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    Bad KreuznachFrauenhaus: Die Anfeindungen der Anfangszeit sind vorbei

    Doris Platt kann sich noch genau an die Anfangszeit erinnern: „Angefangen haben wir mit ausrangierten Betten aus der Jugendherberge.“ Heute ist das Kreuznacher Frauenhaus ein funktionales, schönes Gebäude, in dem sich die Frauen wohlfühlen. Jedenfalls so weit dies möglich ist in einer Zufluchtsstätte vor Gewalt in engen sozialen und familiären Beziehungen.

    Helga Baumann, Petra Baumgärtner, Marianne Rabb-Ohlenforst und Doris Platt (von links) vor der Holz-Schutzhütte auf dem Frauenhausgelände. Die Anschaffung hat ein anonymer Sponsor mit seiner 5000-Euro-Spende ermöglicht.
    Helga Baumann, Petra Baumgärtner, Marianne Rabb-Ohlenforst und Doris Platt (von links) vor der Holz-Schutzhütte auf dem Frauenhausgelände. Die Anschaffung hat ein anonymer Sponsor mit seiner 5000-Euro-Spende ermöglicht.
    Foto: Harald Gebhardt

    Bad Kreuznach - Doris Platt kann sich noch genau an die Anfangszeit erinnern: „Angefangen haben wir mit ausrangierten Betten aus der Jugendherberge.“ Heute ist das Kreuznacher Frauenhaus ein funktionales, schönes Gebäude, in dem sich die Frauen wohlfühlen. Jedenfalls so weit dies möglich ist in einer Zufluchtsstätte vor Gewalt in engen sozialen und familiären Beziehungen.

    Doris Platt ist mit Helga Baumann eine der zwei Gründungsfrauen, die dem aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden bestehenden Vorstand des Fördervereins für das Keuznacher Frauenhaus angehören. Dritte im Bunde ist Marianne Rabb-Ohlenforst. Genau am 20. Februar wird der Förderverein 20 Jahre alt. Zurzeit suchen sieben Frauen mit elf Kindern im Frauenhaus Schutz, darunter ein vier Wochen altes Baby und ein einjähriges Kind. „Kinder, die Gewalt gegen ihre Mutter erleben mussten, sind traumatisiert“, erklärt Petra Baumgärtner, die seit 12 Jahren das Frauenhaus leitet. „Gewalt gegen die Mutter hat immer dramatische Auswirkungen auch auf die Kinder. Deshalb gilt ihnen unsere besondere Fürsorge“, ergänzt Doris Platt. Die Zahlen, die sie nannte, sind erschreckend: „Jedes fünfte Kind erlebt körperliche Gewalt in der Familie.“ Auch wenn es bei den aktuellen Zahlen nicht den Anschein hat: Die Zahl der Kinder, die im Frauenhaus Schutz finden, nimmt ab, hat Petra Baumgärtner festgestellt. Dies bedeutet aber mitnichten Entwarnung. Sie führt dies auf die demografische Entwicklung zurück.


    Der Anfang war nicht leicht. Einige Schwierigkeiten mussten überwunden werden, und es gab auch „Anfeindungen“, erinnert sich Doris Platt. „Bad Kreuznach braucht kein Frauenhaus, weil es keine Gewalt gegen Frauen gibt.“ Sätze wie diese bekamen die Gründungsfrauen zu hören. 20 Jahre später stellt niemand mehr die Einrichtung infrage, und sie ist heute so wichtig wie damals. Inzwischen ist ein weites Netzwerk aufgebaut – eine Kooperation mit Jugendämtern, allgemeinem Sozialdienst, Polizei oder Einrichtungen von Trägern der Jugendarbeit, aber auch mit Familiengerichten, Staatsanwaltschaft oder auch den Hebammen.

    Zu den Angeboten zählen die Beratungsstelle und die 2006 geschaffene Interventionsstelle nach einem Polizeieinsatz bei Gewalt in engen familiären Beziehungen. Ein neuer Schwerpunkt mit Modellcharakter wurde jetzt begonnen: „der interkulturelle Öffnungsprozess“, wie es Petra Baumgärtner nennt. Gemeint ist damit die Integration von Frauen mit Migrationshintergrund, die im Frauenhaus Zuflucht suchen. Bundesweit machen sie inzwischen fast 50 Prozent aus. Was nicht heißt, dass Ausländer mehr schlagen, wie die Runde betont. „Wir geben Hilfestellungen, wie sie an Quellen kommen, wo sie wieder Kraft schöpfen können“, erläutert Petra Baumgärtner.

    Die Gehälter der fünf Mitarbeiterinnen werden über Zuschüsse von Land, Stadt und Kreis bezahlt. Alles andere finanziert der Förderverein über Spenden.

    Neben der Feminale, die vom 10. bis 12. Mai zum 15. Mal stattfindet, hat der Förderverein als Ergänzung eine zweite Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr bietet er mit der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH eine Vortragsreihe an, die historischen Frauenpersönlichkeiten gewidmet ist. Nach dem Auftakt über Maria Magdalena, bei dem mehr als 400 Euro zusammenkamen, steht diesmal die Bildhauerin Camille Claudel im Mittelpunkt: „Ein Leben für Kunst und Liebe“ heißt der Titel des Vortrages der Kreuznacher Kunstpreisträgerin Ursula Reindell am Freitag, 18. Februar, ab 17 Uhr im Haus des Gastes, Kurhausstraße.  Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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