter Wahlgang war absehbar. Vom Martin-Schulz-Effekt war an der Basis nichts zu spüren. Wir müssen jetzt die Hacken zusammenschlagen und kämpfen.“

    Von unseren Reportern

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